«Enova»

Auf der grössten Baustelle im Kanton entsteht eine neue Kehrichtverwertungsanlage

Am Zuchwiler Emmenspitz wird die neue Kehrichtverwertungsanlage «Enova» der Kebag gebaut. Das Projekt kostet fast 500 Millionen Franken und soll in fünf Jahren startbereit sein, ganze 6000 Quadratmeter dienen als Baufläche.

Der Name, den man ihr gegeben hat, tönt schon fast liebevoll-poetisch: «Enova». Dabei ist das, was am Zuchwiler Emmenspitz nun nach und nach aus dem Boden wachsen wird, alles andere als graziös und zierlich. Im Gegenteil: Enova ist der Name der neuen, riesigen Kehrichtverwertungsanlage, die von der Kebag als Ersatz für die bestehenden Einrichtung gebaut wird. Im Frühling 2025 soll sie in Betrieb gehen. Kostenpunkt: 493 Millionen Franken.

Das gewaltige Volumen der Anlage und die Bausumme von 493 Mio. Franken machen das Bauprojekt in jeder Beziehung zum grössten Bauvorhaben im Kanton. Im Vergleich dazu, nehmen sich sogar die 340 Mio. Franken für den Neubau des Bürgerspitals Solothurn relativ «bescheiden» aus.

Während nebenan die Kehrichtanlieferung weiter läuft und die Öfen in Betrieb stehen, wie wenn nichts weiter wäre, wuselt, knatterts und brummt es daneben seit dem Baubeginn am 7. Mai bereits seit Wochen. Um den Neubau realisieren zu können, muss dafür nämlich zuerst der nötige Raum geschaffen werden. Längst geräumt ist der frühere Kiesplatz für das Emme-Schwemmgut. Derzeit sind laut Kebag Direktor Markus Juchli die Arbeiter mit schwerem Gerät daran, eine Zelle des alten Kehrichtbunkers abzureissen, um Platz für das neue Depot zu schaffen.

Zu diesem Zweck mussten im bestehenden Gebäudeinnern eine Wand eingezogen, die Kranbahn verkürzt und die Fotovoltaikanlage auf dem Dach zurückgebaut werden. Was schneller gesagt als getan ist, wie Juchli beschreibt: «Das Problem sind die massiven Mauern und deren Höhe von rund 32 Meter.» So oder so müsse der Abbruch gemäss Bauplanung bis zum 6. August abgeschlossen sein.

Eine Baufläche von 6000 Quadratmeter

Mit Spundwänden ist eine Fläche von 6000 Quadratmeter für die spätere Wasserhaltung rundum abgedichtet und dort ein Voraushub von zwei Meter Tiefe vorgenommen worden. Aktuell werden 208 Pfähle gebohrt und betoniert, auf denen der im Aare- und Emmeschwemmland liegende Neubau dann stabil aufgebaut werden soll. «Eine Maschine kann pro Tag einen dieser Bohrpfähle erstellen, die einen Durchmesser von 1,3 Meter haben und 30 Meter in den Untergrund reichen», schildert Juchli. Anschliessend werde der Aushub auf die eigentliche Tiefe von vier Metern vorgenommen.

Wenn all diese Vorarbeiten abgeschlossen sind, soll der eigentliche Hochbau gemäss Zeitplan der Bauherrschaft am 1. Februar des nächsten Jahres gestartet werden können. Die weiteren abgesteckten Etappen sind dann der Beginn der Schwermontage im Oktober 2022 und schliesslich die Inbetriebnahme im Frühling 2025. Mit der Aufnahme des industriellen Betriebes rechnet Direktor Juchli im Herbst des gleichen Jahres. Dann erst, ab 2026 bis 2028, werde der Rückbau der dannzumal ausgedienten Anlagen erfolgen.

Nach verschiedenen Projektoptimierungen sind die Investitionskosten nunmehr von 450 auf 493 Mio. Franken angestiegenen – davon 20 Mio. Franken als Reserve für Unvorhergesehenes. «Aktuell wurden Aufträge im Wert von 180 Mio. Franken vergeben», so Markus Juchli.

Auch die Fassade soll dereinst Strom liefern

Der Neubau wird nicht nur ein Abfallkraftwerk sein – die anfallende Abwärme wird im Fernwärmeverbund sowie zur Stromerzeugung genutzt) – sondern auch ein grosses Sonnenenergie-Kraftwerk: Die Fassade des mächtigen Prozessgebäudes wird nämlich mit Solarpanels bestückt, die nach Angaben der Bauherrschaft eine Leistung von 1133 kWp aufweisen und künftig 560 Magawattstunden Solarstrom produzieren sollen. Das Dach des Kehrichtbunkers ist mit einer weiteren Solaranlage mit 360 kWp ausgerüstet.

Die ersten Anlagen der Kebag wurden 1976 in Betrieb genommen und der Betrieb in den letzten Jahren stets ausgebaut und erneuert. Im letzten Jahr entsorgte die als Aktiengesellschaft organisierte Kebag den Abfall von nicht weniger als 506'900 Einwohnern in 85 solothurnischen und 97 bernischen Gemeinden. Verwertet wurden über 227'300 Tonnen Kehricht von Privaten und Firmen. Aktionäre der Kebag sind 553 Gemeinden im Kanton Solothurn und 81 aus dem Kanton Bern.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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