Historie lebendig gemacht
Ausgegraben, dokumentiert und für die Nachwelt gesichert

Im ganzen Kantonsgebiet haben die Mitarbeitenden von Kantonsarchäologie und Denkmalpflege im letzten Jahr vor Ort aktiv Hand angelegt und Unterstützung gewährt.

Katharina Arni-Howald
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Zeugen der Zeit
4 Bilder
Mit feinen Silbereinlagen verzierte Gürtelgarnitur aus dem 7. Jahrhundert aus dem frühmittelalterlichen Friedhof Grenchen.
Skelettfunde in Welschenrohr: Der Mann links wurde als Erster auf dem Bauch in die Grube geworfen, der Mann rechts lag auf dem Rücken
Ein kleiner Teil des Münzschatzes aus der Dünnern in Olten, vergraben um 273/274.

Zeugen der Zeit

Kantonale Denkmalpflege

Ein Sommerhaus nach französischem Vorbild vor den Toren der Stadt – das strebte im 17. Jahrhundert jeder Stadtpatrizier von Solothurn an. Wohl auch der erste Besitzer des auf einem Moränenhügel gelegenen Landguts Vorder-Schöngrün am Nordrand der heutigen Gemeinde Biberist.

Wer dies war, kann nicht eindeutig belegt werden. Das barocke Schlösschen besteht aus einem von Türmchen flankierten Wohnhaus, einem ummauerten französischen Garten und einer sehenswerten Deckenmalerei mit mythologischen Szenen im Erdgeschoss.

Mehr zur Bau- und Ausstattungsgeschichte sowie der zwischen 2012 und 2014 durchgeführten Restaurierung erfährt man im soeben erschienenen Jahresbericht der kantonalen Archäologie und Denkmalpflege.

Die 166-seitige Publikation im A4-Format ist wie immer reich an Hintergrundinformationen zu den in den vergangenen Jahren durchgeführten Grabungsarbeiten und Restaurierungen. Verständliche Texte und ein reichhaltiges Bildmaterial machen das Lesen zum Genuss.

Man spürt, dass sich auch in den vergangenen Jahren ausgewiesene Fachleute den einzelnen Objekten angenommen haben und im ganzen Kanton unterwegs waren.

16 monumentale Marien-Bilder

Als gelungen darf auch die Restaurierung des Marienzyklus im Kloster Visitation in Solothurn bezeichnet werden. Dort hat sich aus der Zeit des ersten Klosterbaus von 1646 ein eindrücklicher, monumentaler Gemäldezyklus mit sechzehn Darstellungen zum Leben Mariä erhalten.

Obwohl im Rahmen der gegebenen finanziellen Mittel im durch verglaste Rundbogen belichteten Kreuzgang keine umfassenden technologischen oder gar naturwissenschaftlichen Untersuchungen der Werke möglich war, erlaubte allein die Reinigung eine genaue Beurteilung des Festtagszyklus.

Von Interesse sein dürfte auch der Bericht über die Restaurierung des Geläuts der St.-Ursen-Kathedrale und die Innenrestaurierung der ehemaligen Spitalkirche zum Heiligen Geist in Solothurn.

In Grube verscharrte Männer

Zu den Highlights der archäologischen Ausgrabungstätigkeiten gehören unter anderem die Gräber in Welschenrohr aus der Zeit des Franzoseneinfalls. Anlässlich des Baus einer neuen Umfahrungsstrasse im Weiler «Malsenhöfe» nordwestlich von Welschenrohr stiess die Kantonsarchäologie auf drei menschliche Skelette.

Die Körper der drei zwischen 20 und 40 Jahre alten Männer waren nicht ordentlich bestattet, sondern in einer Grube verscharrt worden. Zum Zeitpunkt ihres Todes trugen sie Jacken und Hosen mit Metallknöpfen, die auf eine Datierung ins späte 18. Jahrhundert hinweisen und wahrscheinlich mit dem Franzoseneinfall von 1798 in Verbindung stehen, bei dem solothurnische wie französische Soldaten ihr Leben verloren.

