«Arpeggio»
Die Klärbecken auf dem Attisholz-Areal sind jetzt Kunstbiotope

Reto Emchs «Monsterinstallation» Arpeggio» in der alten Kläranlage im Attisholz Süd ist seit dieser Woche für Publikum offen.

Fränzi Zwahlen
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Rundgang durch Arpeggio mit Künstler Reto Emch in der alten Kläranlage in Attisholz.

Rundgang durch Arpeggio mit Künstler Reto Emch in der alten Kläranlage in Attisholz.

Corinne Glanzmann

Mehrere Wochen baute der Solothurner Künstler und Galerist Reto Emch in den ehemaligen Klärbecken der Cellulose Attisholz seine Kunstinstallationen auf. Seit anfang dieser Woche sind die Kunsträume für das Publikum geöffnet. Die 14 Kunstinterventionen sind alle fertig und betriebsbereit, dennoch muss Emch immer wieder zum Rechten schauen. «Ich bin jeden Tag hier», sagt er. Dies sei zwar so geplant gewesen, ist aber aufgrund der Regengüsse in dieser Woche auch tatsächlich nötig.

«Das Wasser drückt von oben und von unten»,

sagt er mit einem Hauch von Sarkasmus. Wasser ist eigentlich eines der Lieblingselemente von Reto Emch. Und es kommt in seinen Installationen auch immer wieder zum Einsatz: Wasser wird mittels Springbrunnen versprüht, in Kühlschränke gefüllt, mit Mikrofonen zu Klangbildern komponiert.

Wasser kommt aber auch filmisch zum Einsatz, wenn Emch eine Luftfilteranlage mittels Beamer auf Museumskisten bannt. Ausrangierte Haushaltsgeräte, die aber immer noch funktionstüchtig sind, faszinieren den Künstler. Diesmal stehen sie wie verwunschene Gestalten mitten in Bambuswäldern, hangen von Betonpfeilern kopfüber herunter und verströmen so ihr diffuses Innenlicht oder waschen ohne Unterlass zu einem Moloch aufgetürmt und verbreiten so ihre ganz eigene Melodie.

25 Bilder

Tom Ulrich

Ein Dorfplatz, auf dem niemand Platz nimmt

Der «Dorfplatz» ist eine der Hauptarbeiten von «Arpeggio». Ein Raum ohne Dach, an welchem an allen Wänden abgelegte Kleider über Kleider hängen. Symbolisch hangen sie für eine Dorfbevölkerung da. Ganz oben sind Stühle zu sehen, auf die aber niemand sitzen kann. Und in der Mitte des Raumes steht ein alter Brunnentrog aus Granit; am heimeligen Dorfbrunnen also, wo man sich trifft und Geschichten austauscht.

Der Platz ist lebendig, aber ohne Leben. Automotoren, Autos und Pneus - das ist weitere Leidenschaften von Reto Emch. Die Motoren hat er zu ganz neuen Gebilden zusammengeschraubt. Überall sind sie mit Rollwagenrädern bestückt, so dass sie auf allen Seiten rollbar sind. Dazwischen sind meterhohe Türme aus ausrangierten Autopneus zu sehen. Sie geben eine Art Parcours vor, auf dem sich die Motorenwagen bewegen können.

Und zu guter Letzt präsentiert Emch zwei Autos. Eines hängt zerstört und ausgebrannt an einem Kreuz aus Stahl. Ein zweites wurde in einen Container auf einer hohen Plattform gehoben, Wasserspiele netzen es immer wieder. «Es ist mein Jesus und die weinende Maria», sagt Emch.