Regionalkonferenz

Auf die eigene Kreativität setzen

Der Psychologe, der einst als Musiklehrer gestartet ist: Allan Guggenbühl. zvg

Der Psychologe, der einst als Musiklehrer gestartet ist: Allan Guggenbühl. zvg

Kinder und Musik Die Regionalkonferenz Solothurn West der Musiklehrpersonen lud zu ihrem Weiterbildungstag den Psychologen und PsychotherapeutenAllan Guggenbühl ein. Der Jugendexperte sprach über die Bedeutung der Musik und darüber, wie Lehrpersonen die Kinder begleiten können.

«Bei Weiterbildungen kommen Musiklehrpersonen oft in eine schwierige Situation», sagte Pia Bürki, die Vorsitzende der regionalen Musikschulleiterkonferenz. Diese Situation entstehe wegen mehreren Arbeitgebern gleichzeitig und der Unmöglichkeit, überall dabei zu sein. Weiterbildung sei aber ein grosses Bedürfnis – und diesem wurde am ersten gemeinsamen Weiterbildungstag für Musiklehrer der Region Solothurn West am vergangenen Samstag im Wallierhof Riedholz Rechnung getragen.

Das Hauptreferat, bevor die Musiklehrpersonen verschiedene Workshops besuchen konnten, hielt Allan Guggenbühl, einer namhaftesten Schweizer Jugendexperten. Der Psychotherapeut, Psychologe und Leiter des Instituts für Konfliktmanagement sprach über das Thema: «Der Musiklehrer: Meister, Inspirator, heimlicher Schamane? Die Bedeutung der Motivation im Musikunterricht für den jungen Menschen». Guggenbühl selber war einst Musiklehrer, denn bevor er Psychologie studierte, lehrte er klassische Gitarre.

Töne geben Geborgenheit

Schon bevor der Mensch damit begann, aufrecht zu gehen, nutzte er gemäss Guggenbühl Töne zum Austausch von Informationen und als Ersatz für das gegenseitige Kraulen, das bei Schimpansen bis heute geblieben ist. Töne seien körperlich wahrnehmbar und wichtig für die psychische Stabilität. «Sie geben Geborgenheit und schweissen zusammen,» so der Psychologe. Wie Musik wahrgenommen werde, sei allerdings ebenso von kulturellen Codes wie auch von der Zeit, aus der sie stamme, abhängig. Als Beispiel führte Guggenbühl den Jazz ins Feld, der in den 1930er-Jahren verdächtigt wurde, zu «Hirndegeneration und Verwahrlosung» zu führen, weil er so ganz anders klang als die zivilisierten, berechenbaren Töne, welche die alte Welt bisher gekannt hatte.

Die Sache mit dem Geigenkoffer

«Musik kann eine wichtige Rolle spielen, wenn Jugendliche sich von den Eltern abgrenzen wollen», näherte Guggenbühl sich der Rolle der Musiklehrpersonen an. Denn diese könnten als Erwachsene, die das Kind über ein Thema begleiten, zu bedeutenden Bezugspersonen werden. Er ermutigte unter anderem, zu Gedankenspielen anzuregen, anstatt Befehle zu erteilen. Ebenfalls rief er dazu auf, die eigene Kreativität der Schüler zu fördern.

«Kinder haben oft eine konkrete Vorstellung, wenn sie ein Musikinstrument lernen wollen», sagte Guggenbühl. Dass diese Beweggründe nicht dieselben wie die der Erwachsenenwelt sein und auch nicht unbedingt der Realität entsprechen müssen, veranschaulichte er am Beispiel einer Schweizer Geigerin, die den Durchbruch schaffte und zum internationalen Profi wurde. Als Kind wollte sie allerdings Geige lernen, weil sie es einfach cool fand, mit einem Geigenkoffer rumzulaufen.

Meistgesehen

Artboard 1