Mädchen- und Bubentag

Aus der Woche wurde ein Tag – doch der hat «gfägt»

Rund 100 Jugendliche aus dem ganzen Kanton Solothurn beteiligten sich an den verschiedensten Workshops, die im Rahmen des Mädchen- und Bubentags durchgeführt wurden.

Im Foyer des Schulhauses Brühl in Solothurn ist es eng. Es geht um die letzten Reste des Znünis. Viele der versammelten Mädchen stibitzen noch schnell einen Apfel, eine Banane oder einen Riegel, bevor es wieder mit den Workshops weitergeht. Sie lachen, erzählen einander das Erlebte, das graue Regenwetter draussen trübt die fröhliche, entspannte Stimmung keineswegs.

Der kantonale Mädchentag und der Bubentag gingen am Donnerstag in Solothurn über die Bühne. Die Kinder- und Jugendförderung Kanton Solothurn organisierte den Anlass in Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit Solothurn, der Jugendarbeit Biberist und dem Verein Quartierspielplätze Solothurn dieses Jahr zum ersten Mal.

Weil viele wichtige Sponsoren abgesprungen sind, konnte keine ganze Mädchen- und Bubenwoche stattfinden wie in den vergangenen Jahren. Den beliebten Anlass wollte die Jugendförderung jedoch in irgendeiner Form beibehalten, woraus nun der Mädchen- und der Bubentag entstanden sind.

Jugendliche aus dem ganzen Kanton, von der fünften Klasse bis zum Alter von 18 Jahren, konnten einen ganzen Nachmittag lang verschiedene Workshops besuchen. Die insgesamt 33 Kurse fanden im und um das Schulhaus Brühl statt. Von DJ über Handyfotos pimpen bis zu Geräteturnen – die Jugendlichen hatten die Qual der Wahl. Der springende Punkt dabei: Die Workshops finden geschlechtergetrennt statt. Erst am Abend kommen alle für die grosse Abschlussparty wieder zusammen.

Stress für die Abschlussparty

Für ebendiesen Abschluss rackern die Mädchen im Kurs «Subway-Style & Party Deko» im Foyer des Schulhauses Brühl. Salatschüsseln voller geschnittener Tomaten, Gurken und Peperoni stehen auf dem Tisch, schön zurechtgelegte Platten mit Aufschnitt kommen gerade in den Kühlschrank. Aus alledem zaubern die Mädchen leckere Sandwichs und Snacks. «Wir haben noch viel zu tun, denn wir bereiten das Abendessen für alle vor», sagt Ramona Jaggi, Kursleiterin und Praktikantin bei der Kinder- und Jugendförderung Solothurn. Später dekorieren sie die Turnhalle für die Party. Ballone, Girlanden, an lange Zahnstocher gesteckte Süssigkeiten machen ganz schön was her. «Kochen und Dekorieren macht uns Spass, wir machen das gerne für die andern», sind sich die fleissigen Mädchen einig.

Ein wenig weiter übt sich eine Gruppe im Cocktailmixen. Die Leiterinnen von «Blue Cocktail Mix-Drink» lassen die Mädchen einen blauen Drink testen. Können sie die Zutaten herausschmecken? Die jungen Frauen finden es ohne Probleme heraus: Mandelsirup, Ananas- und Zitronensaft. Den Cocktail mögen die meisten aber nicht wirklich. Zum Glück dürfen sie später ihren eigenen Drink kreieren.

Auch die Mädchen im Kurs «Wellness & Kosmetik» haben es gut miteinander. Zu gemütlicher Musik sind Spiegel und Kerzen im Mädchentreff Tannenweg aufgestellt. Obwohl sich die meisten jungen Frauen nicht kennen, kommen sie doch aus dem ganzen Kanton, unterstützen sie einander bei der Herstellung ihrer Kosmetikprodukte: Lipgloss aus Kokosöl und Sirup, Gesichtsmasken mit Avocado und Honig, Händepeelings aus Öl und Zucker, nur Naturprodukte werden verwendet.

Selbstwert stärken

Fast 100 Jugendliche haben sich für den Mädchen- und den Bubentag angemeldet, das weibliche Geschlecht war aber deutlich in der Überzahl. «Bei solchen Aktionen melden sich fast immer mehr Mädchen an – weshalb wüsste ich auch gerne», sagt Patrik Kämpf, Leiter der Kinder- und Jugendarbeit Kanton Solothurn. Dass die Workshops geschlechtergetrennt stattfinden, käme bei den Jugendlichen sehr gut an. «Sie können so Neues wagen, ohne den Druck, gefallen zu müssen oder die Angst vor Peinlichkeiten», sagt Kämpf.

Die Jugendlichen befänden sich in einem Alter, in dem sie herausfinden, wer sie sind und was ihnen gefällt: «Der Tag bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Stärken und Interessen in einem entspannten Umfeld zu entdecken, Freundschaften zu knüpfen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken.» Die Teilnehmer sollen auch Vorbilder finden. «Die Kurse für Buben werden von jungen, engagierten Männern geleitet, die Workshops für Mädchen von ebensolchen Frauen», so Kämpf.

Nicht alle nach «Vorschrift»

Obwohl eine wesentliche Komponente des Tages, finden doch nicht ganz alle Kurse geschlechtergetrennt statt. Standortbedingt oder wegen nur wenigen Anmeldungen, ist dies fast nicht anders möglich. Die drei Mädchen und zwei Jungs der «Hip Hop Dance»-Workshops üben die Grundschritte getrennt, nach der Znünipause feilen sie gemeinsam an ihren Moves weiter. Im «Graffiti»-Kurs verbringen die Teilnehmer beider Geschlechter gar den ganzen Nachmittag zusammen. Seite an Seite sprayen die Jugendlichen ihre Kunstwerke auf eine Betonmauer vor dem Kofmehl. Immer wieder schauen sie auf ihre Vorlage, denn es soll ja auch so kommen wie geplant.

Die eigenen Initialen, der Name des Lieblings-Youtubers, das Hobby: Die Bilder widmen sich den verschiedensten Themen. Die beiden Leiter des Workshops, selbst Graffitikünstler, nehmen die Jugendlichen auf die Schulter, damit sie auch den oberen Rand ihrer Werke fertig sprayen können. «Die Kunstwerke der Kinder sind farbig, frei und wild. Erwachsene würden sich so etwas nicht getrauen, da sähen alle Bilder ähnlich und brav aus», sagen sie. Die Mädchen und Buben sind zufrieden und stören sich nicht am jeweils anderen Geschlecht: «Alles ist perfekt hier im Kurs – ausser das Wetter.»

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