Auftrag für nicht erheblich erklärt
Solothurner Kantonsrat will keinen Aktionsplan, um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu verbessern

Die SP-Kantonsrätin Nicole Wyss verlangte, dass sich die Regierung stärker für die Gleichstellung zwischen Mann und Frau einsetzt. Davon will eine Mehrheit des Kantonsrats allerdings nichts wissen. Aus verschiedenen Gründen.

Raphael Karpf
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Besteht heute wirklich schon in allen Berufen Chancengleichheit?

Besteht heute wirklich schon in allen Berufen Chancengleichheit?

Severin Bigler

Lohngleichheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bekämpfung von Altersarmut: Geht es nach SP-Kantonsrätin Nicole Wyss (Oensingen), sind das nur einige der Punkte, die die Regierung angehen soll, um die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau zu verbessern. Nicht nur für Kantonsangestellte, sondern auch in der Privatwirtschaft, so ihr Wunsch.

Die Regierung war bereit, dieses Anliegen teilweise aufzunehmen. Innerhalb der Verwaltung würde bereits genügend für die Chancengleichheit getan, sagte Regierungsrat Peter Hodel. Ausserhalb davon gebe es aber durchaus noch Handlungsbedarf. Er hatte einen Aktionsplan im Sinn, mit Schwerpunkt, die bestehenden Anlaufstellen neu auszurichten und neu zu organisieren.

Das lehnte die Mehrheit des Kantonsrats allerdings ab. Wenn auch aus verschiedenen Gründen. Für die einen würden Frauen heutzutage schlicht gar nicht mehr benachteiligt, also brauche es auch keine Massnahmen. SVP-Kantonsrätin Andrea Meppiel (Hofstetten):

«Ich als Frau staune, dass es 2021 Frauen gibt, die glauben, wir hätten keine Gleichberechtigung.»

Anderer Meinung war die Grüne Marlene Fischer (Olten):

«Ja, das Geschlecht sollte keine Rolle mehr spielen. Aber das tut es. Wer das anzweifelt, den lade ich ein, mit mir auf eine Baustelle zu kommen.»

Für andere war zwar unbestritten, dass es in Sachen Chancengleichheit noch einiges zu tun gebe. Nur sei es nicht am Kanton, der Privatwirtschaft Vorschriften zu machen. Susanne Koch Hauser (CVP, Erschwil): «Die Wirtschaft muss die Rahmenbedingungen schaffen, um dieses Ziel zu erreichen. Und dort wird bereits einiges getan.» Ähnlich sah es Samuel Beer (GLP, Oberdorf): Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels würde sich das Problem von selbst lösen. Firmen würden automatisch gut ausgebildete Leute einstellen, egal ob Mann oder Frau. Einen Aktionsplan brauche es nicht.

Es gehe aber eben nicht nur um Gleichstellung für gut ausgebildete Frauen, hielt Nicole Wyss von der SP dagegen. Sondern um Gleichstellung für alle. Mit diesem Appell stiess sie aber auf taube Ohren. Mit 59 zu 39 Stimmen wurde der Auftrag nicht erheblich erklärt.

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