Verkehr
Auf ein Gipfeli mit der Polizei

Polizei und Lastwagenchauffeure trafen sich auf der Autobahnraststätte Gunzgen Süd zum ungezwungenen Austausch.

Hans Peter Schläfli
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Ruth Piras machte Werbung für «Les Routiers Suisses», dem Verband der Chauffeure.

Ruth Piras machte Werbung für «Les Routiers Suisses», dem Verband der Chauffeure.

Hans Peter Bärtschi

Der eine oder andere Chauffeur dürfte sich heute kurz genervt haben, als er auf der Autobahnraststätte Gunzgen Süd eine Pause einlegen wollte. Da traten doch tatsächlich vier uniformierte Kantonspolizisten zum Lastwagen – das bedeutet meist nichts Gutes. Doch diesmal war es keine Kontrolle, sondern etwas ganz Erfreuliches: Die Polizisten luden die Chauffeure zu Kaffee mit Gipfeli ein. «Auszeit» heisst der Anlass, den die Kantonspolizei zum zweiten Mal durchführte.

Dauerbrenner Ruhezeiten

Ein Treffen zum ungezwungenen Informationsaustausch und um Kontakte zu knüpfen: So definiert die Kantonspolizei ihre «Auszeit». «Die Prävention steht im Vordergrund», erklärte Yves Staub, Chef Verkehrstechnik. «Wir setzen den Fokus auf die Sensibilisierung der Chauffeure für spezifische Gefahren im Schwerverkehr.» Der Anlass sei aber auch eine gute Gelegenheit, einmal auf einer anderen Ebene, auf Augenhöhe eben, miteinander zu sprechen. «Wir wollen von den Chauffeuren hören, wo sie der Schuh drückt. Das ist bei den Kontrollen nicht immer möglich. Wenn man einmal auf eine ungezwungene Art miteinander spricht, fördert dies das Verständnis.»

Der Aufhänger sei mit dem Namen «Auszeit» bereits gegeben: Die Vorschriften zu den Ruhezeiten sollen eingehalten werden. «Mit den digitalen Fahrtenschreibern ist es schwieriger geworden, bei den Ruhezeiten zu manipulieren, aber es passiert nach wie vor», sagte Staub. Eine der Attraktionen war denn auch der Fahrsimulator einer spezialisierten Fahrschule für Berufschauffeure. Was passiert, wenn ich übermüdet fahre? Wie würde sich der Alkoholgenuss auswirken? Und schon krachte es im Simulator.

Auf der Raststätte wurde auch klar, wo die Chauffeure ihre Namenschilder her haben: Am Stand des Berufsverbands «Les Routiers Suisses» wurden sie massgeschneidert in verschiedenen Farben produziert.

Nervige Tricksereien

Trotz gratis Kaffee und Gipfeli und später sogar gratis Mittagessen waren die Uniformierten den Chauffeuren auf dem Parkplatz meistens zahlenmässig überlegen. Aber wer den Anlass besuchte, war sehr zufrieden. Beat Dätwyler war zum Beispiel extra von Möhlin nach Gunzgen gefahren. «Ich habe heute frei und ich wollte mich bei den Polizisten informieren, was sie unternehmen, wenn auf der Autobahn jemand gefährlich nahe vor einem Lastwagen die Spur wechselt.» Es habe sich gelohnt, er sei zufrieden, sagte der Chauffeur von Galliker Logistik. «Wir haben 45 Minuten miteinander über das Problem gesprochen und sie haben mir erklärt, dass sie oft mit den zivilen Autos unterwegs sind und dass die Strafen happig ausfallen, wenn sie jemanden bei so einem gefährlichen Manöver erwischen.»

Ein grosses Thema unter den Chauffeuren waren die Tricksereien mit «Ad-Blue», dem Zusatzstoff, der die Schadstoffe der Dieselmotoren um über 90 Prozent senken kann. «Wir Schweizer Chauffeure sind sehr umweltbewusst und finden es eine Sauerei, wenn einer das sehr effiziente System austrickst, nur um ein paar Franken zu sparen», sagte Ruth Piras von Routiers Suisses.

Fabian Schmid vom Rechtsdienst der Astag war gleicher Meinung wie Piras. «Bei Schweizer Lastwagen hat die Polizei noch nie eine Manipulation beim ‹Ad-Blue› gefunden. Wir stehen absolut hinter dem System, das für die Umwelt grosse Vorteile bringt», sagte er. «Wir sind froh, dass die Polizei strenge Kontrollen macht, denn der ‹AdBlue›-Beschiss schadet unserem Image.»