Blaulichtorganisationen

Auch in den Sommerferien gilt: Warten kann höchstens der Meniskus

Blaulichtorganisation während den Sommerferien

Blaulichtorganisation während den Sommerferien

Mehr Pöbeleien, weniger Einsatzkräfte, weniger Operationen: Wie sich der Sommerferien-Betrieb von Polizei, Feuerwehr und Spital vom Rest des Jahres unterscheidet.

Die Schulhäuser sind verwaist, die Züge ungewohnt leer und anstatt grosser Geschäftigkeit trifft man häufig auf geschlossene Ladentüre und das Schild: «Betriebsferien». Die Schulferien haben begonnen, die beliebteste Zeit von Herr und Frau Schweizer, um zu verreisen.

Während Zeitungen auch mal dünner sein können und das Staatsarchiv Solothurn während sechs Wochen ganz seine Türen schliesst, ist dies bei einigen Organisationen ganz sicher nicht möglich: Schulferien hin, Schulferien her – der Betrieb bei Feuerwehr, Spital und Polizei muss wie gewohnt weitergehen.

Viele Arztpraxen geschlossen

«Sommerloch? Kennen wir nicht», sagt Oliver Schneider, Leiter Marketing und Kommunikation der Solothurner Spitäler AG. «Der Dienstplan über die Sommerferien unterscheidet sich nicht vom Dienstplan über den Rest des Jahres.»

Während den Sommerferien geht es auf der Notfallstation teils sogar geschäftiger zu und her also sonst. Denn während dieser Zeit haben viele Arztpraxen geschlossen. «Deren Patienten kommen dann häufig zu uns auf den Notfall», erläutert Schneider.

Notfälle können nicht warten, an einem Ort haben die Spitäler aber die Möglichkeit, ihren Betrieb ein wenig zurückzufahren. Die Sprache ist von den sogenannten elektiven Operationen, den geplanten Eingriffen. Schneider: «Je nach Diagnose kann eine Meniskusoperation gut auf einen Termin nach den Ferien verschoben werden.»

Mehr Polizisten im Urlaub

Eine Saure-Gurken-Zeit (siehe Box) kennen auch die Ordnungshüter nicht. Wobei: «Die Schulferien sind meist frei von Grossanlässen, was eine grosse Entlastung bedeutet», sagt Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei Solothurn. Dadurch ist es der Behörde möglich, während den Schulferien mehr Polizisten in den Urlaub zu entlassen als gewöhnlich.

Zusätzliche Arbeit für die Zurückgebliebenen? Der Kommandant verneint: «Sie müssen aber mehr Wochenendeinsätze leisten.» Denn trotz Sommerferien: In der Nacht und am Wochenende sind gleich viele Solothurner Stadtpolizisten auf den Strassen unterwegs wie sonst auch. Hingegen verzichte das Korps in dieser Zeit schon mal auf die eine oder andere Grosskontrolle.

Viele Verreiste = weniger Unfälle und weniger Straftaten? Die Gleichung stimmt nur bedingt, wie ein Blick in die Statistik zeigt. So gab es im Kanton Solothurn im letzten Jahr am meisten Unfälle bei trockenem und schönem Wetter. Der August war dabei der Monat, wo sich die drittmeisten Unfälle (113) ereigneten.

Ein Blick in die Kriminalitätsstatistik offenbart: Bei den Einbrüchen gibt es zumindest eine angedeutete Sommerflaute. Gemäss einer schweizweiten Analyse des Bundesamts für Statistik sind in der Schweiz die Einbrecher im August am inaktivsten. Diese Erhebung liegt aber bereits vier Jahre zurück.

Arbeitslos werden die Polizisten im Sommer jedoch sowieso nicht. Denn in den warmen Monaten häufen sich andere Vorfälle, die ihre Aufmerksamkeit benötigen. Provokationen, Pöbeleien, Scharmützel.

«Vorwiegend am Wochenende und an Festen», sagt Andreas Mock, Sprecher der Kantonspolizei Solothurn. «Ein Grund dafür ist sicher auch der erhöhte Alkoholkonsum.» Die Kantonspolizei hat darauf reagiert: Sie setzt bei der Sicherheitspolizei von anfangs Mai bis Ende September jeweils zusätzliche Mitarbeiter ein.

Nur ein Drittel einsatzbereit

«Selbstverständlich haben wir während den Sommerferien einen reduzierten Bestand», sagt Thomas Maritz, Kommandant der Feuerwehr Grenchen. Durchschnittlich seien bei einem Ernstfall 60 Prozent der Einsatzkräfte abrufbar, während den Schulferien jedoch nur rund ein Drittel.

Doch der Kommandant betont: «Es besteht kein Risiko. Wir können die Abwesenheiten gut managen.» Zudem: Bei Bedarf helfen die Nachbarfeuerwehren einander aus. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Grenchen müssen ihren Kommandanten mitteilen, wann sie in den Urlaub fahren. «Aber nur die Offiziere müssen ihre Ferien aufeinander abstimmen», sagt Maritz.

Während die Miliz-Feuerwehren somit nur minimal Einfluss auf die Ferien ihrer Einsatzkräfte haben, können Polizei und Spital die Ferien der Mitarbeiter koordinieren. Dabei würden die Wünsche der Mitarbeiter soweit möglich berücksichtigt, geben die befragten Blaulichtorganisationen zur Auskunft. Doch Andreas Mock, Sprecher der Kantonspolizei betont: «Die Einsatzbereitschaft muss gewährleistet sein.» Dank der Flexibilität der Mitarbeiter sei aber noch immer eine Lösung gefunden worden.

Bei der Stadtpolizei Solothurn ist es dabei viel einfacher, während den Sommerferien in den Urlaub zu fahren als während der zehntägigen HESO. In dieser Zeit gilt für die Stadtpolizisten ein Ferienverbot. Urlaub gibt es dann nur in Ausnahmefällen.

Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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