Allein reisende, junge Männer, die körperlich voll im Saft stehen und anpacken können. Davon leben in der ehemaligen Villa Schläfli in Selzach einige. 70 Personen sind in diesem Asylzentrum, das seit März 2011 wieder in Betrieb ist, untergebracht. «Darunter viele Männer ohne Familie, die Zeit, Lust und die Kapazität haben, zusätzliche Arbeiten zu übernehmen», sagt Claudia Hänzi, Abteilungsleiterin Sozialleistungen und Existenzsicherung im kantonalen Amt für soziale Sicherheit. Deshalb hat man sich dafür entschieden, den Asylbewerbern in Selzach zu den täglichen Arbeiten in der Unterkunft zusätzliche Arbeiten anzubieten. Derzeit wischen sie regelmässig den Boden in der SBB-Unterführung und fegen die Wände herunter.

Die Firma ORS Service AG, welche die Asylsuchenden im Auftrag des Kantons Solothurn betreut, sucht in der Gemeinde nach weiteren Beschäftigungsmöglichkeiten. Meist sind es Arbeiten, die vom Werkhof aus Kapazitätsgründen nicht erledigt werden können. Voraussetzung ist, dass das Gewerbe nicht konkurrenziert wird. «Solche Aufträge lehnen wir ab», sagt Claudia Hänzi.

Zustupf zum Taggeld

Mit den Arbeiten können sich die Asylsuchenden ein Zubrot verdienen. Für eine Beschäftigung, die über eine Woche zuverlässig geleistet wird, erhält eine Person 28 Franken. Für kleinere und einmalige Einsätze gibt es 5 Franken pro Stunde. Ein Nebeneffekt sei, dass die Männer so eher sinnstiftende Tage verbringen können und am Abend früher erschöpft sind. «So kann das Aggressionspotenzial im Durchgangszentrum gesenkt werden», sagt Claudia Hänzi.

Anfang Jahr wurde in Selzach eine Zunahme von Autoaufbrüchen und Einschleichdiebstählen registriert, wie Gemeindepräsident Viktor Stüdeli bestätigt. Weil die Dorfbevölkerung verunsichert war, hatte sich Stüdeli mit der ORS und Vertretern des Kantons an einen Tisch gesetzt. Allerdings relativiert der Gemeindepräsident die erhöhte Kriminalitätsrate. «Seit einigen Wochen ist es wieder ruhig in Selzach». Stüdeli will die Situation nicht dramatisieren und die Fälle nicht pauschal den Asylsuchenden in die Schuhe schieben. Banden würden die Situation ausnützen, weil sie wüssten, dass die Bewohner des Durchgangszentrums schnell als Sündenböcke abgestempelt würden. Ausserdem, so Stüdeli, könne die Bevölkerung präventiv handeln, indem Autos und Wohnungstüren abgeschlossen würden.

Beschäftigung auch anderswo

Claudia Hänzi hält fest, dass das Beschäftigungsprogramm nicht mit den unangenehmen Fällen von Anfang Jahr in Verbindung steht. Auch in den anderen kantonalen Durchgangszentren auf dem Balmberg und in Oberbuchsiten müssen die Bewohner kleinere Aufgaben übernehmen, etwa in der Wäscherei oder im Reinigungsdienst. In Selzach würde die Zusammenarbeit mit der Gemeinde nun aber verstärkt, um erste Erfahrungen mit Beschäftigungsmöglichkeiten ausserhalb des Zentrums zu sammeln.

Sollten die Erfahrungen positiv sein, werde dieses Modell auf beide Zentren ausgeweitet, wie Claudia Hänzi festhält. Weiterreichende Arbeiten, etwa im Auftrag von Firmen, lassen die gesetzlichen Bestimmungen aber an beiden Standorten nicht zu. Anders als in der Regiomech in Zuchwil: Dort können vorläufig aufgenommene Personen und Flüchtlinge im Auftrag des Kantons Ausbildungen und Qualifizierungsprogramme absolvieren und bei Bedarf in die freie Wirtschaft vermittelt werden.