Echte Psychotherapie
Ärztegesellschaft wehrt sich gegen verweigerte Vergütung: «Das wäre eindeutig rechtswidrig und anfechtbar»

Die Ärztegesellschaft Avanti stellt sich auf den Standpunkt, dass ihre Therapeuten weiter Leistungen über die Krankenkassen abrechnen dürfen. Die Voraussetzungen seien vorhanden.

Balz Bruder
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Nach der Auffassung der Ärztegesellschaft Avanti gibt es keinen Grund, dass das bisher Abgerechnete nicht weiter in Rechnung gestellt wird.

Nach der Auffassung der Ärztegesellschaft Avanti gibt es keinen Grund, dass das bisher Abgerechnete nicht weiter in Rechnung gestellt wird.

Hanspeter Bärtschi

Auch wenn es für die Ärztegesellschaft Avanti keine Rechtsmittel gegen den Entscheid des Bundesamts für Gesundheit gibt, die «Echte Psychotherapie» nicht mehr im Leistungskatalog der obligatorischen Krankenversicherung zu führen, sehen die in verschiedenen Praxen im Kanton tätigen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten keinen Grund, das, was sie tun, nicht auch künftig auf dem bisherigen Weg abzurechnen.

Argumentation hinter dieser überraschenden Feststellung: «Die Ärztegesellschaft Avanti definiert ihre Echte Psychotherapie nach dem Gründer der Kirschblüten-Gemeinschaft, Samuel Widmer, explizit nicht als Therapieschule oder Verfahren und bietet demgemäss auch keine eigenständige Therapieausbildung an.» Das bedeute: «Jeder Therapeut hat diese gemäss den Voraussetzungen zur Berufsausübung des jeweiligen Standes an einem anerkannten Weiterbildungsinstitut zu absolvieren.»

Alle ordentlichen Mitglieder der Ärztegesellschaft verfügten denn auch über die Voraussetzungen zur Berufsausübung und Abrechnung zu Lasten der Grundversicherung. Sie praktizierten zudem gemäss den anerkannten Richtlinien und akzeptierten die Standesordnung.

Innere Haltung zum Ausdruck bringen

Mit anderen Worten: «In den Formulierungen der Echten Psychotherapie, wie wir sie verstehen und vertreten, wird lediglich eine innere Haltung oder Einstellung eines Psychotherapeuten zum Ausdruck gebracht, wie sie vor allem in den humanistischen Psychotherapieschulen schon lange enthalten sind und beschrieben wurden», hält die Avanti fest. Und: «Ein Bekenntnis zur Echten Psychotherapie findet jeder Arzt, jede Ärztin in sich selbst, unabhängig von der jeweils praktizierten Methode oder Therapieschule.»

Die Gesellschaft bestreitet dabei nicht, dass sie sich in ihren Vorträgen und Schriften mit «anspruchsvollen psychotherapeutische und gesellschaftliche Themen um Liebe, Beziehung, Tabus und Heilung» befasst. Die Mitglieder führten daneben in ihren Praxen psychotherapeutische und psychiatrische Behandlungen nach den von ihnen absolvierten anerkannten Psychotherapieschulen und den geltenden Standards und Richtlinien durch, «wie in jeder gewöhnlichen psychiatrischen Praxis». Und diese würden «wie üblich von der Grundversicherung übernommen».

Fachärztliche Leistungen in Rechnung stellen

Das Entscheidende daran ist, dass die Ärztegesellschaft in Abrede stellt, jemals selbst Leistungen abgerechnet zu haben. Und: Ebenso sei Echte Psychotherapie «zu keiner Zeit von einem ihrer Mitglieder als ärztliche oder therapeutische Leistung abgerechnet worden». Vielmehr würden «fachärztliche Leistungen in einer anerkannten Therapiemethode» in Rechnung gestellt.

Das ist insofern eine für den künftigen Umgang mit dem Abrechnungsverbot für Echte Psychotherapie wichtige Feststellung, als die Ärztegesellschaft aufgrund von juristischen Abklärungen davon ausgeht, dass die Änderung der Krankenkassen-Leistungsverordnung die Abrechnungsmöglichkeit der Avanti-Ärzteschaft nicht tangiert. Das heisst: Nach ihrer Auffassung gibt es keinen Grund, dass das bisher Abgerechnete nicht weiter in Rechnung gestellt wird.

«Die Verweigerung der Vergütung unserer Leistungen durch eine Krankenversicherung wäre nach Einschätzung der befragten Juristen eindeutig rechtswidrig und anfechtbar», hält die Ärztegesellschaft fest. Damit ist absehbar, dass die Sache justiziabel wird, wenn es um die Umsetzung des Beschlusses des Bundes durch die Krankenkassen geht und die verweigerte Kostenübernahme im konkreten Fall angefochten wird.