Glosse
Armer Solothurner Millionär – wie hat er das verdient?

Lucien Fluri
Lucien Fluri
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Ob es den Gewinner der fast 200 Millionen an die Goldküste ziehen wird?

Ob es den Gewinner der fast 200 Millionen an die Goldküste ziehen wird?

Keystone/MARTIN RUETSCHI

Das arme Schwein, das so viel Schwein gehabt hat. 1-8-3-8-9-7-0-3-9 Franken und 30 Rappen hat er – oder sie – gerade bei Euromillions gewonnen. Aus der Nordwestschweiz ist das Glückskind, meldet Swisslos. Ein Solothurner gar? Wir werden es wohl nie erfahren, aber melden Sie sich doch bei uns, wenn es Ihren Nachbarn plötzlich an die Zürcher Goldküste zieht. Oder erzählen Sie uns, wenn der Finanzverwalter Ihrer Gemeinde auch in den traurigsten Momenten das Grinsen auf seinem Gesicht nicht mehr wegbekommt. – Zum Beispiel in der Steuerhölle Holderbank (140 Prozent). Über den Daumen gepeilt 27 Mio. Franken Einkommens- und Vermögenssteuern müsste der Gewinner (nur im ersten Jahr zum Glück) an die Gemeinde zahlen, 20 Mio an den Kanton und 21 Mio. an den Bund. Macht insgesamt schlappe 68 Mio. Franken. Ja, das arme Schwein, das so viel Schwein gehabt hat.

Aber Sie, was wäre, wenn Sie in dieser Situation wären?

  • Wovon träumen Sie noch, wenn Sie sich alles leisten könnten?
  • Denken Sie, dass Sie das Geld verdient hätten? Und wenn ja: warum gerade Sie?
  • Spenden Sie jetzt regelmässig oder denken Sie: Ich kann ja nicht allen geben, sonst habe ich bald wieder nichts mehr?
  • Werden Sie weiterhin die «Zetteli» im Restaurant kontrollieren?
  • Verlassen Sie Ihre langjährigen Nachbarn? Ziehen Sie jetzt an den Zürisee oder ins kantonale Steuerparadies Feldbrunnen (gerade einmal 12,6 Mio. Franken Gemeindesteuern)?
  • Haben Sie jetzt Angst vor Einbrechern, falschen Freunden und verbarrikadieren sich in ihrer Luxusvilla?
  • Fürchten Sie den Neid Ihrer Ex-Arbeitskollegen, wenn Sie mit dem Ferrari vorfahren?
  • Würden Sie jetzt aus der Kirche austreten, wenn Sie damit über 2 Mio. Franken Steuern sparen würden?

Träume machen das Leben erträglicher. Um zu träumen, zahlen wir den Lottoschein. Aber ob das Leben besser wird, wenn die Träume erfüllt sind? Masslos Steuern zahlen, den Reichtum verstecken, an den Zürisee umziehen, fünf Autos putzen, Spendenbriefe beantworten, aus der Kirche austreten. Das arme Schwein, das so viel Schwein gehabt hat.

Aber was ist erst mit uns armen Schweinen, die gar kein Schwein gehabt haben? Auf zum nächsten Kiosk!