Ausstellung
Das Oltner Kunstmuseum geht an die frische Luft und zeigt Kunst «dere schöne Aare naa»

Eine Ausstellung der speziellen Art wird am Samstag in Olten eröffnet. Ausstellungsraum ist nicht nur das Museum, sondern die Stadt selbst. «Dere schöne Aare naa» präsentiert Kunstwerke im öffentlichen Raum.

Vanessa Simili
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«Westermann & Uttley (Flaschenpost)», die Installation von Nicholas Micros aus Stahl, Draht, Gitter, Zement, Glas, Keramik und Holz.

«Westermann & Uttley (Flaschenpost)», die Installation von Nicholas Micros aus Stahl, Draht, Gitter, Zement, Glas, Keramik und Holz.

Bruno Kissling

Es ist eine Show der besonderen Art, die das Kunstmuseum Olten heute Nachmittag eröffnet. «Dere schöne Aare naa» zeigt 13 zeitgenössische Positionen im öffentlichen Raum und reicht als Ausstellung erstmals im grossen Stil über die Museumsmauern hinaus. Jedenfalls seit Dorothee Messmer und Katja Herlach das Haus führen.

Vor allem tagsüber ist in diesem Sommer in der ganzen Stadt Kunst anzutreffen. Ein Werk aber wird erst mit dem Eindunkeln sichtbar: Unter der Bahnhofbrücke tritt mit dem Anbrechen der Nacht die Arbeit «BluetenFlut» von Fränzi Neuhaus hervor. Ein bewegtes Bild von schwimmenden Blumen wird an den Brückenpfeiler projiziert.

Dort verweist es auf fast metaphorische Aspekte des Elements, auf das Moment des Fliessens, die Spiegelfähigkeit an seiner Oberfläche, das Spiel mit dem Licht, dem Wind, der Bewegung.

Ein perfekter Tag, findet Co Gründler in der Schützenmatte.

Ein perfekter Tag, findet Co Gründler in der Schützenmatte.

Bruno Kissling

Die Entlarvung einer vermeintlichen Idylle

«Die Ausstellung war für den vergangenen Sommer geplant», so Kuratorin Dorothee Messmer. «Wir waren mitten in den Vorbereitungen, als wir aufgrund der Pandemie stoppen mussten.» Und so wurde die Ausstellung verschoben. «Jetzt aber, ein Jahr später, finden wir veränderte Bedingungen vor», ist zu erfahren. Damit ist etwa der Ländiweg gemeint, der eigentlich durch die Ausstellung hätte bespielt werden sollen.

Nun wird dort aber gebaut. Der in Baustellennähe platzierten Arbeit von Neuhaus tut das keinen Abbruch. Im Gegenteil; genau mit diesem Kontrast, mit dem Phänomen der Illusion und Desillusion, spielt das Werk. Denn was auf den ersten Blick nach Blüten aussieht, entlarvt sich beim genaueren Hinschauen als amorphe Strukturen aus Plastik. So wird die Entlarvung der vermeintlichen Idylle zum Thema gemacht. Oder aber die Poetisierung einer nüchternen Realität.

Spaziert man aareaufwärts, so trifft man auf Ursula Pallas Worte «als wir träumten». Als Neon-Leuchtschrift auf der Wand der Holzbrücke montiert. Unübersehbar.

Lässt auch den Betrachter träumen: Installation von Ursula Palla an der alten Oltner Holzbrücke.

Lässt auch den Betrachter träumen: Installation von Ursula Palla an der alten Oltner Holzbrücke.

Bruno Kissling

Dass die Installation acht Meter lang ist, erstaunt. In dieser Umgebung täuschen die Masse. Wofür die Worte wohl werben? Sie referieren auf eine Hypothese, einen Traum, einen möglichen Anfang einer Geschichte, einen allfälligen Schluss einer Erzählung.

Es ist die Lücke, die Leerstelle, die hier Bedeutung erhält und Raum eröffnet. Für die Erinnerung, für – vielleicht vergangene – Wünsche und Sehnsüchte.

«Fruchtexpress Zürich-Schlieren» nennt sich diese Skulptur.

«Fruchtexpress Zürich-Schlieren» nennt sich diese Skulptur.

Bruno Kissling

«Kunst hat stark mit dem Ort zu tun, wo sie entsteht», sagt Messmer. Diese Ortsspezifik will die neue Ausstellung mit vor allem regionalen Künstlerinnen und Künstlern aufgreifen – und Olten als Aarestadt würdigen.

Und während draussen am Aareufer tatsächlich Kunstwerke positioniert sind, gehen die Betrachterin und der Betrachter innerhalb der Museumsräume ebenfalls «der Aare entlang», wenn auch in einer anderen Art. Hier treten zeitgenössische Positionen neben ältere Arbeiten aus der Sammlung. Zu sehen sind kunsthistorisch klassische Ansichten von Aarestädten wie Thun und Aarberg und andere, auch abstrakte Gewässeransichten.

Die Malerei von Martin Ziegelmüller etwa geht beinahe gänzlich in die Abstraktion über. Fragen tauchen auf. Meer? Fliesst die Aare hier ins Meer? Und wenn nicht sie selbst, dann doch irgendwann schliesslich das Wasser, das in ihr fliesst. Sind wir über dieses Flussnetz mit dem Ozean verbunden?

Das Bild der Stadt ist fest mit der Aare verbunden

«Die Aare interessierte uns als Thema für die Ausstellung deshalb, weil das Bild der Stadt Olten fest mit der Aare verbunden ist», so Herlach. Hier bereits zu römischen Zeiten besiedelt, sei die Aare historisch schon früh für die Schifffahrt von Bedeutung gewesen, als Flösserweg, als wichtige Lebensader. In diesem Sinne empfängt einen das Bild dieser Lebensader bereits im Eingangsbereich im Museum, als Bild auf die Wand gemalt.

Als Land- beziehungsweise Gewässerkarte wird diese zum Ausgangspunkt der ästhetischen Auseinandersetzung, die einen im Museum erwartet.
Ein anschaulich schlicht gestalteter Plan gibt näher Auskunft über die Künstler und Künstlerinnen, die Werke und deren Standort im Freien. Er ist gratis erhältlich, im Kunstmuseum, bei Olten Tourismus, im Stadthaus, im Aarebistro und in der Badi.

«Dere schöne Aare naa» ist bis zum 1. August zu sehen. Di-Fr, 12-17 Uhr, Sa/So 10-17 Uhr. Eröffnung heute Samstag (Tag der offenen Tür, 14-21 Uhr).