Ist Grenchen einfacher zu finden als Pieterlen? Ist Biel wichtiger als Solothurn? Und warum geht einem ein Licht auf, wenn man für einen Kaffee bei der Raststätte Pause macht? Auf solche Ideen kann kommen, wer nachts auf der A5 unterwegs ist. Die grossen Infotafeln mit den Ortsangaben sind alle mit einer Beleuchtung ausgestattet, doch gewisse Lampen brennen nicht.

Mit der Kantonsgrenze hat das Phänomen nichts zu tun, wie die Fahrt zwischen Solothurn und Biel offenbart. Richtung Westen wird es zwar nach der Ausfahrt Grenchen hell, doch auf dem Rückweg beleuchtet lediglich der Vollmond die Tafeln auf Berner Boden, ebenso wie jene im Kanton Solothurn – mit Ausnahme der Tafel an der Ausfahrt Grenchen/Arch.

Die Nachfrage beim Bundesamt für Strassen Astra bringt Licht in die Sache, wenn auch nicht zu den Autobahntafeln. Heller wird es nicht mehr. Auf der Autobahn hat das Lichterlöschen begonnen. So lässt sich die Auskunft von Astra-Sprecher Thomas Rohrbach auf den Punkt bringen. «Auch wir können uns dem gesellschaftlichen Trend, Strom zu sparen, nicht entziehen», erklärt er.

Die Tafeln seien mit Folien ausgerüstet, die das Licht der Autoscheinwerfer reflektieren. An vielen Orten stellt die Beleuchtung gemäss Rohrbach deshalb nur eine zusätzliche Sicherheit dar. «Die Lampen, die kaputtgehen, werden in der Regel nicht mehr ersetzt.» Das gelte allerdings nicht für Tafeln in unübersichtlichem Gelände. «Wenn eine Tafel so aufgestellt ist, dass sie nicht von Weitem vollständig von den Autoscheinwerfern erfasst wird, wird sie auch in Zukunft eine eigene Beleuchtung haben», so Rohrbach.

Zuverlässigere Folien

Bis die Leuchtschienen abmontiert werden, die an den Tafeln wie überdimensionierte Augenbrauen vorstehen, kann es noch Jahre dauern. «Solche Arbeiten werden abschnittsweise im Rahmen des so genannten grossen Streckenunterhalts gemacht», sagt der Astra-Sprecher. Derzeit lasse sich nicht sagen, wann welche Tafel im Dunkeln versinkt und wann die Beleuchtung verschwindet.

Selbstreflektierende Folien sind nach Aussage von Thomas Rohrbach schon seit Jahrzehnten im Einsatz. «Früher war die Qualität der Folien aber noch nicht so gut wie heute. Weil niemand wusste, wie lange sie bei Wind und Wetter ihre Aufgabe erfüllen, wurden die Beleuchtungen an den Tafeln angebracht. Das kam billiger als die Tafeln alle paar Monate zu ersetzen.»

Konservative Infrastrukturpolitik gepaart mit Vorsicht erklärt, warum auch bei den Tafeln auf der jungen A5 noch «doppelt gemoppelt» wurde. Keinen Einfluss auf das Lichtregime der Tafeln hat das Verkehrsaufkommen auf dem jeweiligen Streckenabschnitt. Thomas Rohrbach: «Auf allen Schweizer Autobahnen handelt es sich bei 60 bis 80 Prozent des Verkehrs um Regionalverkehr. In solchen Fragen gibt es keine Unterschiede.»

Tunnel sind grosse Stromfresser

Vom Lichterlöschen verschont bleiben die Tunnel. «Diese bedeuten für den Verkehr immer ein zusätzliches Risiko. Da muss die optimale Beleuchtung der Tunnel selbst und natürlich aller Tafeln jederzeit gewährleistet sein», erklärt Thomas Rohrbach.

Aus der Perspektive des Automobilisten hört sich das beruhigend an. Aus der Stromsparperspektive gesehen ist es hingegen bedauerlich. Die Tunnel sind auf dem Autobahnnetz die grössten Stromfresser. Das Löschen der Lichter allein würde ihre Strombilanz laut Astra-Sprecher Rohrbach nicht ernsthaft verbessern. Dazu müsste man die Lüftungen ausschalten.