Nicht weniger interessant war der Fund eines frühmittelalterlichen Gräberfelds in Grenchen. Dort kamen auf dem frühmittelalterlichen Friedhof zwischen der Schulstrasse und der Schützengasse 47 weitere, bislang unberührte Grabbauten zum Vorschein – fünfzehn davon mit Beigaben.

Der Beitrag stellt drei ausgewählte Gräber vor und präsentiert damit erste Erkenntnisse der laufenden wissenschaftlichen Untersuchungen.

120 Jahre nach dem Fund eines römischen Inschriftenfragments in der Stephanskapelle in Solothurn im Jahre 1887 kann nun nachgewiesen werden, dass das Fragment aus gelbem Kalkstein zu den beeindruckendsten Inschriftensteinen aus dem römischen Solothurn gehört.

Die im Jahr 2012 vorgenommene neue Lesung brachte an den Tag, dass es sich um den Ehrentitel aus der Regierungszeit von Kaiser Severus Alexander handelt. Damit gehört das Fragment zu einer monumentalen Inschriftentafel, die wohl als Bauinschrift an einem öffentlichen Gebäude angebracht war.

Der Stifter des profanen oder auch sakralen Bauwerks war, wie die Kantonsarchäologie vermutet, ein vermögender Bewohner von Solothurn.
In die römische Zeit datiert auch der in der Dünnern bei Olten kürzlich gefundene Münzschatz.

Er reiht sich in die rund zweitausend Fundmünzen der Kantonsarchäologie und ist deshalb interessant, weil er Rückschlüsse auf den Geldumlauf einer bestimmten Zeitepoche möglich macht.

Elf der bekannten römischen Fundhorte aus dem Kanton Solothurn werden in der neuen Publikation der kantonalen Archäologie und Denkmalpflege vorgestellt. Nicht minder lesenswert sind die Kurzberichte über Tätigkeiten in den Bereichen Denkmalpflege und Archäologie in sämtlichen Kantonsteilen. Neu unter Schutz gestellt wurde der Bromegghof in Biberist sowie die Kreuzbrücke in Erschwil.

Die Publikation kann beim Amt für Archäologie und Denkmalpflege, Werkhofstrasse 55, 4500 Solothurn, für 20 Franken bezogen werden. Telefon 032 627 25 77.

Stadttheater Solothurn: Rundum gelungene Renovation

Auf über 28 Seiten wird im neuesten Jahresbericht der Kantonalen Archäologie und Denkmalpflege auch die Gesamterneuerung des Stadttheaters Solothurn abgehandelt. Ein Teil davon befasst sich mit der Baugeschichte des ostseitig anstossenden Krieg-Hauses, das neu ins Theater integriert wurde.

Ein separater Aufsatz beschäftigt sich mit den wiederentdeckten, in der Schweiz einzigartigen Brüstungsmalereien aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Bauarbeiten waren in den Jahren 2013/14 eine grosse Herausforderung für das Amt und wurden von der Bevölkerung mit grossem Interesse verfolgt.

Der nun vorliegende, reichbebilderte Bericht ist ein umfassender Rückblick auf die Geschichte des Theaters und dessen Bau- und Ausstattungsgeschichte bis zum heutigen Tag.

Wie der Bauforscher der Kantonalen Denkmalpflege, Urs Bertschinger, festhält, erhielt das Theater wieder seine ursprüngliche Frische und Grosszügigkeit zurück, ohne dass die typische Intimität eines Kleintheaters verloren ging. Die moderne Infrastruktur entspricht vollumfänglich einem modernen, zeitgemässen Theaterbetrieb und erscheint, nicht zuletzt dank der Brüstungsdekoration von 1856, als eine stimmige Einheit.

Einzig der Verzicht auf die Wiedereinsetzung der ursprünglichen, breitbündigen Holzstützen über den Postamenten beeinträchtige das dem Zustand von 1779 entsprechende Gesamtbild», schreibt Bertschinger. Diese hätten jedoch die Sicht auf die Bühne in einer heute unverständlichen Art stark behindert. Das war der wichtigste Grund, weshalb die schlanken Eisensäulen – zum Bedauern des Publikums – belassen wurden. (ka)