Wald
Auch im Kanton Solothurn kommt es bei der Esche zum «Totalausfall»

Für die «Esche» wird es eng. Im Kanton Solothurn rechnet man, genau wie in der restlichen Nordwestschweiz, mit einem Totalausfall des Baumes. Grund dafür ist der «Chalara Fraxinea»-Pilz.

Joel Grolimund
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Bei den Eschen kann es zu einem Totalausfall kommen. (Archiv)

Bei den Eschen kann es zu einem Totalausfall kommen. (Archiv)

Keystone

«Im Kanton Solothurn sieht die Situation dramatisch aus. Wir rechnen mit dem «Schlimmsten», hoffen aber, dass es nicht zutrifft», meint Jürg Frölicher vom Amt für Wald im Kanton Solothurn. Das «Schlimmste» bedeutet, ein Ausfall von 95 bis 99 Prozent aller Eschen, so vermutet die Wissenschaft.

Grund für den Ausfall ist der für die Esche gefährliche Pilzart Falsches Weißes Stengelbecherchen, mit der Nebenfruchtform «Chalara Fraxinea», der nun definitiv im Kanton angekommen ist. Der Baum-Tod kommt schleichend und tritt nicht sofort ein. In den ersten Jahren sieht man es der Esche kaum an, dass sie krank ist. Kahle Äste, Welkende Blätter und absterbende Zweige sind dann aber die deutlichen Krankheitssymptome dafür.

Gemäss den aktuellen Ergebnissen des Landesforstinventares gibt es im Kanton Solothurn rund 13,6 Millionen Bäume (ab 12 cm Durchmesser). Davon sind 4.6 Prozent Eschen. Bei einem Totalausfall wären dies rund 630'000 Bäume die wegfallen würden.

Gegen den tödlichen Pilz gibt es bis heute kein Gegenmittel. Die einzige Möglichkeit um die Bäume zu schützen wäre, im Herbst jedes einzelne Blatt von den Bäumen zu entfernt. «Das ist natürlich nicht möglich, deshalb bleibt uns nichts anderes übrig, als die betroffenen Bäume zu fällen», erklärt Frölicher.

Pilz kommt aus Japan

Beim gefährlichen Pilz handelt es sich um eine bislang unbekannte Art. Forscher konnten lange nicht herausfinden woher er stammt.

Pilz «Chalara fraxinea»

Das «Falsche Weiße Stengelbecherchen» ist eine 2010 neu beschriebene Pilzart aus der Unterabteilung der Echten Schlauchpilze.

Untersuchungen an Herbarmaterial belegen jedoch, dass der Pilz bereits 1978 in Mitteleuropa vorkam.

Er lebt auf den Blattspindeln abgeworfener Eschenblätter. Seine Nebenfruchtform «Chalara fraxinea» löst das Eschensterben aus.

(Quelle: wikipedia)

Ganz sicher sind sich die Forscher immer noch nicht, doch der Pilz soll seine Ursprünge in Japan haben. Er muss über Nordeuropa in die Schweiz gelangt sein. Warum dieser Pilz zum Auslöser einer neuen Krankheit wurde, ist ebenfalls noch unklar.

Seit 1990 Eschensterben

Schon Anfang der 1990er Jahren hat das Eschensterben begonnen. In Polen starb damals eine grosse Anzahl der Bäume ab. Auch in Dänemark sind etwa 90 Prozent aller Eschen dem Pilz zum Opfer gefallen.

Laut einem Artikel der deutschen Newsplattform «Zeit Online» ist auch Deutschland stark betroffen. Forscher rechnen damit, dass in fünf Jahren ein Drittel der deutschen Eschen verschwunden ist.

Wald Beobachtungsprogramm

Seit rund 25 Jahren gibt es in der Nordwestschweiz ein Wald-Beobachtungsprogramm. Auch das kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei ist bei diesem Programm dabei.

«Wir wollen nun herausfinden, ob der Standort oder das Alter des Baumes eine Rolle für die Anfälligkeit hat», erklärt Jürg Frölicher. «Neue Bäume werden wir aber nicht pflanzen, obwohl die Erle ein guter Ersatz wäre,» erzählt er weiter. Man lassen die Natur selber walten.

«Da die Esche häufig in feuchten Gebieten oder am Gewässer wächst, könnte es in Zukunft am Wasser etwas leerer aussehen», meint Frölicher. So zum Beispiel bei der Emme in Biberist und Gerlafingen, wo rund 20 betroffene Bäume gefällt wurden.