Das Ziel jedes Milizparlaments müsste es sein, die Bevölkerung möglichst ausgewogen abzubilden. Gelingt dies beim Alter und auch den Berufen der Mandatsträger einigermassen, so sind die Frauen – immer noch – stark untervertreten. Im Solothurner Kantonsrat politisieren derzeit gerade mal 26 Frauen. In der kommenden Legislatur dürften es etwa gleich viel sein. So beträgt der Frauenanteil auf den Kandidatenlisten der Parteien gut 29 Prozent, vor vier Jahren lag er mit 30 Prozent leicht höher. Bei den Kantonsratswahlen 2001 betrug der Anteil der Kandidatinnen 24,7 Prozent und 2005 lag er bei 28 Prozent.

Beinahe ausgeglichen präsentieren sich die Listen der Grünen – 34 Männer stehen hier 31 Frauen gegenüber. Und dies ohne eine Vorgabe von Quoten. «Die Art der Kommunikation innerhalb der Partei erleichtert es Frauen, sich bei uns zu engagieren», beobachtet Co-Präsidentin Brigit Wyss.

CVP und FDP schliessen auf

Neben den Grünen kandidieren auch bei der SP traditionell eher viele Frauen – diesmal ist es exakt ein Drittel, nämlich 31 von 93 Kandidierenden. «Wir sind damit bei den Frauen, auch wenn wir uns noch einen höheren Anteil wünschen würden», sagt SP-Parteipräsidentin Franziska Roth. Rund 30 Prozent beträgt der Frauenanteil bei der EVP: «Frauen sind bei uns vor allem an der Basis stark vertreten», hält EVP-Kantonsrat René Steiner fest.

Verhältnismässig hoch ist der Kandidatinnen-Anteil auch bei der CVP und der FDP. Bei der CVP liegt der Anteil bei 29,5 Prozent und bei der FDP bei 28 Prozent. Zufrieden geben sich damit aber weder die CVP noch die FDP. «Wir beobachten, dass viele Frauen wieder in den Beruf einsteigen, was sehr zu begrüssen ist», betont FDP-Vizepräsidentin Marianne Meister. «Neben Beruf und Familie bleibt für viele aber kein Platz mehr für die Politik.» Und Sandra Kolly, Vorstandsmitglied der CVP, stellt fest: «Frauen trauen sich die Politik oft einfach nicht zu.» Auf knapp 20 Prozent beläuft sich der Frauenanteil bei der GLP, wo 38 Männern 9 Frauen gegenüberstehen. «Das ist für mich ein Tiefschlag», gesteht Wahlkampfleiterin Irene Froelicher. Einen Grund ortet sie in den eher technisch ausgerichteten Themen der GLP. Bei der BDP kommen auf 16 Kandidaten nur 3 Frauen. Parteipräsident Markus Dietschi erklärt sich dies damit, dass sich die Partei erst noch etablieren muss. Pragmatisch sieht SVP-Parteipräsidentin Colette Adam den Frauenanteil von gerade mal 14 Prozent: «Wichtig ist, dass wir gute Kandidaten haben, egal, ob Frau oder Mann.»