Solothurn
Ascom-Abteilung kehrt zurück – mit 45 Arbeitsplätzen

Vor sechs Jahren verlagerte Ascom die Abteilung «Civil Security» von Solothurn nach Bern. Jetzt ist der Bereich unter dem Namen Sitasys AG als unabhängige Firma wieder in der Region angesiedelt. Mit 45 hoch qualifizierten Mitarbeitern.

Franz Schaible
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Peter Monte führt die unabhängige Softwarefirma Sitasys AG seit deren Gründung vor zwei Jahren.

Peter Monte führt die unabhängige Softwarefirma Sitasys AG seit deren Gründung vor zwei Jahren.

Hanspeter Bärtschi

Das ist ein Glücksfall für den Wirtschaftsstandort Solothurn. Die Softwarefirma Sitasys AG hat ihren Sitz von Bern nach Langendorf verlegt. Damit erhält die Gemeinde rund 45 hoch qualifizierte Arbeitsplätze, wie Sitasys-Chef Peter Monte erklärt. Angesiedelt sind diese in einer modernen Bürolandschaft in einem Gewerbehaus.

Ascom: Auf- und abstieg eines Schweizer Giganten

Der Telekommunikationskonzern Ascom – 1987 entstanden aus dem Zusammenschluss von Autophon Solothurn, Hasler Bern und Zellweger Uster – zählte zu Beginn weltweit über 14 000 Angestellte, davon 11 300 in der Schweiz. Allein in Solothurn waren es 2000 Arbeitsplätze, im Kanton Bern über 6000. Heute besteht Ascom noch aus zwei Divisionen: Wireless Solution konzentriert sich auf die drahtlose Kommunikation für Spitäler, Heime oder Hotels. Network Testing konzentriert sich auf das Testen von Mobilfunknetzen. Ascom beschäftigt heute nach eigenen Angaben in der Schweiz noch knapp 100 Angestellte, davon rund 50 in Mägenwil, 10 in Lausanne, gut 20 in Solothurn und 15 in Baar am Holding- und Konzernsitz. Weltweit zählt die Belegschaft rund 1600 Mitarbeitende. Aber längst nicht alle Arbeitsplätze sind verschwunden. Viele Aktivitäten werden weitergeführt, aber unter anderen Namen und Eigentümern. Wie zum Beispiel eben die Sitasys AG in Langendorf. (FS)

Darüber hinaus hat die Neuansiedlung einen ganz speziellen Charakter. Denn es handelt sich um einen ehemaligen Bereich des Telekomzulieferers Ascom, welcher 2008 von Solothurn in die Bodenweid nach Bern verlagert wurde. Jetzt kehrt die Abteilung also in neuer Form zurück. Erst möglich gemacht hat dies Fritz Gantert. Der frühere Ascom-Manager und Investor hat nämlich im Sommer 2012 den Bereich «Civil Security» (zivile Sicherheitstechnik) als einer der Hauptaktionäre übernommen und in die neu gegründete Sitasys AG eingebracht. «Wir wollten wieder in die Nähe von Solothurn, weil die Mehrheit der Angestellten hier zu Hause ist», begründet der 48-jährige Peter Monte die «Züglete». Zudem sei der Standort Bern in den ehemaligen Ascom-Gebäuden auf der Bodenweid nicht optimal gewesen. «Es fehlte der KMU-Charakter.»

Seit dem Spin-off von Ascom führt Sitasys die Geschäfte des früheren Ascom-Bereiches weiter. Dabei geht es um die drei Marktbereiche Alarmierung, Kommunikation und Identifikation. Das Alarmübertragungssystem sei «eines der sichersten und flexibelsten auf dem heutigen Markt», sagt Monte. Das System sei bestens für die IP-basierte Übertragung (via Internet) von Einbruch- und Brandalarmen gerüstet. Über das System sind Alarmanlagen mit den Leitstellen von Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsfirmen verbunden. «Alleine in der Schweiz sind inzwischen rund 14 000 Brandmelde- und Einbruchmeldeanlagen im Bereich der Hochsicherheit angeschlossen.» Die Alarmübertragungsgeräte würden bei Schweizer Zulieferern hergestellt. Den grössten Teil des Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen in der Schweiz, den Rest in verschiedenen europäischen Ländern. «In der Alarmierung sehen wir das grösste Wachstumspotenzial», blickt Monte nach vorne. Insbesondere will Sitasys die internationale Expansion stärker vorantreiben. Triebfeder ist unter anderem die technologische Entwicklung. Telekommunikationsfirmen wie Swisscom werden in den kommenden Jahren ihre noch bestehenden analogen Netze (Verbindungen über Kupferkabel) abschalten. Dies erfordere den Ersatz der bestehenden analogen Wählgeräte für die Einbruchmelde- und Brandmeldeanlagen. Das Alarmierungssystem von Sitasys sei eine Lösungsalternative. Dabei gehen Monte und sein Team noch einen Schritt weiter. Da die Installation der herkömmlichen Alarmübertragungsgeräte zeitintensiv sei, bringe man nun «eine innovative Software-Applikation auf den Markt». Damit könnten die Sitasys-Geräte innert weniger Minuten per Smartphone oder Tablet ortsunabhängig konfiguriert und installiert werden. «Das wird für die Elektroinstallateure ein enormer Vorteil sein», verspricht Monte.

ausschliesslich in der Schweiz tätig ist Sitasys im Bereich Kommunikation. «Hier sind wir Marktführer in der Entwicklung von Applikationen für das zentrale Flottenmanagement im Schienenverkehr.» Man könne auf eine jahrelange Zusammenarbeit mit den SBB zurückblicken. Das System optimiere die Betriebskosten, erhöhe die Passagiersicherheit und gewährleiste einen möglichst störungsfreien Betrieb. Ebenso schweizbezogen ist der Bereich Identifikation. Mit über 30 Jahren Erfahrung mit dem Fingerabdruck-Identifikationssystem Afis (Automated Fingerprint Idendification System) sei Sitasys für die landesweite Erfassung von Fingerabdruckdaten sowie für Wartung und Support der zentralen Infrastruktur verantwortlich. Sitasys sei Partner des Bundesamtes für Polizei. Das Afis bearbeitet und speichert die Fingerabdruckdaten für die Bundes- und Kantonspolizeien, das Grenzwachtkorps und das Bundesamt für Migration.

Mit der Geschäftsentwicklung zeigt sich Peter Monte zufrieden. «Im laufenden Jahr werden wir den Umsatz im einstelligen Prozentbereich steigern können und wir werden profitabel sein.» Zahlen gibt die Firma keine bekannt. Auch für 2015 ist er bezüglich Auftragslage zuversichtlich. Er hebt hervor, dass das Unternehmen zu 100 Prozent eigenfinanziert sei.

Der Umzug nach Langendorf soll nachhaltig sein, versichert Monte. «Wir haben für die Büroräume einen langjährigen Mietvertrag abgeschlossen, und wir haben einen hohen sechstelligen Frankenbetrag in deren Ausbau und die technische Infrastruktur investiert.»