Genossenschaft
Auch die Vebo spürt die raue Wirtschaftslage

Die Eingliederungsstätte Vebo darf künftig auch Niederlassungen erwerben – und gar Arbeitsplätze ins Ausland verlagern?

Urs Amacher
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Die Vebo in Oensingen.

Die Vebo in Oensingen.

Bruno Kissling

Im vergangenen Geschäftsjahr ging die raue Wirtschaftslage auch an der Genossenschaft Vebo nicht spurlos vorüber. Die Eingliederungsstätte für Menschen mit Behinderung musste einen Rückschlag von einer Million Franken in Kauf nehmen, wie Direktor Gilbert Giger an der 51. ordentlichen Generalversammlung in Oensingen sagte. Um 37 Personen hingegen nahm die Zahl der Mitarbeitenden zu.

An den verschiedenen Standorten arbeiten 1666 Personen, entsprechend 1400 Vollzeitstellen. Am Standort Olten wird die Werkstatt Tannwaldstrasse aufgegeben. Sie ist die erste Vebo-Werkstatt aus dem Jahre 1967. Im Projektwettbewerb hat sich der neue Standort an der Haslistrasse 32 durchgesetzt, um den 200 Mitarbeitenden die nötige Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Vor den 279 anwesenden Stimmberechtigten wickelte Verwaltungsratspräsident Martin Plüss die Geschäfte der Generalversammlung zügig ab.

Änderung sorgt für Diskussion

Die Versammlung genehmigte eine Statutenänderung, die für Diskussionen sorgte. Diese betraf im Zweckartikel die Aufzählung der Geschäfte, welche die Genossenschaft tätigen kann. Zum bisherigen Recht, Liegenschaften zu erwerben und zu veräussern, kommt neu «die Errichtung von Zweigniederlassungen in In- und Ausland sowie die Beteiligung an beziehungsweise das Erwerben von anderen Gesellschaften» hinzu.

Die Frage aus dem Publikum, ob nun auch die Vebo ihre Arbeitsplätze ins Ausland verlagern wolle, verneinte Präsident Plüss vehement. Hintergrund sei das Leitbild der Vebo, in welchem die anzustrebenden Werte durch den Begriff der Inklusion erweitert worden ist. Inklusion ist mehr als Integration, sie umfasst vielmehr die gleichberechtigte und selbstbestimmte Teilhabe der Menschen mit Behinderungen am alltäglichen Leben; sie sollen wie selbstverständlich dazugehören.

Mit der Errichtung von Zweigniederlassungen sei gedacht, dass die Vebo Firmen im offenen Arbeitsmarkt übernimmt und beispielsweise einen Coiffeurladen oder ein Restaurant erwirbt. Mit dem Zweckartikel der Vebo lassen sich jedoch nur Arbeitsplätze im Inland vereinbaren, betonte Plüss. Die Statutenänderung fand bei 6 Gegenstimmen und 11 Enthaltungen grossmehrheitlich die Zustimmung der Genossenschaft.

Die langjährige Verwaltungsrätin Christine Mutti hatte aus gesundheitlichen Gründen ihren Rücktritt erklärt. VR-Präsident Martin Plüss würdigte das Engagement der Demissionierenden. Als Mutter von zwei behinderten Söhnen kenne sie die Anliegen der Behinderten und deren Angehörigen bestens. Gleichzeitig wurde der Verwaltungsrat (VR) um einen Sitz vergrössert.

Die Versammlung wählte deshalb Peter Caccivio und Patrick Fluri einstimmig als neue Mitglieder ins Leitungsgremium. Caccivio, Betriebsökonom aus Derendingen, ist als Personalentwickler tätig. Fluri, ETH-Ingenieur, führt ein eigenes Informatikunternehmen in Matzendorf. Die weiteren VR-Mitglieder wurden im Amt bestätigt.

Der aktuelle Verwaltungsrat der Vebo-Genossenschaft (v. l.): Peter Caccivio, Patrick Fluri, Aloysia Sieber (Vizepräsidentin), Gilbert Giger (Direktor), Martin Plüss (Präsident), Daniel Thommen und Verena Büttiker-Huggel.

Der aktuelle Verwaltungsrat der Vebo-Genossenschaft (v. l.): Peter Caccivio, Patrick Fluri, Aloysia Sieber (Vizepräsidentin), Gilbert Giger (Direktor), Martin Plüss (Präsident), Daniel Thommen und Verena Büttiker-Huggel.

Urs Amacher

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