Autofreier Erlebnistag

Ansturm auf slowUp: Fast 30'000 fahren mit – E-Bikes haben einmal mehr die Nase vorn

Bei perfekten Bedingungen zog es fast 30'000 Menschen auf die autofreien Strassen im Bucheggberg – nicht zu heiss, nicht zu sonnig, ohne Regen oder Gewitter – ein Fest für Familien und Freunde, die sich auf allen möglichen und unmöglichen Fahrzeugen auf den Weg machten.

Sich sportlich oder gemütlich aufs Rad schwingen, dabei die autofreien Strassen sowie die Landschaft des Buechibärgs geniessen. Und dann natürlich bei einer der vielen Festwirtschaften eine Pause einlegen, plaudern, etwas essen, trinken und die vielen künstlerischen Darbietungen aufmerksam verfolgen. Dies alles bei idealen Wetterbedingungen, mit nicht zu heissen Temperaturen, ganz nach der Wetterprognose von Wetterfee Sandra Boner, die an der Eröffnung des grössten Volksfests im Kanton Solothurn ideale Bedingungen mit schattenspendenden Wolken voraussagte.

Am Sonntag zog es Jung und Alt, Sportler und Laien en masse von nah und fern an den slowUp. Zum 8. Mal wurde dieser durchgeführt und zum 8. Mal war die Freude bei den Teilnehmenden gross. Mehrfach wurde die grossartige Atmosphäre gelobt. «Die Stimmung ist einfach top», findet Sandra Hert aus Grenchen, die regelmässig mit ihrer Tochter Sarina am Solothurner slowUp anzutreffen ist. Die beiden starteten jedoch nicht von Solothurn aus, sondern nahmen den Zug nach Lohn, um von dort aus die Schlaufe durch das Limpachtal bis auf Höhe Grenchens anzutreten. Neben dem festlichen Ambiente lockt die beiden auch etwas anderes: «Es ist super, etwas für die eigene Fitness machen zu können.»

Der slowUp Solothurn-Buechibärg 2018 im Schnellzug

Der slowUp Solothurn-Buechibärg 2018 im Schnellzug

Teilnahme auch im Kinderwagen

Obschon die meisten mit dem Velo unterwegs waren, wurden ganz viele verschiedene Fortbewegungsmöglichkeiten genutzt: Neben Velos fuhren Einrad, Board, Inlineskate und Rollstuhl nebeneinander. Auch gab es diejenigen, die zu Fuss auf Erkundungstour gingen. Marlies und Rolf Mathys aus Biberist beispielsweise unternahmen einen längeren Spaziergang. «Wir spazieren jeden Sonntag, aber da heute slowUp ist, haben wir uns entschieden, Richtung Lohn zu laufen», beschrieb Marlies Mathys. Das langsame, stresslose Feeling der Veranstaltung sage ihnen besonders zu. «Und die vielen zufriedenen Leute.»

Die Familie Salzmann aus Arch fuhr zum Biberister Sennhof. Auf ihre Töchter wartete dort das Highlight: Das Streicheln der Hoftiere. Während Tochter Lia auf dem Fahrrad sass, lag Jana im Kinderwagen und wurde von Mutter Monika auf Inlinern gestossen. Monika Salzmann: «Das ist das Schöne am slowUp: Es können alle jeden Alters teilnehmen, solange die dafür ideale Fahrzeugkomposition gefunden wird.»

Die Familienfreundlichkeit schätzte auch die Familie Süess, die in jedem Jahr mit dabei ist. «Es ist das erste Mal, dass wir nur die kurze Strecke fahren, dies tun wir, weil unser Sohn Timo nun zum ersten Mal allein mit dem Velo fahren kann», gab der Stadtsolothurner Raphael Süess Auskunft. Der Solothurner slowUp werde immer grossartiger. «Murten ist zwar nach wie vor für uns unschlagbar auf Platz eins, aber Solothurn nähert sich immer mehr dem Volksfest des slowUps in Murten.» Störend sei lediglich, dass E-Bikes erlaubt seien. Süess: «Es wird vom Unmotorisierten gesprochen, dann haben E-Bikes hier nichts verloren.»

Jugendförderung und Gewandung

Seit fünf Jahren nimmt auch die Jugendkommission von Obergerlafingen mit Jugendlichen am slowUp teil. Am Sonntag fuhr die neunzehnköpfige Gruppe mit ihrer Musikanlage auf dem Dreirad die 28 Kilometer lange Strecke nach Schnottwil. «Wir wechseln uns bei jedem slowUp immer wieder etwas mit dem Fahrzeug ab, einmal nahmen wir die Kanus», beschreibt Jugendkommissionspräsident Christian Bigler. «Mit diesem Anlass wird der Zusammenhalt zwischen älteren und jüngeren Jugendlichen, die noch nicht in den Jugendraum dürfen, gefördert, da alle teilnehmen können.

Doch noch andere Bewegungsbegeisterte fielen auf, wie das verkleidete Pärchen Maya Stucki und Fabio Simeoli in ihrem 70er-Look aus Lohn. Jedes Jahr suchen sie sich ein neues Kostüm, jeweils nach dem Motto des Friedens und der Stressfreiheit. «Heute zeigen wir uns ausgeflippt, im Stil der Gegenbewegung der 70er», sagte Simeoli, der auf einem kleinen blauen Strandvelo, dem sogenannten «Klappvelo» hockte. «Uns ist es wichtig, den Gedanken des slowUps durch unsere Kleidung zu zeigen.»

Und auch Urs Jenni fehlte nicht am slowUp. Stolz zeigte er in seiner Lederjacke und seinem Lederhelm seinen Italjet samt Korb auf dem Gepäckträger und den Ledertaschen vor: «Dieses E-Bike ist dem Harley Davidson nachempfunden. Ich war sogar in Italien, um den Herstellungsprozess zu verfolgen», erklärt der Italienfan aus Wiler.

Urs Jenni nahm mit seinem Italjet, dem   harleymässigen Gefährt, am slowUp teil.

Urs Jenni nahm mit seinem Italjet, dem harleymässigen Gefährt, am slowUp teil.

«Der slowUp ist wunderbar, weil er Generationen verbindet, und es ist genial, wie sich die vielen Vereine und Gemeinden engagieren», dieses Engagement von Vereinen und Gemeinden ist nicht selbstverständlich.

Nach slowUp-Geschäftsführer Christian Fricker sähe dies in anderen Kantonen ganz anders aus. Der Präsident des Vereins slowUp Solothurn-Buechibärg, Beat Stähli sprach denn auch an der Eröffnung ein grosses Dankeschön aus: «Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich in jedem Jahr im Solothurnischen rund 350 Freiwillige melden, um mitzuhelfen. Darüber freuen wir uns wirklich sehr.»

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