Flugplatz Grenchen
Ausgleich der Interessen gestaltet sich schwierig

Die SP-Amteipartei Solothurn-Lebern organisiert eine Debatte zur Pistenverlängerung des Flugplatzes Grenchen. Zentral war die Frage, ob der wirtschaftliche Nutzen des Flughafens den Eingriff in die Witi-Schutzone rechtfertigt.

Elisabeth Seifert
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Das Podiumsgespräch soll den Meinungsbildungsprozess der Genossen befeuern (v.l.): Felix Glatz-Böni (Grüne, Gemeinderat Bellach), Moderator Simon Bürki (SP, Kantonsrat aus Biberist), Conrad Stampfli (Verwaltungsrat Flughafen Grenchen).

Das Podiumsgespräch soll den Meinungsbildungsprozess der Genossen befeuern (v.l.): Felix Glatz-Böni (Grüne, Gemeinderat Bellach), Moderator Simon Bürki (SP, Kantonsrat aus Biberist), Conrad Stampfli (Verwaltungsrat Flughafen Grenchen).

Hans Ulrich Mülchi

Die geplante Pistenverlängerung am Flugplatz Grenchen löst kontroverse Debatten aus – auch innerhalb der SP. Das machte am Mittwochabend eine Diskussionsveranstaltung in Bettlach deutlich, zu der die Amteipartei Solothurn-Lebern anlässlich ihres ordentlichen Parteitages eingeladen hat. Die angeschlossenen Ortsparteien von Grenchen bis Solothurn beschäftigen die Ausbaupläne in besonderem Mass. «Wir tragen zwei Herzen in der SP-Brust, sowohl die Förderung von Arbeitsplätzen als auch den Naturschutz», gab Gemeinderat und Kantonsrat Mathias Stricker (Bettlach) Einblick in das Ringen der Genossen.

Wirtschaftlicher Standortvorteil?

Die Kernfrage des Podiumsgesprächs, das zum Meinungsbildungsprozess beitragen sollte, lautete denn auch: Rechtfertigt der zu erwartende wirtschaftliche Nutzen für die Region am Jurasüdfuss den Eingriff in die Witi-Schutzzone? Unter den kritischen Augen von rund 30 Sozialdemokraten blieben sich Conrad Stampfli und Felix Glatz-Böni keine Antwort schuldig. Der Solothurner Rechtsanwalt Stampfli, seit einigen Monaten Verwaltungsrat des Regionalflugplatzes, vertrat die Anliegen seines Auftraggebers – und der grüne Bellacher Gemeinderat Glatz-Böni jene der erklärten Gegner einer Verlängerung der Piste um 450 Meter.

«Macht ein Ausbau wirtschaftlich wirklich Sinn? Unternehmer Nick Hayek zum Beispiel erachte eine Pistenverlängerung für seine eigene geschäftliche Tätigkeit für unnötig.» Mit dieser Frage versuchte Gesprächsleiter Simon Bürki (SP-Kantonsrat aus Biberist) Conrad Stampfli aus der Reserve zu locken. «Hayek ist in der Region bereits fest verwurzelt», konterte Stampfli. «Wir aber wollen mit der Pistenverlängerung bessere Bedingungen schaffen, damit sich neue Betriebe ansiedeln.» Wenn sich nur schon zwei grössere Betriebe anlocken liessen, würden sich die Investitionen in eine Pistenverlängerung aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnen.

Unternehmer wie Nick Hayek seien geschäftlich zudem mit ihren eigenen Privatflugzeugen unterwegs, unterstrich Stampfli. Und auf diese treffen – jedenfalls derzeit noch – die verschärften Sicherheitsanforderungen nicht zu. Für die gewerblich betriebene Geschäftsfliegerei indes werde seit Jahren eine bestimmte Pistenlänge vorgeschrieben. Erfülle ein Flugplatz diese Bedingung nicht, können die Flugzeuge ihre Kapazitäten nicht voll ausnützen. Stampfli: «Mit einer Verlängerung der Piste aber verschafft sich der Regionalflugplatz Grenchen gegenüber allen anderen Regionalflugplätzen westlich der Limmat einen Standortvorteil.» Ein Regionalflugplatz sei für die Geschäftsfliegerei dabei attraktiver als ein Linienflughafen, weil das ganze Abfertigungs- und Eincheckprozedere bedeutend rascher vonstatten gehe.

In 10 oder 20 Jahren habe die Geschäftsfliegerei womöglich keinen so hohen Stellenwert mehr und werde durch Videokonferenzen abgelöst, hielt Felix Glatz-Böni entgegen. Zudem müsse man anerkennen, dass dem wirtschaftlichen Wachstum – und damit auch dem Regionalflugplatz Grenchen – Grenzen gesetzt seien.

Eine Piloten-Blacklist

Wolle man von einem Standortvorteil der Region sprechen, dann bestehe dieser doch vielmehr in einer «kleinräumigen Wirtschaft» und einem genügend hohen Anteil an landwirtschaftlich nutzbarem Boden. «Vor allem aber widerspricht eine Pistenverlängerung dem regierungsrätlichen Raumkonzept», ist der Bellacher Gemeinderat überzeugt. Gemäss diesem Konzept nämlich müsse die Siedlungsentwicklung «nach innen» erfolgen, weiter gelte es, die Siedlungsqualität zu erhöhen. Vor allem aber bedeute die geplante Pistenverlängerung in Richtung Osten eine erhebliche Beeinträchtigung der Landwirtschaft sowie der kantonalen Naturschutzzone. «Wie jede Privatperson muss sich aber auch der Flugplatz an die bestehenden Gesetze halten.» Wenig Glauben schenkt Glatz-Böni den Beteuerungen der Flugplatzbetreiber, dass über einen «gekröpften» Ostanflug die Storchensiedlung Altreu entlastet werde – und die Flugzeuge am gleichen Ort wie heute aufsetzen werden. «Die Piloten werden die ganze Länge nützen», meinte er.

Es besteht die Möglichkeit, eine «Blacklist» für Piloten zu führen, die sich nicht an die Regeln halten, so Conrad Stampfli. Neben dem «gekröpften» Ostanflug für kleinere Flugzeuge sei zudem geplant, dass die Geschäftsflugzeuge den Flugplatz von Westen her anfliegen. Der Flughafen Grenchen verfüge über die dafür nötige Ausrüstung, sagte Stampfli. Er versicherte zudem, dass die Flughafenbetreiber alles unternehmen werden, um für die Bauern neues Landwirtschaftsland zu finden. Ganz generell gelte es, einen Ausgleich der verschiedenen Interessen zu finden. «Und wenn sich dies als unmöglich erweisen sollte, dann gibt es eben keine Pistenverlängerung», stellte Stampfli nüchtern fest.

Unterstützung erhielt der Flughafen-Verwaltungsrat insbesondere von SP-Vertretern aus Grenchen. Pointiert kritisch äusserte sich indes etwa der Selzacher Gemeinderat Stephan von Büren. Studien würden zeigen, dass die Geschäftsfliegerei an Bedeutung verliere. Für die Geschäftsfliegerei bedeutend attraktiver als Grenchen sei zudem der Raum Zürich.

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