Amtsgericht
Asylbewerber vergewaltigte seine Wohltäterin brutal im Wald

Das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt verurteilt einen Libyer zu einer Gefängnisstrafe und Landesverweisung. Er hatte seine Wohltäterin vergewaltigt.

Ornella Miller
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Der Mann hatte im Wald mit einer Pistole gedroht. (Symbolbild)

Der Mann hatte im Wald mit einer Pistole gedroht. (Symbolbild)

Keystone

Ein libyscher Asylbewerber (Status N) vergewaltigte letzten Sommer in einem Waldstück seine Wohltäterin und wurde nun vom Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt bestraft. «Er missbrauchte meine Gutmütigkeit. Für ihn habe ich so viel getan, viel mehr als für andere», sagte Carol M.* an der Verhandlung. Seit 25 Jahren unterstützt sie ehrenamtlich als Privatperson Asylsuchende. Bisher habe sie noch nie negative Erlebnisse gehabt.

Sie half Kais U.* mehr als anderen, weil der sich schnell habe integrieren wollen. Sie gab ihm immer wieder Geld. Er habe es ihr zurückzahlen wollen, wenn er einen Job habe. Letzten Juli, drei Wochen nachdem Kais seine Wohnung verloren hatte, tauchte er vor Carols Tür auf. «Der Tag begann komisch»,
erzählte sie, « er rief x-mal an, sagte, er müsse mich sehen.»

Am Mittag sei bei ihr zu Hause erschienen. Er habe ihr gesagt, dass er nun Geld habe, um es ihr zu geben, es aber nicht bei sich trage, sie müsse ihn in eine andere Gemeinde fahren. Das habe ihr eingeleuchtet, so fuhren sie los. Als sie in einem Wald anhielten, stieg er aus, lief ums Auto herum und bedrohte sie mit einer Pistole. Der damals 38-Jährige forderte den Schlüssel. Sie war perplex. «Was soll das?» erzählte sie weiter, «er hatte einen Ausdruck im Gesicht, wie ich ihn noch nie bei ihm gesehen habe.» Sie stieg aus und ging davon, «einfach weg von diesem Ort.»

Zu Boden geworfen und vergewaltigt

Kais fuhr das Auto etwas weiter und parkierte. Dann holte er sie ein, hielt ihr die Pistole an den Rücken und lotste sie zu einer Waldlichtung. «Ich dachte immer noch, dort sei das Geld.» Er befahl der fast 30 Jahre Älteren, sich auszuziehen.

Als sie sich weigerte, drohte er, sie und sich selbst zu erschiessen. Er riss ihr auch Kleider weg, stiess sie zu Boden, fuchtelte mit der Waffe in der Hand herum und sagte, dass er sie liebe. Carol wehrte sich und bat ihn, die Waffe wegzulegen. Er drang gewaltsam in sie ein, obwohl sie im deutlich machte, dass es ihr wehtat. Nach 20 Minuten erlahmte seine Erektion, er hörte ohne Orgasmus auf und suchte nach einer Zigarette. Sie dachte, jetzt könne sie fortgehen. Doch Kais probierte – erfolglos – wieder in sie einzudringen. Ihr gelang es, Autoschlüssel und Kleider zu nehmen. Sie stieg ins Auto, er setzte sich daneben. Auf der Heimfahrt sagte er ihr, dass sie jetzt seine Frau sei und er fortan jedes Wochenende zu ihr kommen werde und Sex mit ihr haben werde.

Carol hatte Kais an ihrer Arbeitsstelle bei einer Gemeindeverwaltung kennen gelernt. Der Mann sei seit Anfang 2019 immer fordernder geworden. Ihr gehe es nicht so gut, sie versuche, zu vergessen. «Man kann das nicht einfach wegstecken.» Doch: «Ich konnte annehmen, was mir passiert ist.» Auch dank therapeutisch tätiger Freundinnen und Meditation. Kais «Verantwortungslosigkeit» beschäftige sie. Sie denke an junge Frauen, die noch Schlimmeres erlebt hätten. Sie prozessiere auch für all jene, die das nicht tun. «Die Art, wie er vorgegangen ist, kann nicht unbeantwortet bleiben.» Diesen Wald meide und umfahre sie noch immer. Und sie habe nun einen Waschzwang.

Die Waffe nahm im Prozess grossen Raum ein. Ein Kantonspolizist brachte Faustfeuerwaffen vorbei und referierte darüber. Carol gab ausführlich Auskunft, nannte auch viele Details. Zudem entlastete sie Kais auch. Und suchte gar «Fehler» bei sich: «Ich gab ihm zu weit nach. So kam ich in eine Art Abhängigkeit hinein, sodass ich nicht sagen konnte: Fertig, weil ich ja darauf hoffte, das Geld wiederzuerhalten.»

Waffeneinsatz für Gericht nicht erwiesen

Die Plädoyers wurden wegen der Coronakrise nicht vorgetragen, nur die Anträge. Staatsanwältin Petra Grogg forderte sieben Jahre und zwei Monate Haft sowie zwölf Jahre Landesverweis. Die Vertreterin der Privatklägerin, Stephanie Selig, verlangte volle Haftungspflicht und eine Genugtuung von 15'000 Franken. Verteidiger Reto Gasser trat für einen kompletten Freispruch ein. Kais verweigerte jegliche Aussage. Nur beim letzten Wort sagte er knapp: «Ich hatte keinen Orgasmus und Sie haben keinen Beweis für die Pistole.»

Das Gericht mit Ueli Kölliker, Stephen Vögeli und Seraina Sasso verurteilte Kais zu vier Jahren und neun Monaten Gefängnis, zehn Jahren Landesverweis, 100-prozentiger Haftpflicht und 15'000 Franken Genugtuung. Das Gericht erkannte auf einfache, nicht mehrfache Vergewaltigung – ohne gefährlichen Gegenstand. Die Waffe, die man nie fand, hätte auch eine Imitation sein können. Kölliker befand, Carols Aussagen seien glaubhaft und authentisch, so was habe er in seiner Richterkarriere noch nie erlebt.

Namen geändert.

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