Wenn Bundesrat Alain Berset jeweils Ende September vor die Medien tritt, um über die Entwicklung der Gesundheitskosten und der Krankenversicherung zu informieren, verheisst das nie etwas Gutes: Die Prämien steigen seit vielen Jahren, und das zum Teil massiv. Aus Solothurner Sicht gibt es dieses Jahr wenigstens einen kleinen Lichtblick am Horizont: Die Prämien steigen hier 2018 zumindest nicht stärker als im schweizerischen Durchschnitt, nämlich um 3,9 Prozent.

Letztes Jahr war das noch anders. Bei einem gesamtschweizerischen Wachstum um 4,5 Prozent stiegen die Prämien im Kanton Solothurn um 5,8 Prozent. Für Erwachsene, der Anstieg bei den Kinderprämien lag sogar bei 9 Prozent, gesamtschweizerisch «nur» bei 6,6 Prozent. Nächstes Jahr wird es für Familien zwar wiederum teurer, aber es kommt wenigstens nicht mehr ganz so knüppeldick: Der Anstieg der Krankenkassenprämien für Kinder liegt im Kanton Solothurn bei 4 Prozent und damit sogar etwas unter dem schweizerischen Durchschnitt von 5 Prozent.

Ein schwacher Trost, immerhin müssen die Versicherten in 16 Kantonen weniger für die Krankenversicherung bezahlen als in Solothurn, nur in neun Kantonen liegen die Durchschnittsprämien höher. Der diesjährige Prämienanstieg liegt in etwa im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Fast 14'000 Franken für eine Familie

Was bedeutet die Prämienentwicklung nun konkret für das Portemonnaie? Die Durchschnittsprämie für eine erwachsene Person liegt im Kanton Solothurn nächstes Jahr bei 458,40 Franken monatlich. Damit steigen die Kosten für die obligatorische Grundversicherung um 205 auf 5500 Franken im Jahr, die Kosten für jedes Kind um 49 auf 1293 Franken. Eine Familie mit zwei Kindern muss 2018 also knapp 13'600 Franken für die Krankenversicherung zahlen, gut 500 Franken mehr als im laufenden Jahr.

Die Durchschnittswerte beziehen sich auf die sogenannte Standardprämie mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung. Individuell variieren die Prämien natürlich stark – einmal von Krankenkasse zu Krankenkasse, und dann lassen sich mit höheren Franchisen oder speziellen Versicherungsmodellen (z.B. Hausarztmodell) erhebliche Rabatte erzielen. Nähere Informationen und Tipps dazu finden sich auf der Inlandseite der heutigen Ausgabe.

Allein die Spannbreite bei der Standardprämie reicht bei den Kassen von 405 (SLKK Zürich) bis 525 Franken (Avenir Martigny) monatlich. Selbst ohne spezielle Rabatte liessen sich also mit einem Kassenwechsel gut 1400 Franken pro Person und Jahr sparen. Dennoch scheinen sich die Versicherten diesbezüglich auch im Kanton Solothurn nach wie vor recht träge zu verhalten.

Drei Viertel der Bevölkerung sind bei den zehn Marktführern im Kanton versichert, und von denen werden nächstes Jahr sieben eine Standardprämie verlangen, die über dem kantonalen Durchschnitt liegt. Ohne Kassenwechsel werden nächstes Jahr insgesamt 70 Prozent der Kantonsbevölkerung eine höhere als die Durchschnittsprämie bezahlen müssen. Eine doch erstaunliche Zahl, wenn man bedenkt, dass die Krankenkassenprämien zu einer Hauptlast für viele Haushalte geworden sind, die sie kaum mehr tragen können.

Realitätsferne Richtprämie

Die gestern vom Bundesamt für Gesundheit veröffentlichten, effektiven kantonalen Durchschnittsprämien für die Standardversicherung mit 300 Franken Franchise und Unfalldeckung sind nicht zu verwechseln mit den Richtprämien, welche die Kantone für die Prämienverbilligung festlegen. Die vom Regierungsrat festgesetzte Richtprämie liegt für Erwachsene aktuell bei 309 Franken pro Monat. Zwischen der tatsächlichen Prämienlast und der Richtprämie liegen also kleine Welten, im Kanton Solothurn konkret 1800 Franken jährlich.

Wer tatsächlich nicht mehr als die Richtprämie für die Krankenversicherung auslegen will, schafft das bei sieben der im Kanton tätigen Kassen. Allerdings nur, wenn er die Franchise auf 2000 oder sogar 2500 Franken erhöht. Er müsste im Krankheitsfall also Arztrechnungen bis zu einer Höhe selber bezahlen, die der Hälfte der durchschnittlichen jährlichen Prämienbelastung entspricht. Und wenn jemand die Krankenversicherung kaum aus der eigenen Tasche bezahlen kann, wird er sich auch das kaum leisten können.