Fasnacht
Auch Guggenusiken haben Urheberrechte zu beachten

Die Urheberrechte sind auch bei Fasnachtsveranstaltungen zu beachten – und sind unter Guggenmusiken ein heisses Eisen.

Christof Ramser
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Verlangt ein Anlassveranstalter Eintritt, kassiert die Suisa mit.

Verlangt ein Anlassveranstalter Eintritt, kassiert die Suisa mit.

Bald posaunt und donnert es wieder in den Gassen und Beizen der Region. Die Fasnacht steht vor der Tür. Sind die Guggenmusiken dann abgezogen, klingelt es nicht nur in den Ohren, sondern auch in den Portemonnaies der Autoren von gespielten Liedern. Schmettern die Ambassadonner zum Beispiel den Beatrice-Egli-Schlager «Mein Herz», freut sich Dieter Bohlen, der den Song geschrieben und produziert hat.

Grund sind die fälligen Entschädigungen an die Suisa, die schweizerische Gesellschaft für die Rechte der Urheber von Musik. Diese leitet 90 Prozent der Einnahmen an die Texter, Komponisten und Verleger der Stücke weiter, und zwar weltweit – sofern die Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers noch nicht verstrichen ist. Damit sollen die Autoren zu ihrem Recht, sprich, zu einem Entgelt kommen.

Die Urheberrechte sind auch bei Fasnachtsveranstaltungen zu beachten – und sind unter Guggenmusiken ein heisses Eisen. «Es ist ein schwieriges Thema», sagt Thomas Nyffenegger, Ober der Solothurner Guggenmusiken Guso.

Zwar müssen für die geschützten Musikstücke, die draussen an der Gassenfasnacht gespielt werden, keine Vergütungen bezahlt werden. Ganz anders sieht es bei organisierten Anlässen aus, an denen Guggenmusiken auftreten – insbesondere, wenn dafür Eintritt verlangt wird.

«Bei einem Tanz- oder Unterhaltungsanlass wie einem Maskenball oder einer Party sind Vergütungen fällig», sagt Giorgio Tebaldi von der Suisa. Sie betragen 6,5 Prozent der Einnahmen oder der Kosten. Liegt der Eintrittspreis tiefer als 17 Franken oder ist das Fassungsvermögen des Saals unter 400 Personen, wird aufgrund der Besucherzahl eine Pauschale berechnet. Der Mindestpreis für eine Veranstaltung beträgt Fr. 43.30. Der Anlassveranstalter muss zudem immer die Setliste der gespielten Werke einreichen.

Hoher Aufwand

Was eigentlich das Musikschaffen fördern soll, bedeutet für die Guggenmusiken administrative Mehrarbeit. «Der Aufwand für die Abrechnungen ist hoch», sagt Nyffenegger. Ausserdem sei es für weniger gut betuchte Vereine eine finanzielle Belastung. Grundsätzlich sei jede Guggenmusik selber für die korrekte Abrechnung der Vergütungen zuständig. Die Riedholzer Weihere Schränzer, bei denen Nyffenegger aktiv ist, zahlen für ihren Hilari-Anlass stets eine Pauschale. Da würden schnell mal zwischen 200 und 500 Franken fällig.

Heikel sei das Thema ausserdem, weil die gespielten Stücke oft Adaptionen sind. «Bei einem stark veränderten Cover wird ein Song nicht eins zu eins gespielt», sagt Nyffenegger. «Handelt es sich dann wirklich noch um das entsprechende Lied?»

Die Suisa sei ein Buch mit sieben Siegeln, und manch eine Gugge hoffe, dass die Gesellschaft nicht auf bestimmte Veranstaltungen aufmerksam wird. Die Suisa macht laut Giorgio Tebaldi indes gute Erfahrungen mit den Guggenmusiken und Fasnächtlern. «Die Zahlungsmoral ist gut, der grösste Teil bezahlt die fälligen Lizenzen.»

«Man kann nichts dagegen tun»

Der Partyveranstalter Markus Moerler schlägt sich regelmässig mit den Urheberrechtsgebühren herum. Auch er ist an der Solothurner Fasnacht präsent, dieses Jahr organisiert er das Kostümfest «Ballzillus» im Landhaus. «Grundsätzlich finde ich es richtig, dass die Künstler für ihre Werke bezahlt werden», sagt Moerler.

Trotzdem ärgert er sich über den hohen Aufwand und die verursachten Kosten. Für das Oktoberfest beispielsweise, das er vergangenes Jahr an drei Abenden in der Reithalle veranstaltete, überwies er 3500 Franken an die Suisa.

Für den «Ballzillus» werde eine Mischrechnung aus oben genannten Faktoren erstellt. Wie viel Moerler nach der Fasnacht an die Gesellschaft nach Zürich überweisen wird, bleibt offen. Die Zahlungen würden aber auch fällig, wenn ein Organisator Verlust mache. «Auch ich fördere Kultur, in dem ich den Guggenmusiken Auftritte ermögliche. Müsste ich da nicht ebenso Geld erhalten?», fragt der Veranstalter rhetorisch und schiebt nach: «Die Rechnung kommt so oder so. Da kann man nichts dagegen tun.»

Ignorieren lohnt sich nicht

Es gibt aber Möglichkeiten, den bürokratischen Aufwand zu verringern. Um die Abrechnung für Fasnachtsanlässe gemeinsam durchzuführen, hat etwa die Dachorganisation Vereinigte der Luzerner Fasnacht einen Gesamtvertrag mit der Suisa abgeschlossen. Daraus ergibt sich ein Preisnachlass. Auch der Helvetische Fasnachtsring Hefari hat einen Gesamtvertrag ausgearbeitet.

Kein Thema ist dies bei der Guso. «Wir sehen darin keinen Nutzen, weil dann alle Guggenmusiken Mitglied sein müssten», sagt Thomas Nyffenegger. Deshalb sei es sinnvoller, wenn jede Gruppe ihren Anlass selber abrechnet.

Verzichtet sie darauf, kann es teuer werden. Kriegt die Suisa Wind von einer Veranstaltung, die nicht angemeldet wurde oder werden falsche Angaben gemacht, erhalten die Veranstalter Post aus Zürich. Ignorieren sie die Aufforderung, nimmt die Suisa eine Schätzung vor – und kassiert eine Vergütung in doppelter Höhe.

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