Der Kanton soll Massnahmen ergreifen, um die Fallwildzahlen deutlich zu reduzieren. Einen entsprechenden Auftrag von Thomas Studer (CVP, Selzach) hat der Kantonsrat am Mittwoch mit 73 : 18 Stimmen erheblich erklärt.

Dass das Anliegen viel Sympathie geniessen würde, war zu erwarten gewesen. Einerseits ist aus tierschützerischer Sicht jedes überfahrene Reh eines zu viel, und anderseits kommen bei Wildunfällen immer auch Menschen in Gefahr, vom Sachschaden ganz zu schweigen. Allerdings hatte der Regierungsrat in seiner (befürwortenden) Stellungnahme zum Vorstoss von Förster Studer auch dargelegt, dass es eine ziemlich kostspielige Sache werden dürfte, tatsächlich die geforderte «drastische» Reduktion der Fallwildzahlen im Strassen- und Schienenverkehr zu erreichen. Denn die gängigen Methoden, Wildtiere von der Strasse fernzuhalten, taugen nicht sehr viel. Wirklich erfolgversprechend sind nur sogenannte Animal Detection Systems. Bei diesen Wildwarnanlagen erkennen Wärme- und Bewegungssensoren, wenn sich Tiere der Strasse nähern. Es werden Leuchtsignale aktiviert, die die Automobilisten warnen und verlangen, die Geschwindigkeit zu drosseln.

Aber die einzig wirklich wirksamen Wildwarnanlagen sind eben auch die teuersten: Nur schon für einen Streckenabschnitt von 200 Metern ist mit Investitionskosten von 60'000 Franken und jährlichen Unterhaltskosten von 4000 bis 10'000 Franken zu rechnen. Gleichzeitig bewegt sich die Zahl der im Strassenverkehr getöteten Tiere zwar auf einem hohen, aber trotz steigendem Verkehrsaufkommen mehr oder weniger konstanten Niveau. Da kann man sich schon auch fragen, ob der Handlungsbedarf wirklich so dringend ist.

Tatsächlich war der Vorstoss gar nicht so unbestritten, wie es das deutliche Abstimmungsresultat im Kantonsrat zu zeigen scheint. Thomas Studer hatte den ursprünglichen Text «nach Rücksprache mit den Freisinnigen» abgeändert, um sich deren Stimmen zu sichern, wie er am Mittwoch freimütig bekannte.

Aus «drastisch minimieren» wurde «deutlich reduzieren». Und bevor die erforderlichen Massnahmen eingeleitet werden, soll der Regierungsrat dem Parlament ein Konzept mit den Kostenfolgen unterbreiten. Jedes dem Verkehr zum Opfer fallende Wildtier sei zwar grundsätzlich eines zu viel, aber bevor man an die Detailplanung eines Massnahmenpakets geht, müssten die genauen Folgekosten schon bekannt sein, bestätigte FDP-Sprecher Mark Winkler (Witterswil) indirekt, dass man der ursprünglichen Fassung wohl kaum zugestimmt hätte. Seinen neuen Antrag hatte Studer erst eingebracht, nachdem das Geschäft in der vorberatenden Kommission schon behandelt worden war.

Ein Vorgehen, das der SVP sauer aufstiess, die den Auftrag auch in der abgeschwächten Fassung ablehnte. Mehrere Sprecher legten sich ins Zeug. Für ihn gehe es nach wie vor um einen «äusserst rigiden» Vorstoss, sagte Hugo Schumacher (Luterbach). Angesichts der konstanten Fallwildzahlen sehe er keinen politischen Handlungsdruck – die Mittel, um hier Prioritäten zu setzen, seien nicht vorhanden. Fraktionschef Christian Werner (Olten) doppelte nach: Auch mit dem abgeänderten Wortlaut handle es sich nicht wie von anderer Seite so dargestellt bloss um einen Prüfungsauftrag, sondern um eine klare Forderung nach rigiden Massnahmen.

Die stabile Situation bei den Fallwildzahlen rechtfertige es aber nicht, hohe Kosten auszulösen. Und Beat Künzli (Laupersdorf) wusste zusätzlich auch noch von einer Fehleranfälligkeit der favorisierten, kostspieligen Wildwarnanlagen zu berichten: Deren Sensoren würden nämlich nicht nur durch Wildtiere, sondern auch durch Druck- und Wärmewellen von Lastwagen
ausgelöst.