Seit Mitte der 90er Jahre ist der Boom der Gärten im Stadtgebiet nicht mehr zu übersehen. An allen möglichen und unmöglichen Orten wird gebuddelt, gepflanzt und geerntet.

Warum nicht auch in Solothurn? Das fragte sich auch die Jugendarbeit des Alten Spitals und nahm am Samstag kurzerhand die Kreuzackerbrücke in Besitz. Dank dem Grosseinsatz von unzähligen Freiwilligen hängen am Brückengeländer bis Ende Mai nun rund 400 mit Erde gefüllte schwarze Stofftaschen.

Wer genau hinschaut, entdeckt Jungpflänzchen, die ans Licht streben. Petersilie, Schnittlauch, Basilikum, Kohlrabi und Blumenknospen so weit das Auge reicht. Rund 600 von der Gartenbaufirma Wyss gesponserte Pflanzen sind es, die die Brücke im Laufe des Monats in einen Blumen- und Gemüsegarten verwandeln sollen.

Was tut sich da, fragen sich die Passanten. Die einen haben es eilig und kaum einen Blick übrig für die Frauen und Männer, die hier Schwerarbeit leisten. Andere lächeln, bleiben stehen, staunen.

Cécile Sollberger, eine der Freiwilligen, drückt einem jungen Mann mit zwei Kindern kurzerhand eine prall gefüllte Tasche in die Hände und fragt: «Können Sie die bitte dort aufhängen?»

Ein Ehepaar aus Seeberg schwärmt vom schönen Stadtbild und erzählt, dass es, wenn immer möglich, den Samstagmarkt besucht. Manchmal kommt der Seeberger sogar nach Solothurn, um im Kreuzackerpark Pétanque zu spielen. Vielleicht auch am Donnerstag, wenn bei «Platz da?!» ein Boules-Turnier auf dem Programm steht.

Filmtage-Material recycelt

Viel zu tun gibt es auch für Benedikt Bohren. Er hat das Konzept erarbeitet und geht mit Weidenzweigen in der Hand von Strassenlampe zu Strassenlampe. «Auf die Idee bin ich erst gestern Abend gekommen. Ich hoffe, dass sie zur Blüte kommen.» 

Die Chancen stehen gut. Der Gartenfachmann will dem Geländer entlang noch ein Bewässerungssystem anbringen, denn wer weiss, wie lange das Nass noch von oben kommt.

Übrigens: Die schwarzen Stofftaschen sind ein Überbleibsel von den Filmtagen. Sie haben sich für das Projekt geradezu angeboten. «Eine andere Verwendung hätte ich wahrscheinlich nicht mehr gefunden», glaubt Bohren.

Mit viel Engagement dabei ist auch Elisabeth Feller. Sie steht beim Anhänger und füllt Erde in die Taschen ab. Die quirlige Seniorin hat früher ein Haus und einen Garten besessen.

Nun bleibt ihr für das «Urban Gardening» nur noch ein Balkon. «Der quillt über mit Pflanzen, sodass ich gar keinen Platz mehr zum Sitzen habe», sagt sie, und man spürt, wie stolz sie ist, dass ihr doch noch ein eigenes Stück Natur geblieben ist.

Denn eines steht fest: Wer keinen eigenen Garten besitzt und im Stadtgefüge Platz für Blumen und Pflanzen finden will, muss kreativ sein, und davon ist in Solothurn offenbar einiges vorhanden.

Jedenfalls wenn man Fabian Steinbrink, dem neuen Fachverantwortlichen Jugend im Alten Spital glaubt: «Ich bin erst seit drei Monaten hier, aber die Kreativität in dieser Stadt ist unglaublich.»