In der Schweiz werden jährlich rund 190 Millionen CDs und DVDs entsorgt. Doch nur ein Drittel davon wird zu einer regulären Entsorgungsstelle gebracht, der grosse Rest landet im Abfall. Auch im Kanton Solothurn gelangen jährlich mehrere Millionen gebrauchte CDs und DVDs in den Kehricht. Dies obwohl der Kunststoff Polycarbonat, aus dem die Discs zu über 90 Prozent bestehen, im Recyclingprozess mit hoher Reinheit wiedergewonnen und wiederverwertet werden kann.

Gegen diesen Missstand wehrt sich SP-Kantonsrat Mathias Stricker aus Bettlach. Er reichte im Kantonsrat eine Interpellation zum Disc-Recycling ein. Der Regierungsrat ist nun gebeten, sich mit Fragen betreffend des Recyclingangebots im Kanton Solothurn zu befassen. «Die Verschwendung dieser wertvollen Ressourcen ist vermeidbar», so Stricker.

In seinem Verstoss kritisiert er die mangelnde Information der Bevölkerung über die Rückgabemöglichkeiten von CDs und DVDs und das Fehlen von spezifischen Sammelbehältern. «Beim Coop oder bei der Migros sind bereits solche Abgabestellen vorhanden. Doch ich glaube, dass ein Grossteil der Bevölkerung einfach nichts davon weiss.» Stricker weist weiter auf die kostspielige und CO2-intensive Herstellung der Discs hin. «Für eine Disc von 15 Gramm werden etwa 30 Gramm Erdöl benötigt.» Vom Ausbau des Recyclingangebotes würde er sich eine Senkung des CO2-Ausstosses und einen kleineren Erdölverbrauch erhoffen.

Denkanstoss für Kanton

Es besteht in Solothurn keine kantonale Vorgabe zum Disc-Recycling. «Die gesammelten Mengen sind zu klein und deren Umweltbelastung zu gering, als dass das CD- und DVD-Recycling unser drängendstes Problem wäre», sagt Martin Moser, Leiter der Abteilung Abfallwirtschaft im kantonalen Amt für Umwelt.

Wegen dieser zu geringen gesammelten Mengen existiert auch schweizweit zurzeit keine Disc-Recycling-Anlage. Die gesammelten Discs werden ins Ausland exportiert und dort wieder zu reinem Polycarbonat verarbeitet, das vielfältig weiterverwendet werden kann, zum Beispiel in der Medizintechnik. Das weiss auch Mathias Stricker: «Mit meinem Vorstoss möchte ich herausfiltern, was sinnvoll ist und was nicht.»

Für ihn sei die Schweiz allgemein ein Sammlerland- und Recyclingland. «Ich denke, eine grössere Aufmerksamkeit für CD- und DVD-Abgabestellen wäre eine gute Sache.» Ob für die Schweiz eine eigene Disc-Recycling-Anlage sinnvoll sei, kann Mathias Stricker jedoch nicht sagen. «Doch genau zu solchen Fragen möchte ich den Kanton und den Bund anregen.»