Öffentlicher Verkehr
Ausgebremst: Tempo-30-Zonen fordern die Buschauffeure heraus

Begegnungs- und Tempo-30-Zonen, immer ausgedehntere verkehrsberuhigende Massnahmen – all dies stellt die Busbetriebe im Kanton Solothurn vor grosse Herausforderungen, den Fahrplan einzuhalten.

Hans Peter Schläfli
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Verkehrsberuhigende Massnahmen, wie hier an der westlichen Brühlstrasse in Solothurn, können für die Buschauffeure zu einer echten Herausforderung werden. Im Dialog mit den Stadtbehörden habe man aber eine Lösung gefunden, sagt Bernard Künzli, Leiter Betrieb des BSU.

Verkehrsberuhigende Massnahmen, wie hier an der westlichen Brühlstrasse in Solothurn, können für die Buschauffeure zu einer echten Herausforderung werden. Im Dialog mit den Stadtbehörden habe man aber eine Lösung gefunden, sagt Bernard Künzli, Leiter Betrieb des BSU.

Hans Peter Schläfli

Hägendorf stimmt am 4. März über die generelle Einführung von Tempo 30 auf Gemeindestrassen ab – und liegt dabei voll im Trend. Aber was denkt man eigentlich bei den Busbetrieben im Kanton zu solchen Einschränkungen? «Grundsätzlich stellen die Zonen mit Tempo 30 für unsere erfahrenen Chauffeure kein Problem dar und die zusätzlich benötigte Zeit können wir bei den Fahrplänen einberechnen», sagt Bernard Künzli, Leiter Betrieb der Busbetriebe Solothurn und Umgebung BSU. «Aber wenn die Fahrzeiten länger werden, nimmt automatisch die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs ab, und das ist schade.»

Schwieriger werde es bei den baulichen, verkehrsberuhigenden Massnahmen, die den Bus auf die Gegenfahrbahn zwingen. «Versetzte Parkplätze, Poller, Blumentöpfe», zählt Künzli auf, «überall dort, wo unsere Chauffeure minutenlang anhalten müssen, weil das Kreuzen mit dem Gegenverkehr unmöglich ist, wird es schwierig, den Fahrplan einzuhalten.»

Solothurns Tempo-30-Zonen fordern die BSU-Chauffeure heraus

Als Beispiel nennt Künzli die westliche Brühlstrasse in Solothurn. Hier gilt Tempo 30 und an der Kreuzung mit der Buchenstrasse verengen zusätzlich eingelassene Pfosten die Fahrbahn. «Auf der Südseite der Brühlstrasse waren zudem rund 100 Meter durchgehend Parkplätze eingezeichnet. Das Kreuzen mit dem Gegenverkehr war fast unmöglich und unsere Chauffeure mussten hier manchmal sehr lange warten. Das führte zu Verspätungen.» Mittlerweile habe die Stadt in der Mitte ein paar Parkplätze aufgehoben, erklärt Künzli. «Dank der neuen Nische ist das Kreuzen auf der Brühlstrasse wieder etwas einfacher geworden.»

Der grundsätzlich geltende Rechtsvortritt in den Zonen mit Tempo 30 stelle ein weiteres Problem dar. «Muss der Chauffeur deshalb bremsen, kann das die Passagiere überraschen. Da machen sich manchmal Rollstühle oder Kinderwagen selbstständig oder ältere Personen können stürzen. Trotz der geringen Geschwindigkeit müssen unsere Chauffeure deshalb in den Zonen mit Tempo 30 besonders vorsichtig fahren.» Trottoirüberfahrten stellen laut Künzli einen möglichen Ausweg dar, weil mit diesen die aus den Seitenstrassen kommenden Autos das Vortrittsrecht verlieren.

Mit verkehrsberuhigenden Massnahmen sollen eigentlich die Autofahrer diszipliniert werden, diese treffen aber oft die langen Busse. Musste die BSU schon Rechtsmittel dagegen ergreifen? «Das war bisher zum Glück noch nie nötig», sagt Bernard Künzli. «Wir wollen unseren Leistungsauftrag bestmöglich erfüllen und unsere Anliegen werden von den zuständigen Behörden ernst genommen. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und den umliegenden Gemeinden ist sehr gut.»

