Amtsgericht
Auf drei seiner Festplatten wurden Tausende Kinder- und Tierpornos gefunden

Ein 34-jähriger Mann wird wegen des Besitzes von mehreren Tausend Kinder- und Tierpornos vom Amtsgericht Solothurn-Lebern zu einer teilbedingten Geldstrafe und einer Therapie verurteilt.

Simon Binz
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Auf drei Festplatten wurden 3202 Kinderporno-Bilder, 475 Kinderporno-Videos, 4078 Tierporno-Bilder und 1086 Tierporno-Videos gefunden. Der Angeklagte hatte noch versucht, die Festplatten zu zerstören. (Symbolbild)

Auf drei Festplatten wurden 3202 Kinderporno-Bilder, 475 Kinderporno-Videos, 4078 Tierporno-Bilder und 1086 Tierporno-Videos gefunden. Der Angeklagte hatte noch versucht, die Festplatten zu zerstören. (Symbolbild)

Keystone

Zehn externe Festplatten, ein Laptop und einige Drogen: Das beschlagnahmte die Kantonspolizei Solothurn bei einer Hausdurchsuchung am 20. Februar 2013 in Solothurn. Patrick S.* wusste ganz genau, dass er in Schwierigkeiten geraten würde, sollte die Polizei die Festplatten in die Hände kriegen und behinderte darum die polizeiliche Intervention. Er schob eine Kommode vor seine Zimmertüre und versuchte mehrere Datenträger mit einem Hammer zu zerstören.

Die Aktion nützte nichts: Die Polizei verschaffte sich Zutritt zu der Kellerwohnung seiner Eltern und stellte die erwähnten Gegenstände sicher. Auf drei Festplatten wurden später 3202 Kinderporno-Bilder, 475 Kinderporno-Videos, 4078 Tierporno-Bilder und 1086 Tierporno-Videos gefunden. Während den weiteren Ermittlungen stellte sich heraus, dass der heute 34-Jährige diese und viele weitere Dateien zwischen Januar 2009 und Februar 2013 über den Internetanschluss seines Vaters heruntergeladen hatte.

Bereits vorbestraft

Gestern musste sich Patrick S. nun vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern verantworten. Ein Staatsanwalt war bei der Verhandlung nicht anwesend, der Anklageschrift lag darum ein Schlussbericht bei. Diesem war zu entnehmen, dass Patrick S.* einschlägig vorbestraft ist: Er wurde am 8. September 2005 wegen mehrfacher Pornografie zu einer bedingten Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. Laut dem Schlussbericht scheint diese Verurteilung «ihre Wirkung verfehlt» zu haben. Die Forderung für die neuerliche Anklage: eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen à 80 Franken, davon 100 Tagessätze unbedingt.

Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger fragte Patrick S. während der Verhandlung, was dieser mit den vielen externen Festplatten machte. «Mehrere Back-ups meiner Dateien, deshalb waren auch einige fünf bis sechsmal darauf zu finden», antwortete der eher wortkarge Mann. Wie es denn zu den illegalen Dateien kam, wollte Derendinger wissen. «Einige Dateien waren falsch angeschrieben, und ich habe jeweils einfach die ganze Liste heruntergeladen», so Patrick S. «Aber irgendeinen Suchbegriff haben sie ja sicher eingegeben», entgegnete Derendinger. «‹Schoolgirl› zum Beispiel, das ist aber legal», so Patrick S. nach einigem Zögern.

Die Fotos hätten aber kaum etwas mit «Schulmädchen» zu tun, so Derendinger. «Ich weiss es nicht mehr im Detail», sagte der 34-Jährige, der mit jeder Frage nervöser wurde. Derendinger liess nicht locker und hakte nach, stellte die Frage nach dem Warum. «Ich habe das bereits in der Einvernahme gesagt, es kam zu einer Sucht, einer Sammelsucht. Das war eine solche grosse Menge verschiedener Dateien, ich konnte das gar nicht mehr anschauen, ich habe einfach heruntergeladen ...» – «Ob sie Filme oder kinderpornografisches Material herunterladen, ist aber ein Unterschied», stellte Derendinger klar und fügte an: «Und so viele Bilder ... Sie haben in der Einvernahme gesagt, sie hätten diese auch angeschaut?» Patrick S. antwortete leise: «Ja schon ...» «Warum?», verschärfte sich Derendingers Ton. «Weil ich sehen wollte, was drauf ist.» – «Kein sexueller Grund?» – «Nicht in erster Linie, einige Sachen hat man wahrscheinlich interessant gefunden.» – «Verbotene Sachen?» – «Eher weniger» – «Sie sind einschlägig vorbestraft, es scheint nichts genützt zu haben?»

In der Stimme von Patrick S. machte sich nun Verzweiflung bemerkbar, immer öfter schwieg er, seine Sätze wurden kürzer. «Ich habe dieses Material nicht hergestellt. Ich habe niemanden verletzt, habe nie jemandem etwas angetan. Ich weiss, es macht es nicht besser, aber ich möchte das erwähnen», sprudelte es plötzlich aus ihm heraus. «Es ist aber strafbar und wenn Sie danach suchen und es dann auch noch anschauen, stellt sich schon die Frage, ob Sie nicht eine Therapie machen sollten», so Derendinger.

Beim nächsten Mal Knast

Der Amtsgerichtspräsident beendete die Befragung. «Ich muss darüber entscheiden, ob wir Sie nicht begutachten lassen sollten. Auch wenn Sie sagen Sie hätten keine pädophilen Neigungen, aber schon der Konsum dieser Videos und Bilder», Derendinger stockte. «Auch wenn Sie sich mit einer Pornografiesucht oder was auch immer rumschlagen, dann sollten Sie dies behandeln, ansonsten sind Sie in drei Jahren wieder hier und dann werden sie nicht mit einer teilbedingten Geldstrafe davonkommen.»

Nach einer kurzen Pause stellte Derendinger dann klar, dass das Gericht auf eine Begutachtung verzichtet, beim Urteil aber wahrscheinlich eine Weisung für eine psychiatrische Behandlung auferlegen werde. So wurde Patrick S. schliesslich zu einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 90 Franken verurteilt (180 Tagessätze bedingt, Probezeit drei Jahre).

Die Strafe falle höher aus als von der Staatsanwaltschaft gefordert, weil Patrick S. einschlägig vorbestraft sei. «Auch wenn einige Dateien doppelt waren, sie haben grosse Mengen heruntergeladen, nach entsprechenden Begriffen gesucht und auch, wenn nicht in erster, aber in zweiter Linie das Ganze mit sexuellem Hintergrund angeschaut», begründete Derendinger das Urteil und ergänzte, dass er sich auch überlegen musste, ob gar eine Freiheitsstrafe angebracht sei. «Ich kam dann aber zum Schluss, dass wir so nicht verharmlosen, was Sie getan haben, es aber in dem Bereich der Kinder- und Tierpornografie, noch die viel schlimmere Variante gibt, nämlich die der Herstellung.» In der Probezeit müsse er nun aber wie angekündigt eine psychiatrische Behandlung bei einem forensisch erfahrenen Psychiater besuchen.

Name von der Redaktion geändert.

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