Strassenverkehrserhebung
Auf den Autobahnen wird es immer enger

Der Strassenverkehr hat im Kanton Solothurn im Zeitraum von 2010 bis 2015 weiter zugenommen. Auf den Nationalstrassen stieg die Belastung je nach Abschnitt um 5,5 bis zu 14 %. Auf den Kantonsstrassen nahm der Verkehr im Durchschnitt um 2 % zu.

Christof Ramser
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Am 10. Juni 2015 wurde im ganzen Kanton die Verkehrszählung durchgeführt. Hier in Wangen. (Archiv)

Am 10. Juni 2015 wurde im ganzen Kanton die Verkehrszählung durchgeführt. Hier in Wangen. (Archiv)

Bruno Kissling

Hunderte von Schülerinnen und Schülern sassen diesen Sommer kantonsweit in orangen Westen am Strassenrand und zählten den Verkehr. An 217 Plätzen erhoben sie von 7 bis 21 Uhr von Hand alles, was da vorbeifuhr: Velos, Töffs, Autos, Cars und Busse, Lieferwagen, Lastwagen und Lastenzüge.

Nun wurden die Daten ausgewertet und am Mittwoch als Strassenverkehrserhebung 2010 bis 2015 präsentiert. In die Auswertung mit eingeflossen sind die Daten der 23 elektronischen, fest installierten Verkehrszähler. Kantonsingenieur Stefan Gantenbein zog ein positives Fazit. «Die Verkehrszählungen verliefen ohne Zwischenfälle, die Qualität der Daten ist gut.» Seit den 1960er-Jahren misst der Kanton die Verkehrsströme, um daraus allfällige Massnahmen abzuleiten.

Mehr Autos pro Kopf

Kaum überraschen dürfte die Erkenntnis, dass der Strassenverkehr in den vergangenen fünf Jahren weiter zugenommen hat. Auf den Nationalstrassen beträgt die Zunahme zwischen 5 und 14 Prozent und ist besonders stark. Seit 1980 wächst das Verkehrsaufkommen auf den Autobahnen um 3 bis 6 Prozent. «Es findet nach wie vor eine Verlagerung des Verkehrs von den Kantonsstrassen auf das Nationalstrassennetz statt», so Gantenbein.

Demgegenüber stagniere die Verkehrsbelastung auf den Kantonsstrassen, oder sie steigt leicht an. Vor allem in den Zentren und der Agglomeration wird mehr gefahren. Im ländlichen Gebiet sind dagegen weniger Autos unterwegs. Eine Ausnahme bildet der Bucheggberg (siehe Kasten).

Starke Zunahme im Bucheggberg/Wasseramt

Mit über 10 Prozent wuchs der Verkehr im Bucheggberg in den vergangenen Jahren am stärksten. Dies nicht zwingend deshalb, weil die Bucheggberger mehr Auto fahren. Ein Grund sei viel mehr die Autobahnbaustelle in Biel. Viele suchen deshalb die Ausweichroute via Lengnau–Büren–Schnottwil, nämlich 33 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Auch die Achse Aetingen–Balm–Lyss ist stärker belastet. Solange das Nationalstrassennetz in Biel nicht vollendet ist, dürfte sich daran nicht viel ändern. Zu relativieren ist die starke Zunahme auch deshalb, weil der ländliche Bezirk vergleichsweise ein geringes Verkehrsaufkommen hat. Schwankungen wirken sich stark aus. Eine grössere Verkehrszunahme weist mit 5,5 Prozent zudem das Wasseramt aus. (crs)

Kurt Erni, Leiter Grundlagen Verkehr im kantonalen Amt für Verkehr und Tiefbau, relativiert den vermeintlichen Autoboom im Bucheggberg. «Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, weil man im Bucheggberg insgesamt eine tiefe Verkehrsmenge hat.» Ausreisser würden sich deshalb stark auf das Endergebnis auswirken. Auch würden sich Kapazitätsengpässe auf den Autobahnen mit starken Schwankungen auf den übrigen Strassen bemerkbar machen.

Auf den Kantonsstrassen zeige sich ein heterogenes Bild. Insgesamt hat die Verkehrsbelastung in den vergangenen fünf Jahren auf dem kantonalen Netz mit 2 Prozent leicht zugenommen. «In den vorherigen Perioden lag das Wachstum leicht darunter, es betrug rund 1 Prozent», so Erni. Exemplarisch dafür ist in der Region Solothurn die Zählstelle an der Baselstrasse in Feldbrunnen.

Entlastung Region Olten wirkt

Während der Verkehr in der Region Olten mit 2,8 Prozent insgesamt rückläufig ist, hat vor allem die Eröffnung der Entlastung Region Olten ERO im April 2013 zu teils markanten Verkehrsverlagerungen geführt. Die Belastung auf der westlichen Einfallsachse Hägendorf–Rickenbach– Wangen–Olten wurde stark reduziert. Damit habe sich die gewünschte Verlagerungswirkung von der H5 auf die Umfahrungsstrasse eingestellt, heisst es im kantonalen Amt für Verkehr. Der Minderverkehr auf der H5 betrage 45 Prozent. Hingegen werde die Mittelgäustrasse neu auch als Route zur Entlastungsstrasse genutzt und weise eine höhere Belastung auf. Der Verkehr auf der Strecke Aarbur–Olten mit der Umfahrung Aarburg nimmt mit 8 Prozent stetig zu. (crs)

Dort sind täglich 9400 Fahrzeuge unterwegs. Das sind leicht mehr als noch 1980. Bis 2001 stieg der Verkehr dann kontinuierlich leicht an und hat sich seitdem auf einem etwas tieferen Niveau eingependelt.
Auffällig sei die Tendenz zur geringeren Verkehrsmenge auf dem Land. Vor allem in den Bezirken Thal, Thierstein und Dorneck sind bedeutend weniger Personen mit dem Auto unterwegs.

Weniger Veloverkehr

Eine weitere Erkenntnis aus der Strassenverkehrserhebung: Der Motorisierungsgrad nimmt zu, in den letzten fünf Jahren um weitere 4 Prozent. Er beträgt im Solothurnischen 616 Personenwagen pro 1000 Einwohner. «Das ist mehr als im Landesdurchschnitt», sagt Gantenbein. Der Personenwagenbestand wächst schneller als die Bevölkerung. Neben mehr Autos gibt es auch mehr Lastwagen und Lastenzüge. Im Durchschnitt beträgt der Schwerverkehrsanteil 6 Prozent. Am höchsten ist er mit 22 Prozent beim Autobahnanschluss in Egerkingen. Ebenfalls hohe Werte weisen die Anschlüsse Oensingen und Grenchen aus.

Markant abgenommen hat in der aktuellen Zählperiode der Veloverkehr. Minus 12 Prozent oder 3300 Fahrten wurden registriert. Dieses Resultat stelle jedoch eine Momentaufnahme dar. «Die Abnahme ist vermutlich auf die Witterung zurückzuführen», sagt Gantenbein.

Vor dem Zähltag am 10. Juni habe es geregnet. Zudem handle es sich bei den Handzählungen um eine Momentaufnahme. «Entsprechend zurückhaltend müssen die Daten interpretiert werden.» Vermutlich bleibe der Berufs- und Schülerverkehr etwa konstant. Eindrückliche Werte erreiche der Aare-querende Veloverkehr in Solothurn und Olten mit 8200 respektive 4000 Velos pro 14 Stunden.

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