Ruhig blieb er, zumindest am Anfang noch. Nur manchmal schüttelte «Richterbeisser» Kuno W. ungläubig den Kopf, als ihm Gerichtspräsident Markus Christ am Mittwoch im Amtsgericht Solothurn-Lebern das Urteil vorlas. 

Auch als er zu 34 Monaten Gefängnis unbedingt verurteilt wurde, explodierte der notorische Querulant nicht, der im Juni 2016 im Solothurner Gerichtsgebäude ausgerastet war und einen Richter gebissen sowie einen Gerichtsschreiber geschlagen hatte. «Was vorgefallen ist, wiegt schwer», sagte der Richter.

Neben der Gefängnisstrafe erhielt der einschlägig vorbestrafte Familienvater noch eine Geldstrafe und eine Busse aufgebrummt. Zudem darf er während fünf Jahren keinen Kontakt zu einer Staatsanwältin aufnehmen, die er in Briefen sexuell belästigt und beleidigt hatte.

Verwahrung: Staatsanwältin blitzt hochkant ab

Doch was soll man mit einem notorischen Querulanten tun, bei dem nicht ausgeschlossen ist, dass er wieder zuschlägt; bei dem man davon ausgehen muss, dass er wieder droht und nötigt? Wegsperren oder nicht, das war eine der Fragen, die das Gericht zu beurteilen hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte die Verwahrung gefordert. Doch ihre Forderung war weit überzogen, wie das Urteil zeigte. Denn für eine Verwahrung muss ein schwerwiegendes Delikt begangen worden sein. Zwar klagte die Staatsanwaltschaft Kuno W. wegen schwerer Körperverletzung an. Doch das sah das Gericht nicht. Es qualifizierte die Taten eindeutig nur als einfache Körperverletzung.

«Damit ist die Verwahrung gestorben und nicht mehr möglich», so der Gerichtspräsident. Und auch eine therapeutische Massnahme kommt nicht infrage. Das psychiatrische Gutachten hatte gezeigt, dass eine Therapie aussichtslos ist.

Sichtlich Mühe gab sich das Gericht, auf W. einzugehen. Seinen aussergewöhnlichen Therapievorschlag, eine Büchsenmacherlehre in Österreich, habe er abgeklärt, sagte der Richter. Aber die Chance sei zu klein, dort einen 55-Jährigen unterzubringen. Auch den Solothurner Staatsschreiber hatte der Richter angerufen und gefragt, ob er sich ein Coaching-Mandat vorstellen könne. Hatte W. doch gesagt, der Staatsschreiber sei einer der ganz wenigen Menschen, dem er vertrauen könne. Doch Andreas Eng hatte dankend abgelehnt. «Ein anderer Mann ist nicht in Sicht», so der Richter. «Aber es braucht einen Coach, um Ihr Leben lebenswert zu machen.»

«Er muss sein Leben ändern» – aber kann er das überhaupt?

Im Laufe der Verhandlung stand Kuno W., dem sein Hund das Wichtigste ist, plötzlich auf und verliess den Saal, als es um das Kontaktverbot zu einer Tierärztin ging. «Das akzeptiere ich nicht», sagte er. Er wartete dann draussen. Und nach dem Prozessende bewies er, dass er sich nur schwer bessern kann: Er werde die Tierärztin «zur Sau machen», liess er die Staatsanwältin wissen.

«Schöne wäre es, wenn wir Ruhe hätten und sie und der Staat ruhig leben könnten», hatte zuvor im Gerichtssaal der Amtsgerichtspräsident wohl vergeblich gesagt. Kuno W. wird auch nicht so schnell aufhören. Er hat bereits angekündigt, in Berufung zu gehen.

Für den Staat Solothurn kommt das nochmals teuer: Weil Kuno W. kein Geld hat, wird der Staat wohl nicht nur die bereits bis jetzt angefallenen 51'000 Franken Anwaltskosten des Verteidigers zahlen, sondern auch die künftigen – ebenso die bisher 60'000 Franken Verfahrenskosten.

Bis das Urteil rechtskräftig ist, bleibt Kuno W. in einer Institution im Berner Jura, in der er sich tagsüber frei bewegen kann. Wöchentlich muss er dem Gericht schriftlich Rechenschaft abliefern, was er den Tag über so tut.