Der Kanton Solothurn dreht das Rad der Zeit zurück: Bei seiner Teilnahme an der Fête des Vignerons in Vevey knüpfen die Solothurner an den einstigen Weintransporten auf dem Wasserweg aus der Westschweiz nach Solothurn an. Doch nicht nur das. Auch der Weg des Weines wird Anfang August quasi umgekehrt: Unter dem Motto «Chargé pour Vevey» wollen die Solothurner «ihren» Bürgerwein in die Westschweiz verschiffen. Ob dieses Unterfangen letztlich nicht einem Wasser-in-die-Aare- oder Eulen-nach-Athen-Tragen gleichkommt, das wird sich an den Reaktionen der derart beglückten West- und Restschweiz erst noch zeigen müssen. Schliesslich ist die Fête des Vignerons nichts weniger als DAS Fest der stolzen Weinbauern des Lavaux.

Staatsschreiber Andreas Eng, Präsident des speziell gebildeten Organisationskomitees, zeigte sich am Mittwoch vor den Medien jedenfalls zuversichtlich, dass nicht nur der vorgängige Weintransport, sondern auch der offizielle «Solothurner-Tag» vom Samstag, 3. August, auf viel Beachtung stossen wird: «Wir bringen den Wein zurück an den Genfersee – mit einem sympathischen Augenzwinkern.» Zu hoffen ist, dass beim Weintransport Richtung Westen nicht das Gleiche passiert, wie einst in umgekehrter Richtung: Dass nämlich die Mannschaft unterwegs sich am Wein derart gütlich tut, dass sie am Ende eben «Chargé pour Soleure», Entschuldigung, «Charge pour Vevey» ist, also mehr oder weniger (leicht) angetrunken.

Aareaufwärts per Pontons

Die Schifffahrt, quasi der «Prolog», beginnt bereits am 1. August. Am frühen Morgen soll die Wein-Expedition in Solothurn (beim «Solheure») starten und Aare aufwärts, mit Etappen in Büren an der Aare und Le Landeron, führen. Als improvisierter Weintransporter werden drei nebeneinander montierte Pontons dienen, die von erfahrenen Mitgliedern des Pontonier-Sportvereins Solothurn sicher westwärts geschifft werden sollen. «Selbstverständlich motorisiert», wie Kenneth Lützelschwab, Chef der Motorfahrzeugkontrolle und im Organisationskomitee zuständig für den Prolog, vor den Medien beruhigend versicherte. Ab Yverdon gehts dann per Lastwagen weiter bis in die Region Lausanne, wo das Solothurner Weinschiff für die restliche Strecke nach Vevey wieder eingewassert wird.

Dort wird die Ankunft am 3. August, 11 Uhr, dann gleich zum Auftakt des Solothurner-Tages, zu dem die offizielle Delegation – samt Gesamtregierungsrat, Musik- und anderen Formationen – per Sonderzug anreisen wird. Der Tag soll nicht nur im Zeichen kulinarischer Spezialitäten aus dem Kanton Solothurn stehen, sondern primär von kulturellen Darbietungen von Kunstschaffenden aller Genres und aus allen Kantonsteilen geprägt sein.

Sie präsentierten die Pläne für den Solothurner Gastauftritt an der Fête des Vignerons (v.l): Christoph Rölli (Kulturprogramm), Staatsschreiber Andreas Eng (OK-Präsident) und Kenneth Lützelschwab (Prolog/Festakt).

Noch gibt es diesbezüglich kein festes Programm, wie Christoph Rölli, im OK zuständig für das Kulturangebot, betont. Vielmehr können sich Kunst- und Kulturschaffende «mit Wohnsitz oder Bezug zum Kanton» ab sofort per Onlineformular auf der Kantonswebsite für einen Auftritt am grössten Volksfest der Westschweiz bewerben.

Solothurner-«Puzzle» als Film

Wie alle anderen Gastkantone kann sich auch Solothurn dem Publikum im Rahmen eines 90-Sekunden-Imagefilms präsentieren. Und hier sind gleich alle Solothurnerinnen und Solothurner als «Filmschaffende» eingeladen: Die von Rölli präsentierte Idee setzt darauf, dass alle Interessierten per Handy ein Foto vom «typischen» Leben im Kantonschiessen und einsenden können (www.90sekunden.ch). Aus ausgewählten 90 Einzelaufnahmen soll dann eine Art Video-Tagebuch zusammengestellt werden. Der ironisch gefärbte Titel: «Soleure – c’est bien plus que 90 secondes».

Ja, man habe mit dieser Art Filmporträt «aus der Not eine Tugend gemacht», gab OK-Präsident Andreas Eng vor den Medien zu: «Ein professionell gedrehter Film hätte unsere Budgetmöglichkeiten bei weitem überstiegen.»

Die Organisatoren, die Confrérie des Vignerons, macht den Gastkantonen strenge Auflagen: Sichtbares Sponsoring ist nicht gestattet und ausser den direkten Akteuren müssen alle ihre Tickets voll bezahlen. Auch welsche Gastfreundschaft hat ihre Grenzen.