Turnier im Kanton Solothurn
Auflagen für EM-Qualifikations-Turnier der U17 sind nicht ohne

Seit Freitag spielt die Schweizer U17-Nationalmannschaft in Solothurn, Grenchen und Olten gegen die Tschechiche Republik, Polen und Israel um die Teilnahme an der EM. Die Vergabe des Turniers ist mit hohen Auflagen verbunden.

Simon Binz
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Trainer Heinz Moser, Turnierdirektor Josef Ingold und Assistenztrainer Reto Gertschen hoffen auf Schweizer Siege.

Trainer Heinz Moser, Turnierdirektor Josef Ingold und Assistenztrainer Reto Gertschen hoffen auf Schweizer Siege.

jsc

Es war im Jahr 2009, als die U17-Nati mit der gewonnenen Weltmeisterschaft den grössten Fussballerfolg in der Schweizer Geschichte feierte. Seit diesem Zeitpunkt wird die U17 auch von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen. Vier Jahre später kämpft der neue Nachwuchs um die Europameisterschafts-Qualifikation. Die UEFA hat sich für den Schweizer-Fussballverband als Austragungsverantwortlichen ausgesprochen, und dieser wiederum bringt das Ausscheidungsturnier in die Region (wir berichteten).

Die Auflagen für ein Turnier in diesem Ausmass sind nicht ohne. Zuerst musste der Solothurner Fussballverband einen Turnierdirektor suchen. Mit dem Subinger Josef Ingold hat er diesen gefunden. «Es wurde jemand mit etwas Management-Erfahrung und Beziehungen in der Region gesucht. Das war wichtig, um beispielsweise die Stadions in Solothurn, Olten und Grenchen sowie alle Trainingsplätze für den ganzen Turnierverlauf gratis zur Verfügung gestellt zu bekommen», erklärt Ingold.

Eine weitere Auflage sei es gewesen, Unterkünfte für die Teams zu finden. «Die Mannschaften sind insgesamt zehn Tage in der Region. Wir konnten nicht alle im gleichen Hotel unterbringen, obwohl dies von der UEFA erwünscht gewesen wäre.» Die Teams hätten lieber allein unter sich sein wollen, um sich so optimal auf das Turnier zu fokussieren.

Spieler in Region untergebracht

Die Unterkünfte wurden gefunden, und so logieren die Schweizer vom 19. bis 28. März im Hotel Kreuz in Balsthal, wo sie auch trainieren. Auch die Gegner sind in der Region untergebracht, denn eine weitere Auflage waren die kurzen Verkehrswege. So übernachten die Tschechen im «Mövenpick» in Egerkingen und trainieren in Olten. Israel ist im «Al Ponte» in Wangen an der Aare untergebracht und trainiert in Niederbipp. Die Polen gastieren im «Sternen» in Kriegstetten und absolvieren ihre Trainingseinheiten in Subingen.

Übrigens: Jedem Team kann während der Trainingseinheiten über die Schulter geschaut werden. «Die Teams trainieren grundsätzlich einmal am Tag, und ich hoffe, dass beispielsweise Juniorentrainer aus der Region mit ihren Teams einem solchen Training als Zuschauer beiwohnen, das wäre tolles Anschauungsmaterial», sagt der Turnierdirektor, der selber mal als Junior kickte. Eine weitere Bedingung der UEFA sei, dass die Länderspiele, wie «normale» Spiele der Nati inszeniert werden. Dazu gehört unter anderem, dass die Wettkämpfe von einer TV-Agentur aufgezeichnet werden, die Landeshymnen vor dem Spiel zu hören sind und die Teams mit Junioren einlaufen.

130'000 Franken budgetiert

All diese Auflagen sind natürlich mit Kosten verbunden. Das Gesamtbudget für das Ausscheidungsturnier liegt darum bei etwa 130 000 Franken. Das Budget des Solothurner Fussballverbandes bei zirka 14 000 Franken. Ein Turnier auf höchstem Niveau also, das zeigt auch ein Blick in die Kaderliste: Alle Spieler kommen aus Schweizer Grossklubs wie GC, Zürich, Basel oder YB.

Doch was bedeutet ein solches Turnier eigentlich für die Region? «Sowohl für den Tourismus als auch für den regionalen Sport ist dieses internationale Turnier sicherlich eine tolle Sache», meint Josef Ingold, der bis zu 50 Talentscouts in der Region erwartet und natürlich auf einen Erfolg der Schweizer Nati hofft. In der freitäglichen Partie indes wurden die Erwartungen an den Schweizer Nachwuchs nicht ganz erfüllt: In Grenchen kamen die Eidgenossen gegen die polnische Auswahl nicht über ein 0:0-Unentschieden hinaus.

Trainer Moser: «wollen den heimvorteil nutzen»

Für die Eliterunde hatte sich die Schweizer U17-Nationalmannschaft mit Siegen gegen die Färöer-Inseln und Zypern sowie einem Remis gegen Österreich souverän als Gruppensieger qualifiziert. Nach optimalen Vorbereitungsphasen und zwei Trainingscamps in Spanien und der Türkei sind die Schweizer «heiss» aufs Turnier. «Es ist das letzte Turnier vor der Europameisterschaft, und ich erwarte eine sehr ausgeglichene Gruppe», sagt Heinz Moser, U17-Nationaltrainer. Jede Mannschaft, die so weit komme, habe ihre Qualitäten. «Polen hat sich gegen Spanien und Bulgarien durchgesetzt. Spanien wurde in dieser Gruppe gar nur Dritter und ist ausgeschieden», gibt Moser ein Beispiel für das hohe Niveau. Die Israelis hätten die Türkei rausgeworfen, die normalerweise mit einer unglaublichen physischen Stärke aufträten. «Und von den Tschechen brauchen wir gar nicht zu reden. Die haben die Vorrunde mit dem Maximum von neun Punkten als Gruppensieger abgeschlossen», so der Nationaltrainer. Er habe es auch seinem Team gesagt, so etwas wie einen einfachen Gegner gebe es auf diesem Niveau nicht mehr. Moser schliesst aber optimistisch: «Wir wollen den Heimvorteil nutzen.»

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