Auf einen Kaffee mit...
Die ganzheitliche Bestatterin gab Kurse für Berufseinsteiger — mit ihrem farbigen Konzept ging sie so einigen gegen den Strich

Auf einen Kaffee mit... Margarete Bader (66) aus Lohn-Ammannsegg, die bis vor vier Jahren angehende Bestatter ausbildete und dabei ganz nah bei der Praxis blieb.

Sophie Deck
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Orange, grün, rot und gelb; die ehemalige Bestatterin Margarete Bader hielt nie viel von schwarzen Abschieden.

Orange, grün, rot und gelb; die ehemalige Bestatterin Margarete Bader hielt nie viel von schwarzen Abschieden.

Hanspeter Bärtschi

Bestatterin sei für sie ein Beruf, bei dem man mit dem Herzen dabei sein muss, meint Margarete Bader, entspannt an die Kochinsel in ihrer leuchtend orangen Küche gelehnt. Die Rentnerin aus Lohn führte 17 Jahre lang den Solothurner Bestattungsdienst «Charona Bestattungen» und war gemeinsam mit ihren Mitarbeitern immer mit ganzer Seele dabei.

Das meiste habe sie dabei aus der Erfahrung gelernt. Die Bestatter-Kurse, die sie vorher besucht habe, hätten ihr zwar die allerwichtigsten Grundlagen vermittelt, sie aber kaum auf den tatsächlichen Inhalt des Berufs vorbereitet – und damit war sie nie ganz zufrieden.

«Ich kam immer wieder in Situationen, von denen ich überfordert war», erzählt die 66-Jährige.

«Klar habe ich dadurch schliesslich etwas gelernt. Aber vielen Unsicherheiten hätte durch eine sorgfältigere Ausbildung schon vorgebeugt werden können.»

Und so entschied Bader kurzerhand, selber Bestatterinnen und Bestatter auszubilden.

«Die Nachfrage war gross», sagt sie beeindruckt. Immer mehr Interessierte hätten sich bei ihr um ein Praktikum beworben. Dies schreibt sie nicht zuletzt der Tatsache zu, dass sie zu diesem Zeitpunkt im Kanton bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt hatte.

Bader hatte sich nämlich nicht bei den anderen Bestattern in der Region eingereiht, die alle mit schwarzen und grauen Autos herumfuhren; ihr Auto war himmelblau und auf der Seite mit einem goldenen Mond bemalt. Dies spiegelte auch Baders Konzept wieder:

«Abschied ist nicht immer nur schwarz. Es kann etwas unglaublich Schönes und Befreiendes sein»,

erklärt sie.

Das habe sie auch den Angehörigen der Verstorbenen vermitteln wollen. Der Tod sei ein Teil des Lebens und man sollte ihn offen annehmen. «Mit dieser Ansicht ging ich auch vielen gegen den Strich», sagt sie mit einem amüsierten Grinsen.

Eine Ausbildung ganz nah an der Praxis

Sie sagt dazu noch, in den letzten 20-30 Jahren hätte sich vieles verändert – so auch das Berufsbild des Bestatters. Mit ihrer Idee der «ganzheitlichen Bestattung», die auch die Angehörigen und Rituale miteinbezieht, sei sie damals noch eine Art Pionierin gewesen.

Diese Idee liess sie dann auch in ihren Ausbildungskurs miteinfliessen, der aus mehreren Theorieblöcken und drei Wochen Praktikum bestand. Sie habe immer viel Wert darauf gelegt, die Angehörigen bei allen Aspekten der Bestattung mitwirken zu lassen und genau darauf versuchte sie ihre Kursteilnehmer vorzubereiten.

«Ich ging mit ihnen jeden Schritt der Bestattung in der Theorie durch.» Das Trauergespräch, die letzte Pflege, das Einbetten in den Sarg, die Überführung und die Aufbahrung, und dann die Einäscherung oder die Erdbestattung und das Abschiedsritual, so erklärt sie. So habe sie auf alles im Detail eingehen können.

Als Beispiel bringt sie den Aspekt der Kommunikation: Zwar habe sie in ihrer eigenen Ausbildung schon einen Kurs «Kommunikation» belegt, dieser habe sie aber überhaupt nicht darauf vorbereitet, dass die Familie eines verstorbenen Menschen zerstritten sein könnte. «Man muss dann vermitteln, denn man will ja die Wünsche aller respektierten», sagt sie.

Zum Abschluss des Theorieteils führten Baders Klassen dann immer noch ein Ritual durch, da dies ein zentraler Aspekt der Bestattung sei.

Über die Jahre sei Bader mit allen Praktikantinnen und Praktikanten – es waren rund 35 –, die den Kurs absolviert hatten, absolut zufrieden gewesen.

«Keiner von ihnen hat je etwas gemacht, wo ich dachte: Oh nein, das geht gar nicht», sagt sie. «Als es noch keinen Kurs gab, passierte das schon. Das bestätigte dann auch mein Vertrauen in die Ausbildung, die ich anbot.»

Hoffnungen auf eine farbige Zukunft

Vor vier Jahren entschied sich Bader dann, «Charona Bestattungen» zu verkaufen und in Pension zu gehen. Nicht aber etwa, weil ihr der Beruf verleidet sei.

«Ganzheitliche Bestatterin zu sein, ist einfach sehr anstrengend», erklärt sie. «Irgendwann wurde es mir wirklich zu viel. Aber ich hätte eigentlich gerne noch weitergemacht.»

Dennoch scheint ihr Blick auf die Zukunft voller Hoffnung: Sie erzählt von Bestattern, die sie ausgebildet hat, und von ihrer Nachfolgerin bei Charona und sagt, sie glaube, es habe sich schon vieles zum Besseren verändert und das würde es auch noch weiter.

Sie selbst geniesse nun ihren Ruhestand. Und lebe auch hier die Philosophie ihres Berufs weiter. «Ich umringe mich immer mit Farben. Das bin einfach ich», sagt sie zufrieden.

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