Waldstandorte
Ausgabe fast ganz im Zeichen des Waldes schliesst eine Lücke

Die Mitteilungen 2014 der Naturforschenden Gesellschaft bieten eine Übersicht der Ergebnisse der zwischen 1978 und 1990 im Kanton realisierten Kartierungen.

Ueli Wild
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Exponierte Buchen auf dem Nordostgrat der Hohen Winde – der Verband der Rotbuchenwälder dominiert überaus deutlich den Solothurner Naturwald.

Exponierte Buchen auf dem Nordostgrat der Hohen Winde – der Verband der Rotbuchenwälder dominiert überaus deutlich den Solothurner Naturwald.

Ueli Wild

Wer es noch nicht gewusst hat, erfährt es aus den Mitteilungen 2014 der Naturforschenden Gesellschaft des Kantons Solothurn (NGSO): Die Buchenstandorte dominieren im Solothurner Wald überaus deutlich: Auf rund 80 Prozent der Solothurner Waldfläche würde die Buche im Naturwald vorherrschen. Statistische Aussagen dieser Art zu Häufigkeit und Vorkommen finden sich im Hauptartikel des Periodikums, das ganz dem Thema Wald gewidmet ist. Titel des des über 100 Seiten umfassenden Hauptartikels: «Die natürliche Vielfalt der Wälder im Kanton Solothurn».

Über 20-jähriges Warten beendet

Es ist das Verdienst dieser Publikation – der letzten, die unter der Ägide von Redaktor Ueli Gnägi erschienen ist –, dass mit ihr nun eine seit über zwei Jahrzehnten bestehende Lücke geschlossen wird. Zwischen 1978 und 1990 wurden die natürlichen Wälder im Kanton Solothurn standortkundlich kartiert und beschrieben. Ein Bericht, der die Ergebnisse dieser Kartierungen zusammengefasst hätte, liess jedoch bis heute auf sich warten.

Erst als die Naturforschende Gesellschaft Interesse bekundete, einen solchen Beitrag in ihren Mitteilungen zu veröffentlichen, zeichnete sich eine Lösung ab: Das kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei erteilte einer Fachgruppe unter Leitung von Geri Kaufmann, dem Geschäftsführer des solothurnischen Bürgergemeinden- und Waldeigentümerverbandes (BWSO), den Auftrag, das Vorhaben an die Hand zu nehmen.

Schwerpunkt Wald

Die Mitteilungen 2014 der Naturforschenden Gesellschaft enthalten folgende Beiträge: Die natürliche Vielfalt der Wälder im Kanton Solothurn (Geri Kaufmann, Elias Kurt, Veronica Netzer, Brächt Wasser, Thomas Burger, 110 Seiten); Der Klimawandel als Herausforderung für den Wald und die Waldbewirtschaftung (Harald Bugmann, 10 Seiten); Aussagen von Eulengewöllen zu Artenspektrum, Geschlechtsverhältnis und Altersstruktur der Kleinsäugerfauna am Beispiel von Kestenholz (Cosima Bigger, 17 Seiten);
Die Grossmuscheln im Kanton Solothurn unter besonderer Berücksichtigung der Bachmuschel Unio crassus Philipsson 1788 (Arno Schwarzer, Eike Neubert, 10 Seiten); Der «Bornsaurier», ein grosser Ichthyosaurier aus dem Schweizer Spätjura (Michael W. Maisch, 8 Seiten). (uw)

24 Standorttypen porträtiert

In dem nun vorliegenden Ergebnisbericht werden schwergewichtig 24 ausgewählte und für den Kanton Solothurn bedeutsame Standorttypen ausführlich porträtiert. Darunter sind nicht weniger als 14 Typen von Rotbuchenwäldern – vom Hainsimsen-Buchenwald bis zum Tannen-Buchenwald. So erfährt man beispielsweise, dass der Eiben-Buchenwald ein Naturwald ist, der an Steilhängen auf mergelreichen Schichten, aber auch auf stabilisiertem lehmigem Gehängeschutt wächst – und dies in Höhenlagen von knapp 500 bis gut 1300 Meter über Meer. Im Kanton Solothurn ist er in den Bezirken Thal, Thierstein, Lebern und Gösgen verbreitet. Mit einer Gesamtfläche von 151 Hektaren macht dieser Typus 0,5 Prozent der gesamten solothurnischen Waldfläche aus.

Die Bestandesaufnahme liefert – etwa in Bezug auf die Bodenbeschaffenheit und die weiteren für den Standort typischen Pflanzen detaillierte Angabenl. Die Autoren verbinden sie aber auch mit Ratschlägen für die Waldbewirtschaftung. Beim Buchen-Eibenwald empfehlen sie eine zurückhaltende Durchforstung. Da gesamtschweizerisch ein starker Rückgang der Eibe konstatiert wird, raten die Autoren, die Eibe vor dem Verbiss durch Rehe und Gämsen zu schützen, damit eine Verjüngung möglich ist. An den betreffenden steilen Standorten sei dies auch gut möglich. Rutschungsflächen seien zudem wertvolle Kleinstandorte für Reptilien, Schmetterlinge, Sandlaufkäfer und Wildbienen.

Allein 18 Buchenwald-Typen, die sich vier Unterverbänden zuweisen lassen, führen die Autoren auf in ihrer insgesamt 40 Typen umfassenden Liste «Waldverbände im Kanton Solothurn». Der Rest sind verschiedene Linden-Bergahornwälder, Erlen-Eschenwälder, Eichen-Mischwälder, Weiden-Auenwälder, Schwarzerlen-Bruchwälder, Fichten-Tannenwälder und Heidelbeer-Fichtenwälder sowie Föhrenwälder.