Unternehmerische Bildung
Auch Lernende sollen Chef werden: Kanton nimmt an Schweizer Pilotprojekt teil

Der Kanton beteiligt sich an einem schweizweiten Pilotprojekt, das unternehmerische Bildung auch an Berufsfachschulen verankern will. Das Projekt soll für die Lernenden ein Art erster Schritt Richtung Karriere als Unternehmer darstellen. Derzeit sind 4 Kantone und 1000 Lernende dabei - am Schluss soll die ganze Schweiz mitmachen.

Noëlle Karpf
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Bis 2030 werden im Kanton Solothurn rund 30 000 Fachkräfte den Arbeitsmarkt verlassen. Geht man davon aus, dass in einem Unternehmen auf einen Chef 10 Mitarbeitende tätig sind, so würde dies bedeuten, dass in diesem Zeitraum auch 3000 Chefs ihre Tätigkeit niederlegen würden. Dies rechnete Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer, gestern an einer Medienkonferenz in Trimbach vor. Dort wurde ein Pilotprojekt vorgestellt: Dieses will unter anderem das Problem Nachfolgeregelung angehen – und noch mehr.

Man wolle die Berufsbildung «fit halten», erklärte Georg Berger, Direktor des BBZ Oltens. Fit machen will man auch Lernende – und mit dem Projekt Flair für Unternehmertum auch an Berufsfachschulen bringen.

 Sie stellten das Projekt vor (v.l.): Regierungsrat Remo Ankli; Georg Berger, BBZ Olten; Susan Müller und Manfred Pfiffner, Projektteam; Daniel Probst, Handelskammer.

Sie stellten das Projekt vor (v.l.): Regierungsrat Remo Ankli; Georg Berger, BBZ Olten; Susan Müller und Manfred Pfiffner, Projektteam; Daniel Probst, Handelskammer.

Bruno Kissling

Pilotprojekt als Vorbild für weitere Kantone

Mit dabei sind die Kantone Solothurn, Bern, Wallis und Tessin. Von Sommer 2018 bis Anfang 2021 führen sie das Projekt «Unternehmerisches Denken und Handeln» durch. In dieser Zeit finden an den Berufsfachschulen der Kantone gleichnamige Module statt. Lernende erhalten theoretische Inputs – und Zeit, eigene Geschäftsideen auszuarbeiten. Diesen Frühling werden sich insgesamt 1000 Lernende in den vier Teilnehmerkantonen damit beschäftigen. Vergangenes Jahr wurden an den beiden Berufsbildungszentren im Kanton knapp 30 Lehrpersonen für das neue Modul geschult.

Ziel des Projekts ist es auch, dass unternehmerische Bildung systematisch an Berufsfachschulen verankert wird. Lernende sollen die gleichen Chancen haben wie Studierende an Hochschulen, wo es bereits Angebote oder Vorlesungen gibt, die junge Menschen auf das Führen eines Unternehmens vorbereiten. So erhoffen sich die Verantwortlichen, dass nach Abschluss des Projekts weitere Kantone das Modul einführen werden. Diese Kantone müssten die Umsetzung allerdings selbst finanzieren. Am aktuellen Pilotprojekt beteiligt sich der Bund zu 60 Prozent. Durchgeführt wird der 1.4 Millionen Franken schwere Pilot vom Berufsbildungszentrum Olten, Uni Fribourg, Uni St. Gallen, PH Zürich und der Solothurner Handelskammer.

Stolz über die Pionierrolle des Kantons äusserte sich Regierungsrat Remo Ankli: Wenn schweizweit 80 000 Lernende pro Jahrgang mit diesen unternehmerischen Grundkompetenzen ausgerüstet werden könnten, «kann die Wirtschaft auf zentrale Kompetenzen ihrer zukünftigen Fachkräfte zählen.» So sollen dank des Moduls Lernende zu Chefs werden – und vielleicht auch zukünftige die Nachfolge von Unternehmen im Kanton übernehmen.

Silbermedaille für Mikroplastik-Filter

Drei Tage lang hatten Aron Düringer und Kevin Bewesher, Automatiker im vierten Lehrjahr, Zeit, eine Geschäftsidee zu entwickeln. Das sei die Hauptschwierigkeit gewesen, so Bewsher. Man sei dann von einem Problem ausgegangen, erklärt Düringer. Das Problem: Mikroplastik, der Gewässer verschmutzt, und etwa entsteht, wenn die Waschmaschine läuft.

Die beiden Jugendlichen entwickelten eine Lösung: Ein Filter für Mikroplastik, welcher beispielsweise an die Waschmaschine montiert werden kann und laut den beiden rund 95 Prozent des Mikroplastiks filtern soll. Diese Idee entstand am BBZ Olten – im Rahmen des Pilotprojekts «Unternehmerisches Denken und Handeln». Später entwickelten die beiden einen Prototypen, und stellten diesen 2019 am «Youth Start Award» in Barcelona vor. Die beiden angehenden Automatiker holten den zweiten Platz.

Als Nächstes stehen bei den beiden erst einmal Studium und Militär an, Düringer und Bewsher meinen aber, das Ziel sei schon, das Projekt weiterzuverfolgen – und den Prototypen vielleicht irgendwann auf den Markt zu bringen. (nka)

Bruno Kissling