Im Raum Olten sind und bleiben die Staus die grössten «Bremser»

Die Erfahrungen, die die Bussfahrer in Olten machen, sind ganz ähnlich. «Die Zonen mit der Höchstgeschwindigkeit 30 sind für uns kein grosses Problem», sagt Toni von Arx, Direktor Busbetrieb Olten Gösgen Gäu (BOGG). Das grössere Problem seien die Staus. «Es ist fast nicht vorauszusagen, welche Zeitverluste zum Beispiel beim Postplatz oder beim Bahnhofplatz wegen der Verkehrsüberlastung entstehen. Verspätungen sind unvermeidbar, und das ist ärgerlich für die Passagiere, die deshalb vielleicht am Bahnhof den Zug verpassen.»

Schwelle in der Oltner Mühlegasse: Nicht zur Freude der Buspassagiere. Derzeit ist sie wegen des möglichen Winterdienstes demontiert. (Archiv)

Schwelle in der Oltner Mühlegasse: Nicht zur Freude der Buspassagiere. Derzeit ist sie wegen des möglichen Winterdienstes demontiert. (Archiv)

Bruno Kissling

Die Begegnungszonen mit einer Höchstgeschwindigkeit von nur 20 Stundenkilometern stellen laut von Arx die grösste Herausforderung für die Chauffeure dar. «Hier haben die Fussgänger den Vortritt und sie bewegen sich frei. Das fordert die volle Konzentration unserer Mitarbeiter.» Zudem sei es sehr schwierig, mit einem Gelenkbus die Limite von 20 Stundenkilometern einzuhalten. «So ein Bus ist recht träge und verlangt von unseren Mitarbeitern eine feine Fusssensorik. Zum Glück haben unsere Chauffeure das gut im Griff», meint Toni von Arx.

Wenn es um die Einführung neuer verkehrsberuhigender Massnahmen geht, dann bringe der BOGG seine Anliegen im Rahmen der Mitwirkungsphase ein. «Wir machen Empfehlungen, sind aber sehr zurückhaltend.» Ein Problem existiere derzeit bei der Bodenwelle in der Nähe der Badi. Von Arx bezeichnet diese als Sprungschanze. «Durch diese Bodenwelle werden die Passagiere trotz der kleinen Geschwindigkeit heftig durcheinandergeschüttelt. Das das führt ab und zu zu Reklamationen.»

Das «Schanzenspringen» wurde in Grenchen wieder abgeschafft

In Grenchen wurde dieses Problem behoben. Dass beim Postplatz und auf der Kirchstrasse die Bodenwellen, die den Verkehr beruhigen sollten, wieder entfernt wurden, findet Hansruedi Zumstein, Geschäftsführer der Busbetriebe Grenchen und Umgebung (BGU), sehr gut: «Das Schanzenspringen stellte für die Passagiere eine Unfallgefahr dar und die Hindernisse beschädigten die Aufhängung der Busse.»

In Solothurn bevorzugt man deshalb die sogenannten «Berlinerkissen», erklärt Bernard Künzli. «Dank ihrer breiten Spur passieren die Räder der Busse diese Hindernisse problemlos und die Fahrgäste merken nichts davon. Schnelle Autos werden dagegen durch die Berlinerkissen ziemlich heftig durchgeschüttelt.»

Zumstein lobt das gute Einvernehmen mit den Behörden in der Region. «Man muss in Grenchen lange für seine Anliegen kämpfen, aber dann sind am Ende alle zufrieden.» Als Beispiel nennt er die Situation beim Bahnhof Nord. «Die Sicherheit der Fussgänger war dort nicht mehr gegeben. Nicht zuletzt auf Anregung der Busbetriebe hat die Stadt auf einer kurzen Strecke von etwa 80 Metern eine Begegnungszone mit Tempo 20 eingeführt. Jetzt haben hier die Fussgänger den Vortritt und die Strecke wird von den Autofahrern gemieden.» Mit der Erweiterung der Linie 34 bis zur Renferstrasse in Richtung Biel habe der Nordbahnhof auch noch einen regelrechten Ansturm aus dem Jura erlebt. «50 bis 70 Pendler steigen jetzt jeden Tag um 6.03 Uhr in diesen Bus um.»

Laut Zumstein gibt es noch eine wichtige Problemzone: «Zwischen 16 und 18 Uhr ist die Strecke zwischen dem Flugplatz Grenchen und Arch total überlastet und wir können den Fahrplan nicht einhalten. Wenn die Passagiere wegen dem Stau immer wieder ihren Anschluss verlieren, ist das natürlich sehr ärgerlich.» Eine einfache Lösung hat Hansruedi Zumstein aber nicht parat. «Vermutlich könnte dort nur eine zusätzliche Busspur helfen, die der Kanton bauen müsste», meint der BGU-Geschäftsführer.