Wahlen 2015

Auch die Bauern verlieren «ihren» Sitz im Nationalrat - «Fuder war überladen»

Das Bild täuscht. Zu lachen hatten die Solothurner Bauern am Sonntag nichts. Ihr Sitz ging verloren.

Das Bild täuscht. Zu lachen hatten die Solothurner Bauern am Sonntag nichts. Ihr Sitz ging verloren.

Mit der CVP haben auch die Solothurner Bauern am Sonntag «ihren» Sitz im Nationalrat verloren. Für Bauernsekretär Peter Brügger kommt das nicht ganz überraschend. Er sieht auch ein Versäumnis bei den Bauern selbst.

Sie hatten jahrzehntelang quasi das Recht auf einen Nationalratssitz: Die Liste der Solothurner Bauern im Nationalrat ist lang: Elvira Bader (CVP, Mümliswil), Christian Wanner (FDP, Messen), Paul Jäggi (CVP, Hüniken), Bauernsekretär Urs Nussbaumer (CVP, Riedholz) gehören in jüngerer Vergangenheit dazu.

Doch am Sonntag hat die Tradition einen Bruch erhalten. Der Deitinger Landwirt Urs Schläfli ist abgewählt worden.

Peter Brügger, erstmals seit Langem sitzt kein Solothurner Bauer mehr im Nationalrat. Was ist passiert?

Peter Brügger (lacht): Die Wähler haben einfach gewählt. Voilà. Wahlen sind unberechenbar. Aber es war eine schwierige Ausgangslage, indem die Sitzzahl des Kantons von 7 auf 6 Sitze verringert wurde. Niemand wusste im Vorfeld, wie es herauskommt.

Aber die Sitzreduktion genügt als Erklärung nicht. Es ist doch offensichtlich, wie wenig Stimmen die Bauern dieses Mal erhalten haben. Warum?

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft ist auch bei den Wahlen spürbar. Der Anteil der landwirtschaftlich Tätigen an der Bevölkerung hat massiv abgenommen. Zwischen 2,5 und 3 Prozent der Schweizer sind im engeren Sinn landwirtschaftlich tätig. Um einen Sitz zu erreichen braucht es aber 16 Prozent. Da braucht es einen verdammt grossen Multiplikator. Vielleicht hat die erste Generation der früher landwirtschaftlich Tätigen noch bäuerlich gewählt, irgendwann endet das aber.

Erstaunlich ist doch: Es hätte genügend Bauern gehabt: FDP, BDP, CVP, SVP 60+ und sogar SP traten mit Bauern an.

Vielleicht ist gerade dies ein Problem. Es hat neun bäuerliche Kandidaten gehabt für sechs Sitze. Da war das Fuder überladen. Im Endeffekt haben sich die bäuerlichen Stimmen so zu stark aufgeteilt. Ein bäuerlicher Vertreter, egal von welcher Partei, wird nur dank den Panaschierstimmen aus anderen Parteien gewählt. Mit neun Kandidaten haben sich die Bauernstimmen zu stark verteilt. Pro Partei sollte höchstens ein Bauer antreten.

Die SVP hat auch in den ländlichen Bezirken gewonnen. Haben die Bauern ihre traditionellen Parteien verloren und wählen einfach SVP, auch wenn dort kein Bauer auf der Hauptliste stand?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich sehe nicht in die Wähler hinein. Ich stelle aber fest, dass der ländliche Raum stark SVP wählt und Wähler von der CVP und der FDP hinüberwechseln. Ob darunter aber überdurchschnittlich viele Bauern sind, kann ich nicht sagen.

Noch bevor der definitive Ausgang der Wahlen bekannt war, war klar: Urs Schläfli wird nicht wiedergewählt.

Noch bevor der definitive Ausgang der Wahlen bekannt war, war klar: Urs Schläfli wird nicht wiedergewählt.

Hilft das neue, eher rechts eingestellte Parlament den Bauern oder nicht?

Fragen Sie mich das in vier Jahren wieder. Ich kann das jetzt noch nicht beurteilen. Denn vor den Wahlen hat ja bekanntlich fast jeder Kandidat bäuerliche Wurzeln und ein wenig Mist am Absatz. Aber was dann in den Sachgeschäften entschieden wird, werden wir erst noch sehen.

Sie sind selber FDP-Politiker. Ist das trotz des Wirtschaftsflügels noch eine Partei, in der sich auch Bauern wohlfühlen können?

Durchaus. Sonst wäre ich nicht dort. Auch die Landwirtschaft ist Teil der Wirtschaft. Wir haben viele gleichgelagerte Interessen, auch wenn es manchmal Unterschiede gibt. Aber auch andere Branchen wie die Chemie haben manchmal abweichende Bedürfnisse. Das ist ein Teil von Wirtschaft und Wettbewerb. Das habe ich Ihnen jetzt aber als FDP-Politiker gesagt. Als Bauernsekretär bin ich parteipolitisch neutral.

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