«Chlöpfibeerimoos»
Asylbewerber packen an: Wenn Musik im Moor erschallt

Jugendliche Asylbewerber helfen fleissig mit, das «Chlöpfibeerimoos» von Ästen und kleinen Bäumen zu befreien.

Rahel Meier
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Schüler der Integrationsklasse und Asylbewerber arbeiten im Chlöpfibeerimoos
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So kann sich das abgestorbene Schilf sich nicht anhäufen und die darunter verborgene Moorvegetation erstickt nicht. Asylbewerber und eine Integrationsklasse der Berufsschule arbeiten im Chlöpfibeerimoos
Die Schüler der Integrationsklasse arbeiten im östlichen Teil des «Chlöpfibeerimoos»
Auch Spass muss sein: Wer schafft es über den Bach ohne nasse Füsse zu kriegen? Asylbewerber und eine Integrationsklasse der Berufsschule arbeiten im Chlöpfibeerimoos
Die Schüler der Integrationsklasse arbeiten im östlichen Teil des «Chlöpfibeerimoos»
Die Schüler der Integrationsklasse arbeiten im östlichen Teil des «Chlöpfibeerimoos»
Auch Spass muss mal sein
Die Äste müssen von Hand aufgelesen werden.
Die Jugendlichen sind beim grössten Arbeitseinsatz der im Chlöpfibeerimoos stattfand dabei.

Schüler der Integrationsklasse und Asylbewerber arbeiten im Chlöpfibeerimoos

«Das ist der grösste Arbeitseinsatz, der je im Chlöpfibeerimoos stattfand.» Jonas Lüthy (Amt für Raumplanung, Betreuer der kantonalen Naturreservate) freut sich sichtlich. Fast 50 Leute waren in dieser Woche gleichzeitig vor Ort und entfernten Äste, kleinere Bäume und Baumstrünke. Seit drei Jahren wird das «Chlöpfibeerimoos» jeden Spätherbst abgemäht. «So kann sich das abgestorbene Schilf nicht anhäufen. Darunter würde sonst die wertvolle Moorvegetation ersticken. Das Schilf hat sich erst in jüngster Zeit stark ausgedehnt und bedroht die ursprüngliche Artenvielfalt.»

Diese Pflegearbeit übernehmen seit einigen Jahren Bauern aus Etziken und aus Aeschi im Auftrag des Kantons. «Wenn sie mit ihrer alljährlichen Feldarbeit fertig sind, dann kommen sie mit Heugabeln und ihren Motorsägessen ins Moos, mähen und räumen das Schnittgut weg. Sie machen diese aufwendige Arbeit sehr schonend und gründlich. Für die Bauern war es mindestens beim ersten Mal auch eine ganz neue Erfahrung. Alle kannten das ‹Chlöpfibeerimoos›, aber keiner hatte es je vorher betreten.» Teilweise hätten die Landwirte das «Chlöpfibeeri», das dem Ort seinen Namen gibt, so zum ersten Mal überhaupt gesehen.

Heuer wäre das Mähen für die Bauern kaum möglich gewesen. Wegen des Sanierungsprojektes (wir berichteten mehrmals) wurde stark ausgeholzt. Die Forstbetriebe, die die Arbeit ausführten, haben auftragsgemäss nur die grossen Bäume entfernt. Alles, was dünner als 14 Zentimeter Durchmesser ist, liessen sie aber liegen. Viele grosse und kleine Äste sowie kleinere Bäumchen müssen deshalb von Hand zusammengelesen werden. Diese wären sonst beim Mähen überall im Weg.

Alles Handarbeit

Die kantonalen Behörden sind darum froh um die vielen helfenden Hände, die die Ästchen, aber auch grössere Äste aus dem Moorgebiet wegräumen. Schon seit einigen Jahren hat die Abteilung Natur und Landschaft einen Vertrag mit der ORS Service AG, die wiederum im Auftrag des Kantons Flüchtlinge betreut. Bei den ersten Aufträgen ging es um die Bekämpfung der Neophyten und um Anti-Littering, heute werden durch die Programme eine Vielzahl an Massnahmen im Naturschutz durchgeführt. «Wir gehen dabei immer eine Gratwanderung. Denn wir dürfen niemandem Arbeit wegnehmen», so Lüthy.

Motivation als Ziel

Thomas Jost ist zusammen mit einer Gruppe von unbegleiteten minderjährigen Personen aus dem Asylbereich zwischen 16 und 18 Jahren im «Chlöpfibeerimoos» an der Arbeit. «Wir sind verantwortlich für die Betreuung, die Beschäftigung und die Deutschkurse für die Asylbewerber», erklärt er. Die Jugendlichen werden mit dem Jugendprogramm Arbeit für MNA (Mineurs Non Accompagnés) in der kantonalen Unterbringungsphase auf anschliessende Integrationsprogramme vorbereitet.

«Arbeitseinsätze wie hier in Aeschi sollen die Jugendlichen motivieren und ihnen die Natur in der Schweiz näherbringen.» Nicht alle würden mit gleicher Begeisterung mithelfen. «Bei einigen ist schon ein Ziel erreicht, wenn sie überhaupt mit zur Arbeit kommen.» Die meisten jugendlichen Flüchtlinge in Aeschi sind aber motiviert dabei und helfen nach bestem Wissen und Gewissen und haben auch gemeinsam Spass.

Etwas anders ist die Situation bei den beiden Integrationsklassen des BBZ (Berufsbildungszentrum Olten/Solothurn), die ebenfalls mithelfen. Sie haben die ersten Hürden des Einlebens in der Schweiz bereits hinter sich, können mindestens einige Worte Deutsch. «Wir haben schon vor einigen Jahren einen Arbeitseinsatz für den Kanton ausgeführt und hatten die Idee, dass dies wieder mal Sinn machen würde», erklärt Lehrer Jürg Mollet. Ziel des Integrationsjahres ist die berufliche Eingliederung, deshalb werden Möglichkeiten, den Arbeitsalltag in der Praxis kennen zu lernen, gerne wahrgenommen. Die meisten von ihnen werden später in eine berufliche Grundbildung einsteigen.

Vor Ort ist deutlich spürbar, dass die Integrationsschülerinnen und -schüler schon etwas länger in der Schweiz sind. Sie scherzen miteinander, hören teilweise für Schweizer Ohren fremdartige Musik, lachen viel und helfen einander. Und viele grüssen Thomas Jost, der einen Teil von ihnen vor noch nicht allzu lange Zeit in der ersten Phase der Integration betreute.

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