Denk- und Werkplatz

Auch für Kanton Solothurn ist der Innovationspark Biel von Bedeutung

VR-Präsident Thomas Gfeller (l.) und CEO Felix Kunz präsentierten die bereits aktive Innocampus AG in Biel.

VR-Präsident Thomas Gfeller (l.) und CEO Felix Kunz präsentierten die bereits aktive Innocampus AG in Biel.

Der Innovationspark in Biel ist ein Denk- und Werkplatz für die Industrie. Die Nähe zur Industrie unterscheidet den Standort Biel von den anderen. Und diese Nähe, ist auch eine Nähe zu der Solothurner Industrie.

Während in Bern Bundespräsident Johann Schneider-Ammann am Montag den offiziellen Startschuss für den Aufbau des Schweizerischen Innovationsparks mit fünf Standorten gab, wird in Biel bereits geforscht, entwickelt, erprobt und gefertigt.

Denn die Innocampus AG als Betreiberin des Bieler Standortes des nationalen Innovationsparks ist bereits seit 2014 aktiv. Auf 3D-Druckern werden Werkstücke in Titan, Alu und Stahl sowie in Kunststoff für den industriellen Einsatz und für die Medtechindustrie gefertigt.

Eine Druckeranlage ist sogar für die Serienproduktion eines Werkstückes im Einsatz. Gleichzeitig stehen modernste CNC-Bearbeitungszentren für die traditionelle Teilefertigung im Einsatz.

In weiteren Entwicklungs- und Forschungslabors wird am Design von Leiterplatten oder an der Umsetzung des neuen Industriestandards 4.0 getüftelt.

«Diese unmittelbare Nähe zur Industrie ist uns sehr wichtig», erklärte Felix Kunz auf dem gestrigen Rundgang durch die technische Denkfabrik.

Der Solothurner Tüftler, Unternehmer und Betreiber des Computermuseums Enter ist Mitgründer und CEO der Innocampus AG.

Die Palette der bereits eingemieteten Firmen reiche von Start-ups bis zu grossen gestandenen Firmen. Industriepartner seien unter anderen Georg Fischer, BKW oder Ruag.

Die Zahl der angesiedelten Arbeitsplätze im Innocampus sei seit der Gründung auf rund 100 gewachsen und werde sich bis Ende 2016 auf über 120 erhöhen.

«Wir als Betreibergesellschaft werden dannzumal zwölf Arbeitsplätze aufgebaut haben», so Kunz. Es seien bereits  Forschungsprojekte im Werte von zwei Millionen Franken eingegangen. 

«Hier sind Macher am Werk»

Die beschworene Nähe zur Industrie bezeichnete Thomas Gfeller, Präsident des Verwaltungsrates, als «Markenzeichen von Biel».

Während an den anderen vier Standorten in Dübendorf, Allschwil BL, Villigen AG und Lausanne die Grundlagenforschung im Vordergrund stehe, sei es in Biel die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung.

«Hier sind Macher am Werk, die auch mal in die Werkstatt gehen», sagte Gfeller. Eine weitere Spezialität sei die Ausrichtung nicht primär auf international tätige Grosskonzerne, sondern eher auf regionale Firmen.

«Wir sind als Denk- und Werkplatz für KMU in der Region tätig.» Man wolle dem regionalen Industrieumfeld die nötige Infrastruktur zur Verfügung stellen.

Sei doch ein Viertel aller Schweizer Industriearbeitsplätze in der Grossregion Biel angesiedelt. Forschungsschwerpunkte sind industrielle Fertigungsverfahren (3D, Industrie 4.0), Energiespeicherung sowie Medizinaltechnologie.

In dieser auf die Industrie ausgerichteten Tätigkeit liegt denn auch der Hauptgrund dafür, dass sich der Kanton Solothurn am Aktienkapital der Innocampus AG beteiligt hat (siehe Kasten unten).

Rund 85 Prozent wird durch Unternehmen getragen, darunter auch Solothurner Firmen wie die Arthur Flury AG in Deitingen oder die Fraisa AG in Bellach.

Fraisa-Chef Josef Maushart kann sich vorstellen, «längerfristig ein eigenes Forschungsteam nach Biel auszulagern», erklärte er im November gegenüber dieser Zeitung.

Gerade Themen wie der 3D-Druck oder Fertigungskonzepte seien in einer echten Forschungsstätte besser aufgehoben.

Neubau für 45 Millionen

Dass das Bedürfnis nach einem Denk- und Werkplatz gross ist, zeigen auf dem Rundgang die engen Platzverhältnisse, alles sieht noch etwas provisorisch aus.

Dem soll bald Abhilfe geschafft werden. Denn vis-à-vis des heutigen Standortes, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs, ist ein Neubau mit einer Nutzfläche von 14 000 Quadratmeter geplant.

Dieser soll 2019 zur Verfügung stehen, so Felix Kunz. Bis 2026 soll der gesamte Neubau vermietet sein.

Die Finanzierung der Investition von 45 Millionen Franken erfolge über einen Investitionsbeitrag vom Kanton Bern, ein Darlehen im rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) und über Fremdfinanzierung.

Ertragsquellen des Innovationsparks Biel seien die Vermietung, der Verkauf von Forschung und Dienstleistungen. «Ab 2022 wollen wir ohne Aufbaubeiträge des Kantons Bern selbsttragend funktionieren», blickte Kunz optimistisch nach vorne.

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