Auf einen Kaffee mit...
«Wenn nicht wir, wer dann?»: Sie leitet Invamobil – die Firma transportiert auch Coronapatienten

Auf einen Kaffee mit Brigitta Galli, die das Unternehmen Invamobil führt, wo sie auch Coronapatienten transportiert. Etwas, das sonst kaum jemand machen will.

Sophie Deck
Drucken
Teilen
Brigitta Galli, Geschäftsführerin des Unternehmens Invamobil.

Brigitta Galli, Geschäftsführerin des Unternehmens Invamobil.

Tom Ulrich

«Ich hatte keine Angst», meint Brigitta Galli zum Anfang der Coronapandemie. «Wenn ich es bekomme, dann bekomme ich es halt.» Die 62-jährige Solothurnerin leitet seit neun Jahren den Fahrdienst Invamobil, der Menschen mit einer Beeinträchtigung, die selber nicht fahren können, von A nach B bringt.

Bei ihrer Arbeit koordiniert Galli mit einem Team von vier Personen die Fahrten von 33 Mitarbeitern und übernimmt einige davon auch selbst. Durch die Pandemie sei das Planen nun etwas aufwendiger geworden. Das Unternehmen transportiert nämlich auch Coronapatienten.

Ob sie das machen wollen, sei für Galli gar keine Frage gewesen. «Wenn nicht wir, wer dann?», erklärt sie überzeugt und meint, im Kanton gäbe es kaum andere Fahrdienste, die Coronafälle transportieren.

Dies könne Galli auch verstehen: Zum Beispiel beim Roten Kreuz gehören viele Fahrer selbst zur Risikogruppe; das könne man natürlich nicht verantworten. «Aber bei uns ist es möglich», meint sie. «Deshalb war für mich klar, wir finden einen Weg.»

Nach vorne schauen trotz Rückschlägen

Galli sagt von sich selbst mit einem Lächeln, sie finde gerne Lösungen für Probleme. Sie habe die Dinge immer so genommen, wie es kam und versucht, das Beste daraus zu machen.

Im ihrem Leben seien die Wege nicht gradlinig gewesen, erzählt sie offen. Vom ersten Beruf als Coiffeuse bis hin zur Geschäftsführerin in der Invamobil habe es viele Weiterbildungen und Kraft gebraucht. «Als alleinerziehende Frau mit vier Kindern lernt man zu organisieren», sagt Galli. «Davon kann ich auch heute noch sehr profitieren.»

So sagt sie auch über die Veränderungen in ihrem Unternehmen durch Corona, sie habe es spannend gefunden, alles der Situation anzupassen.

Zum einen habe sie mit dem Bürgerspital gemeinsam ein Schutzkonzept entworfen, um die Fahrten für ihre Mitarbeiter sicher zu machen. Zum anderen muss sie beim Koordinieren nun mehr überlegen, weil nicht alle Fahrer und Fahrerinnen Coronapatienten transportieren wollen oder können.

«Bei diesem Job ist es so: Wenn man hier oben an einem Rädchen dreht, passiert hier unten etwas»,

erläutert sie und illustriert ihre Worte dabei mit den Händen. Und das sei genau ihr Ding, obwohl sie sich natürlich auch wünschen würde, dass es Corona nicht gäbe.

Vor allem sei es für sie schlimm gewesen, als sie bei der ersten Welle habe Kurzarbeit anmelden müssen. «Mir hat es für meine Mitarbeiter leidgetan, und ich habe unter der Ungewissheit sehr gelitten», meint sie. «Ich bin froh, dass das für uns jetzt vorbei ist.»

Corona kann ihren Plänen nichts anhaben

So, wie es jetzt sei, belaste sie die Situation nicht mehr gross. «Ich plane jetzt trotzdem weiter für die Zukunft», sagt sie freudig. Sie habe verschiedene Ziele, an denen sie momentan arbeite.

Das grösste davon sei für sie im Moment, ihren Fahrdienst zu einem Teil des ÖV-Netzes zu machen. «Wir funktionieren ja eigentlich wie der ÖV. Und Leute, die mit uns fahren, können Züge und Busse nicht benutzen.» Invamobil solle im ÖV eine Ergänzung sein.

Und natürlich hat Brigitta Galli die Idee nicht nur schon lange zu Ende gedacht, sondern auch schon mit Verhandlungen begonnen. Denn von Corona, da sei sie konsequent, liesse sie sich sicher nicht aufhalten.