Initiative Atomausstieg
Atomausstieg ist «überfällig und machbar»

Eine «breit abgestützte Solothurner Allianz» präsentierte am Montag ihre Argumente für die Annahme der Volksinitiative zum Atomausstieg.

Franz Schaible
Merken
Drucken
Teilen
Die Solothurner Allianz «Atomausstieg»

Die Solothurner Allianz «Atomausstieg»

zvg/ Corinne Hodel

Würde derzeit über die Atomausstiegsinitiative abgestimmt, gäbe es ein Ja. Laut einer Umfrage des Forschungsinstituts gfs.Bern sind – fünf Wochen vor der Abstimmung – 57 Prozent der Stimmenden bestimmt oder eher dafür. Trotz diesem erfreulichen Resultat bleibe man aktiv, sagte Philip Hadorn am Montag.

Der SP-Nationalrat und Präsident der Solothurner Sektion des Vereins «Nie wieder Atomkraftwerke» informierte an der Medienkonferenz der Solothurner Allianz «Atomausstieg» über nationale und regionale Aktionen zur Unterstützung der Volksinitiative für den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie.

Eine breite Allianz aus «Umweltverbänden, fortschrittlichen Parteien und innovativen Unternehmen» setze sich für den Ausstieg ein: «Dieser ist überfällig, machbar und schafft Arbeitsplätze.»

«Eine Wirtschaftsinitiative»

«Es ist nicht nur eine Umweltschutz-Initiative, sondern vorab eine Wirtschaftsinitiative», sagte Daniel Sägesser, Mitglied der Geschäftsleitung der Deitinger Solarmodulherstellerin Megasol AG. Die Energiewirtschaft verbrenne viel Geld in einem veralteten AKW-Park statt es sinnvoll in die Zukunft zu investieren.

Würde das Geld statt in AKW-Verluste in die Förderung von inländischen Photovoltaik-Anlagen fliessen, wären im 2029 sämtliche Schweizer AKWs durch Solaranlagen ersetzt. Die Förderung würde ferner zusätzlich rund 26 Milliarden Franken Privatinvestitionen auslösen, welche primär lokalen KMU zuflössen, behauptet Sägesser.

Für Brigit Wyss, Gemeinde- und Kantonsrätin der Grünen, findet die Energiezukunft ohne Atomenergie statt. Darüber seien sich Bundesrat und Parlament einig. «Es braucht aber einen verbindlichen Zeitrahmen.»

Verbindliche Zielsetzungen würden der Bevölkerung und der Wirtschaft helfen, sich rechtzeitig auf die neue Energiestrategie einzustellen. Deshalb hätten die Grünen die Atomausstiegsinitiative seinerzeit lanciert. Sie sieht vor, dass die Schweizer AKW spätestens nach 45 Betriebsjahren gestaffelt abgeschaltet werden.

Demnach müssten Beznau I und II sowie Mühleberg 2017, Gösgen 2024 und Leibstadt 2029 vom Netz genommen werden. Wyss: «Die Initiative ist keine Hauruck-Übung, sondern der Auftakt in eine sichere und saubere Energiezukunft.»

Die Behauptung der Gegner, bei einem Ja zur Initiative müsse dreckiger Kohlestrom importiert werden und es dürfe weder warm geduscht noch Cervelats grilliert werden, sei «pure Angstmacherei», meinte Nicole Hirt, GLP-Kantonsrätin und Präsidentin Pro Natura Solothurn. Dasselbe gelte für das Argument der Stromlücke. In Europa gebe es eine Stromschwemme, weil die erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch seien.

Die Schweiz habe es politisch in der Hand, die Versorgung so zu steuern, dass Dreckstrom unattraktiver und erneuerbare Quellen attraktiver seien, ergänzte Felix Wettstein, Kantonsrat und Präsident Grüne Kanton Solothurn.

Erstens sei die Wasserkraft ein grosses Pfand. Diese erneuerbare Energie werde wieder marktfähiger, wenn der konkurrenzierende Atomstrom wegfalle. Zweitens würden die hierzulande geschaffenen Kapazitäten mit Sonne- und Windkraftanlagen bereits eines der ältesten AKW ersetzen. Zudem würden sich Schweizer Energieversorger schon heute im grossen Stil an erneuerbaren Produktionen im Ausland beteiligen.

Deren Lieferkapazität entspreche den beiden anderen alten AKWs. Fazit: «Wenn ein Jahr nach Zustimmung zur Initiative durch die Bevölkerung Beznau I und II sowie Mühleberg vom Netz genommen werden, dann sind die sauberen Alternativen bereits in Betrieb.»

Solarenergie für Mobilität

Auch die Mobilität brauche keine Atomkraft, sagte Heinz Flück, Co-Präsident des VCS Solothurn. «Der zusätzliche Strombedarf der Elektromobilität kann mit erneuerbarer Energie gedeckt werden.» Besonders geeignet sei die Solarenergie, diese könne in den Batterien der Fahrzeuge gespeichert werden.

Selbst die SBB fuhren bereits heute mit 90 Prozent Wasserkraft und würden bis 2025 ganz umsteigen. Auf die Risiken und das Problem der Endlagerung wiesen Samuel Röösli, Co-Präsident Junge Grüne Solothurn und Elsbeth Wirth-Wyss, Präsidentin WWF Solothurn, hin. «Die AKWs haben das gefährliche Potenzial, Teile der Schweiz für lange Zeit unbewohnbar zu machen.» Und die Lösung für die Endlagerung liege noch in weiter Ferne.