Corona
Auch im Advent: Solothurner Regierung sieht keinen Raum für Lockerungen bei Gottesdiensten

Das Bistum Basel ersuchte erfolglos um eine Lockerung der starren Beschränkung für den Gottesdienstbesuch. Auch in der Adventzeit dürfen maximal 30 Personen teilnehmen.

Balz Bruder
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Die Ambassadorenkrippe ist jedes Jahr in der Jesuitenkirche zu bewundern.

Die Ambassadorenkrippe ist jedes Jahr in der Jesuitenkirche zu bewundern.

Hanspeter Bärtschi

Als ob die Zeiten nicht schon schwer genug wären. Selbst die Möglichkeiten, Halt und Trost, Zuversicht und Hoffnung in einem Gottesdienst zu finden, sind in diesen Tagen beschränkt. Die Gläubigen leiden an der nach wie vor geltenden Restriktion von 30 Personen, die sich zu Predigt und Gebet versammeln dürfen. Damit ist der Kanton Solothurn weniger streng als der Nachbarkanton Bern, wo gar eine Beschränkung von 15 Personen gilt, aber strenger als der Bund, der 50 Personen als Obergrenze festgelegt hat.

Das nimmt das Bistum Basel nicht einfach so hin. Es hat sich sowohl bei der Berner als auch bei der Solothurner Regierung vernehmbar gemacht und sich dafür eingesetzt, die Bundesregelung gelten zu lassen. Auf den Punkt gebracht hat das Anliegen jüngst Urban Fink, Chefredaktor-Stellvertreter des Kirchenblatts für die römisch-katholischen Pfarreien im Kanton Solothurn: «Es ist nicht einzusehen, warum in Kirchen nicht wie schon jetzt in Restaurants mehr als 30 Personen anwesend sein dürfen. Immerhin gehört die Kultusfreiheit im Unterschied zum Auswärtsessen zu den Grundrechten.»

Nicht von Grösse abhängig

In der Tat ist die Restriktion umso erstaunlicher, als gerade Kirchen die Voraussetzungen für eine unproblematische Umsetzung der 50er-Regel böten, zumal die geforderten Abstände und Schutzkonzepte leichterdings umzusetzen wären. Ein Blick über die Grenze beweist, dass sogar noch mehr möglich ist: Deutschland und Italien etwa messen die Obergrenze an der tatsächlichen Grösse eines Kirchenraums. Zur Illustration: Die Verhältnisse in der Dorfkirche von Wolfwil sind andere als jene in der St.-Ursen-Kathedrale zu Solothurn.

Dass es nicht einfach um ein technisches Problem geht, sondern um ein spirituelles, bringt Urban Fink, früherer Leiter der Schweizerischen Kirchenzeitung, aus der Sicht der Gläubigen so zum Ausdruck: «Gerade in Krisenzeiten ist der gemeinsame Gottesdienst für viele Menschen eine wichtige Stütze, die ihnen Mut, Halt und Trost gibt. Das gemeinsame Beten hilft, an das Leben zu glauben, auf Gott zu vertrauen, und die Pandemie-Schutzmassnahmen durch- und mitzutragen.» Gerade im bevorstehenden Advent.

Gesamte Situation muss beurteilt werden

Hat die Solothurner Regierung ein offenes Ohr für das Anliegen? Eine Nachfrage bei der Staatskanzlei ergibt, dass die Aussichten auf eine Verbesserung der Situation für die Gläubigen an einem kleinen Ort sind. Die Antwort aus dem Solothurner Rathaus tönt so: «Der Regierungsrat ist sich bewusst, dass die Adventszeit im Kirchenjahr eine wichtige Zeit darstellt, der Wunsch der Kirchen ist nachvollziehbar. Gleichzeitig gilt es jedoch nach wie vor, die gesamte Situation zu beurteilen. Mit Blick auf die epidemiologische Situation sind Lockerungen im Moment nicht angebracht.» Weder zahlenmässige noch räumliche, wie daraus zu folgern ist.

Übrigens: Als ob sie geahnt hätten, dass sich in Sachen Gottesdienst-Beschränkungen auch in der Adventszeit nichts Wesentliches verändern würde, haben die Verantwortlichen des Bistums vorgesorgt. Unter dem Titel «Live verbunden» führen Bischof Felix Gmür und Weihbischof Denis Theurillat gemeinsam mit dem hiesigen Scalabrini-Säkularinstitut und dem gleichnamigen Internationalen Bildungszentrum Gottesdienste in der Kirche St. Joseph durch. Diese werden live übertragen und ein Fenster in die nahe und weite Welt öffnen. Das erste geht am Sonntag, am ersten Advent, um 17.30 Uhr auf. Tröstlich dabei ist dies: Restriktionen über die Zahl derer, die dem Gottesdienst folgen, gibt es in diesem Fall nicht.

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