Kindernotfall

Auch Solothurner zahlen für teure Notfall-Hotlines – aber nicht immer

Wer untersucht das Kind im Notfall? Im Kanton gibt es keine Kinderklinik - die Spitäler in Biel oder Aarau etwa übernehmen Solothurner Notfälle.

Im Kanton gibt es keine Notfallklinik für Kinder. Im Notfall müssen Eltern nach Bern, Biel oder Aarau fahren. Ersatz bietet zwar eine 24-Stunden-Notfallhotline. Doch auch hier werden Eltern teils in Nachbarkantone weiterverbunden. Das kostet.

Die Antwort auf folgende Frage dürfte nicht allen Eltern im Kanton klar sein: Wohin mit dem Kind im Notfall? Bei plötzlich hohem Fieber oder einer Verletzung – wenn der eigene Kinderarzt nicht da ist. Klar ist: Einen Kindernotfall gibt es im Kanton nicht. Wer in den Notfall für Erwachsene fährt, macht unter Umständen einen Umweg und wird wieder weggeschickt.
Es gilt deshalb: Zuerst zum Telefonhörer greifen. Vor zwei Jahren erklärte die Regierung in der Antwort auf einen Vorstoss von Kantonsrat Simon Bürki (SP, Biberist): Eine eigene Kinderklinik im Kanton würde nicht rentieren. Abhilfe schafft im Raum Solothurn/Grenchen dafür der kindernotfallärztliche Dienst mit jederzeit erreichbarer Beratungshotline. Die Hotline führt zur kantonalen Alarmzentrale und wird vom Kanton finanziert. Kostenlos und schnell sollen Eltern so Informationen dazu erhalten, was mit dem Kind zu tun ist.

Für etwas Verwirrung sorgte dann die Erfahrung eines Ehepaars aus der Region, das ebendiesen Dienst anrief – keine telefonische Auskunft bekam und auf die Bieler Hotline weitergeleitet wurde. Dort kostet die Notfallhotline der Kinderklinik drei Franken in der Minute.

In der Nacht kostet's - tagsüber ist's gratis

Paul Meier ist Kinderarzt in der privaten Gruppenpraxis, die sich im Bürgerspital in Solothurn eingemietet hat. Er erklärt: Der kinderärztliche Notfalldienst im Raum Solothurn/Grenchen ist so organisiert, dass sich die Kinderärzte einen Pikett-Dienst teilen. Zwischen 8 und 20 Uhr erfahren Eltern über die Hotline die Nummer des Kinderarztes in der Region, der für Notfälle zuständig ist. Das sei ein umfangreicher «Gratis-Service», so Meier.

Nachts ist kein Kinderarzt in der Region im Einsatz. Die Hotline wird weiterhin von der Alarmzentrale bedient. «Dann ist etwa ein Polizist in der Leitung – der kann natürlich nicht beraten, dafür aber weiterverbinden», erklärt Meier. So eben beispielsweise nach Biel – wie im eingangs geschilderten Fall. Und diese Hotline kostet: Im Falle der Klinik Biel 3 Franken in der Minute.

«Das ist ein Service – und den muss jemand bezahlen», so Meier. Die Krankenkasse übernimmt Kosten von Beratungshotlines nämlich nicht. Und irgendwie müsse man ja den Tarmed-Tarif (Anmerkung: in der Schweiz einheitlicher Tarif für ambulante ärztliche Leistungen) für eine fünfminütige Konsultation verrechnen.

In den Antworten auf den Eingangs erwähnten Vorstoss schrieb der Solothurner Regierungsrat, man wolle prüfen, ob man Solothurner Eltern diese ausserkantonalen Hotlines nicht gratis zur Verfügung stellen könnte. Eingeführt wurde das nicht. Auf Nachfrage beim Kantonsarzt Lukas Fenner heisst es, man erachte eine Kostenbeteiligung als zumutbar. Und: «Bei einem unentgeltlichen Angebot wäre eine Zunahme der Benutzung auch bei Bagatellfällen, die nicht zwingend eine kindermedizinische Beratung brauchen, zu erwarten.»

Fenner weist dafür auf eine andere Massnahme hin, die man mittlerweile umgesetzt hat: So gibt es, wie am Bürgerspital Solothurn, auch auf dem Areal des Kantonsspitals Olten mittlerweile eingemietete Kinderärzte. Auch hier gilt: Zuerst anrufen. In der Woche und tagsüber in die Kinderarztpraxis Olten. Nachts und am Wochenende ist die Kinderklinik in Aarau zuständig. Die Hotline kostet 3.25 Franken pro Minute.

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