Nun hängen sie wieder überall, die hochformatigen Porträts von Menschen, versehen mit dem Wappen ihrer Mannschaft. Die Rede ist nicht von den Panini Bildern anlässlich einer Fussball WM. Sondern von den omnipräsenten Wahlplakaten zu den Kantons- und Regierungsratswahlen. Die Wappen sind in diesem Fall die Logos der jeweiligen Partei. Der Vergleich mit den Panini-Bildern ist so absurd nicht – weil der Informationsgehalt für den Betrachter in beiden Fällen vergleichbar gering ist.

Da scheinen sich die Kandidaten bei der Kreation ihrer Wahlplakate wichtige Fragen gestellt zu haben. Sehe ich mit einer roten Krawatte energischer aus als mit einer gelben? Oder ist das bereits ein politisches Statement? Welches ist meine Schokoladenseite? Passt der Anzug zur Augenfarbe, das Foulard zur Haartönung? Natürlich will man sich von der besten Seite zeigen. Das Auge wählt bekanntlich mit.

Nur sollte man ob so viel mit Photoshop gebleichten Zähnen und geglätteten Krähenfüssen den Inhalt nicht ganz vergessen. Schliesslich sprechen wir nicht von einer Wahl zur Miss oder zum Mister Solothurn. Sondern immer noch von der Wahl unserer Volksvertreter. Und wenn ich mich von jemandem in der Regierung vertreten lassen will, wäre es schon sehr sinnvoll seine/ihre Meinung zu kennen. Standpunkte. Versprechen. 

Mit diesem Positionsbezug scheinen sich die meisten schwer zu tun. Ansätze sind immerhin ersichtlich. «X überzeugt.», « Y inspiriert.» Überzeugt womit? Inspiriert wozu? Dynamisch klingende Worthülsen helfen mir bei der Meinungsbildung nicht weiter. Weiter unten im Text steht die Aufforderung «in den Regierungsrat». Ja, schon. Aber wieso? Oder auch «wieder in den Kantonsrat» ist da zu lesen. Nochmals: weshalb? Welche Position muss da weiterhin vertreten sein, welche Erfolge sind zu honorieren? Es gibt durchaus Versuche in diese Richtung. «Wir setzen Ausrufezeichen!» steht da geschrieben. Und dazu die Ergänzung «Mit deutlichen Worten und gradliniger Politik!»

Da poltert also jemand, klopft auf den Tisch und vertritt vehement einen Standpunkt. Bravo. Nur würde es mir helfen, wenn ich den auch kennen würde. Deutliche Worte können ja auch sehr deutlich an meiner Meinung vorbeizielen.
Die Grüne Partei verspricht «mehr Raser», «mehr Reichtum» und weiteres. Gemeint sind bei genauerem Hinsehen mehr Schnellzüge, mehr Diversität. Man kann sich fragen, ob dies einige Wähler überfordert oder sogar in die Irre leitet – ein klarer Positionsbezug und ein Versprechen ist es allemal.

Bei einem anderen Wahlplakat steht als Ergänzung zum Namen des Kandidaten «Einer wie keiner.» Das wird sicher stimmen, auch wenn ich den Herrn nicht persönlich kenne. Was ihn jetzt für die Wähler so einzigartig macht, entzieht sich deshalb meiner Kenntnis. Bleibt mir also nur der Blick auf das Logo der Partei als Hinweis. Womit wir wieder beim Informationsgehalt von Panini-Bildern wären.

Man kann sich vertieft über die zur Wahl stehenden Kandidatinnen und Kandidaten informieren. Die Flyer lesen, die Interviews, Auftritte besuchen und sich so ein Bild machen. Das sollte man nicht nur, man muss es auch – weil die Kampagnen einfach zu wenig Inhalt haben.