Neuregelung
Aus für die Marke am Halsband – der Mikrochip soll reichen

Ein Vorstoss im Kantonsrat fordert den Verzicht auf die doppelte Markierung von Hunden mit Hundemarke und Mikrochip. Künftig soll der Mikrochip im Hals von Hunden reichen. Damit sollen Doppelspurigkeiten vermieden und Kosten sparen werden.

Lucien Rahm
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Künftig unbeschwert von einer Hundemarke herumtollen? Symbolbild

Künftig unbeschwert von einer Hundemarke herumtollen? Symbolbild

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Ein entsprechender Vorstoss rückt am Mittwoch unter anderem die Hunde in den Fokus des Kantonsparlaments.

Traktandiert ist die Abschlussbehandlung eines Auftrags von FDP-Kantonsrat Mark Winkler (Witterswil). Der von 42 Ratsmitgliedern unterzeichnete Auftrag hat zum Ziel, die physische Hundemarke abzuschaffen. Diese sei mittlerweile obsolet, sagt Winkler: «Da jeder Hund ab einem gewissen Alter mit einem Mikrochip versehen wird, werden die Tiere heute doppelt markiert.»

Seit 2006 sind Hundehalter im Kanton dazu verpflichtet, ihre Vierbeiner spätestens ab dem Alter von drei Monaten mit einem Registrierungschip zu versehen. Auf dem den Tieren mittels Spritze am Hals injizierten, reiskorngrossen Chip ist eine Identifikationsnummer gespeichert, die mit einem Lesegerät abgerufen werden kann.

In der nationalen Datenbank ANIS sind alle registrierungspflichtigen Hunde der Schweiz erfasst. Somit ist eine eindeutige Identifikation der Tiere im In- und Ausland möglich. Da die Polizei und häufig auch die Gemeinden über solche Lesegeräte verfügen, ist die Identifikation freilaufender oder verunfallter Hunde auf diese Weise rasch möglich.

Abneigung nimmt zu

Mit der Ausgabe der physischen Hundemarke, für die die Gemeinden zuständig sind, sei ein grosser administrativer Aufwand verbunden, sagt Winkler – selber seit über 30 Jahren Hundebesitzer. Im April, wenn die Marken jeweils auf den Gemeindeverwaltungen abzuholen sind, herrsche ein grosser Andrang an den Schaltern. Darauf haben ihn die Wohngemeinden seiner Amtei Dorneck-Thierstein aufmerksam gemacht, worauf er das Ansinnen im Kantonsrat eingebracht hat.

15 Gemeinden des Schwarzbubenlandes unterstützen seinen Auftrag. Darunter ist auch Rodersdorf, wo fast jeder zehnte der knapp 1300 Einwohner einen Hund hält. Der Mehrbetrieb während der vier Wochen, in denen die Hundebesitzer ihre Marke abzuholen haben, sei spürbar, sagt Claudia Styner, Kanzlistin der Gemeindeverwaltung Rodersdorf. «Wir hören von den Haltern oft, dass das Verständnis für die Registrierung nicht mehr vorhanden ist, da man ja bei ANIS registriert sei», so Styner. Die Abneigung sei zunehmend wahrnehmbar.

Ein Verzicht auf die physische Marke würde somit bürokratischen und finanziellen Aufwand reduzieren, so Winkler. «Zudem wird sowieso nicht kontrolliert, ob ein Hund eine offizielle Marke trägt, oder nicht.» Hinzu komme, dass das Anbringen des Metallplättchens am Hundehals für die Halter nicht ganz einfach sei: «Die meisten Hundebesitzer verwenden mehrere Halsbänder, um ihr Tier zum Beispiel bei Nacht mit einem Leuchtband besser sichtbar zu machen, oder sie tauschen es nach einem Spaziergang im Regen aus.» Die Marke, die mit einer Zange anzubringen ist, müsste dann jedes Mal gewechselt werden. Deshalb würden einige Halter auch gänzlich auf die offizielle Markierung ihres Hundes verzichten.

Die Gebühr für Marke bliebe

«Uns ist nicht klar, für was es die physische Marke heute noch braucht», sagt auch Nicole Blanc, Präsidentin des Hundeklubs Bellach mit Verweis auf die Doppelmarkierung. Auch sie verzichte bisweilen auf das «Geknübel» beim Wechsel des Halsbandes. «So kann es sein, dass mein Hund die Marke für eine gewisse Zeit mal nicht trägt.» Sinnvoller sei sowieso, am Hund eine Kennzeichnung anzubringen, welche die Telefonnummer des Besitzers ausweist. Die offizielle Marke gibt lediglich Auskunft über die Wohngemeinde des Halters und enthält eine Registrierungsnummer.

Würde der Vorstoss angenommen, wäre zwar die Marke Vergangenheit, nicht jedoch die mit ihr verbundene Jahresgebühr, die im Gegensatz zur kommunal erhobenen Hundesteuer in die Kantonskasse fliesst. Deren Höhe wurde im Zuge der Sparbemühungen im letzten Jahr von 20 auf 40 Franken angehoben. «Damit werden beispielsweise die Kosten gedeckt, die durch den Betrieb der Robidog-Behälter entstehen», erklärt Winkler. Weiterer Verwendungszweck sind unter anderem Massnahmen im Bereich des Tierschutzes.

Der Witterswiler rechnet mit einer Annahme seines Auftrags, zumal die Regierung empfiehlt, ihn für erheblich zu erklären. Seine FDP-Fraktionskollegen – bis auf ein Mitglied – haben dem Anliegen zugestimmt. Auch die anderen Parteien sollten den Vorstoss an sich unterstützen: «Wir haben wohl alle ein Interesse daran, Bürokratie zu reduzieren und Kosten einzusparen». In Kantonen wie Aargau, Bern, Thurgau oder Wallis gehört die physische Hundemarke bereits der Vergangenheit an.

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