Alle Augen sind momentan auf Schloss Neu Bechburg in Oensingen gerichtet. Im Fernseh-Projekt «Leben vor 500 Jahren» soll eine Familie leben, wie anno 1517. Wir blickten ein wenig in die Geschichtsbücher und wollten wissen, wie die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen für die Landbevölkerung vor 500 Jahren waren.

1463 gingen die Herrschaften der Bechburg in Oensingen und jene der Falkenstein in Balsthal in Besitz der Stadt Solothurn über. Das bedeutete für die Untertanen, dass sie nun den «Gnädigen Herren von Solothurn» und damit einem strengeren Regime unterworfen waren. Organisiert waren die Solothurner Ländereien damals in elf (!) Vogteien: Lebern, Balm, Kriegstetten, Buchegg, Falkenstein, Bechburg, Olten, Gösgen, Dorneck, Thierstein und Gilgenberg.

Wie regiert wurde

Falkenstein umfasste das Thal und das Guldental sowie die Ortschaften Egerkingen, Härkingen, Neuendorf und bis 1518 Wolfwil. Sitz des Vogtes für diese Gemeinden war die Burg Neu Falkenstein bei St. Wolfgang. Zur Vogtei Bechburg gehörten Oensingen, Oberbuchsiten, Niederbuchsiten, Kestenholz, ab 1518 Wolfwil, Hägendorf, Rickenbach, Wangen, Gunzgen, Kappel, Fulenbach und Boningen. Vogtsitz für diese Ortschaften war die Neu Bechburg ob Oensingen. Die beiden Vogteien besassen eine gemeinsame Landschreiberei, welche auf der Alt Falkenstein in der Klus beherbergt war. Der Landschreiber war eine Art Notariatsperson, welcher Rechtsgeschäfte für Untertanen abwickelte.

Der «kleine Rat» zu Solothurn wählte aus seinen Reihen oder aus dem «grossen Rat» einen erfahrenen Mann zum Landvogt. Nach drei Jahren Amtszeit war eine einmalige Wiederwahl möglich. Der Landvogt war oberster Richter. Er hatte Militär- und Polizeigewalt und verwaltete die Finanzen und Naturalabgaben. Es gab pro Amtei einen Untervogt als eine Art Vermittler zwischen Vogt und Bauern. Dieser übte die «niedere Gerichtsbarkeit» aus.

Die Burgunderkriege 1474–1477 steigerten das Ansehen der Schweizer Soldaten. Französische und italienische Könige und Fürsten versuchten, durch Soldverträge mit den Schweizer Kantonen eidgenössische Söldner für ihre Kriege zu sichern. Eine schöne Einkommensquelle für die Regierenden. Doch 1503 wollte die Tagsatzung die sogenannte Reisläuferei verbieten, denn es häuften sich soziale Probleme deswegen. Allerdings ohne Erfolg.

Bauern stürmen Solothurn

Im Sommer 1513 kam es zu Unruhen der Bauern in Bern. Später erhoben sich die Luzerner Bauern, zu denen sich auch Landleute aus dem Gäu gesellten. Die Bauern kritisierten die neuen Pensionsordnungen (jährliche Gelder für ehemalige Solddienste), waren unzufrieden mit dem Zehnten und forderten die Aufhebung der Leibeigenschaft. Obwohl es Zugeständnisse der Obrigkeit gab, kam es einen Monat später nochmals zu einem Sturm der Bauern aus den Vogteien Bechburg, Olten und Gösgen auf Solothurn.

Drei Tage verhandelten die Führer der beiden Seiten miteinander im «Baumgarten zu Franziskanern». Wieder wurden Forderungen erfüllt, doch 1514 rebellierten die Gäuer schon wieder. Nun war die Geduld der Oberen zu Ende. Man wollte den Aufstand niederschlagen. Die Tagsatzung von Zug und die Städte Basel, Bern, Zofingen und Aarau mahnten die Solothurner zur Mässigung und boten ihre Vermittlung an. So kam es zu einem Kompromiss. Die Landleute konnten sich innert drei Jahren aus der Leibeigenschaft loskaufen, und ausser drei ihrer Anführer sollten sie nicht bestraft werden.

Der neue Glaube zieht ein

Wenige Monate nach Luthers Thesen-Anschlag 1517 in Wittenberg lud der Solothurner Rat den damals bekannten Ablasskrämer Samson in die Stadt ein. Anlass war die Sorge um die losen Sitten in Klöstern und Pfarreien. Man stellte also den alten Glauben nicht infrage, sah aber, dass es Missstände gab, und wollte diese beheben. Zwei Jahre später predigte Ulrich Zwingli im Grossmünster in Zürich vom neuen Glauben, und damit kam Kunde von der Reformation auch in unsere Gegend.

Ab 1522 hörte man hier von den kriegerischen Vorkommnissen in Deutschland, doch erst 1528 entschied sich der Staat Bern für den neuen Glauben. Bern und auch Basel übten daraufhin grossen Druck auf Nachbar Solothurn aus, sich ebenfalls zu reformieren. Im Dezember 1529 fanden in den Solothurner Gemeinden zwei Umfragen statt. Die Obrigkeit wollte wissen, welches Dorf welchen Glauben haben wollte. Doch die Befragung ergab kein eindeutiges Resultat. Eine knappe Mehrheit der Einwohner, und vor allem die Oberschicht, wollte beim alten Glauben bleiben. So wurde beschlossen, jede Gemeinde soll ihren Glauben selbst wählen können.

Damit gab es aber in dieser Sache keine Ruhe unter der Neu Bechburg. 1530 kam es in Oensingen zu einem «Bildersturm», als Anhänger des neuen Glaubens sich durchsetzen wollten und Kirchenbilder auf dem Friedhof verbrannten. Der katholische Pfarrer konnte jedoch eine wertvolle Marienstatue vor den Flammen retten. Ein reformierter Pfarrer wurde eingesetzt und der katholische entlassen. In den darauffolgenden Jahren kam es wieder zu Spannungen im Dorf, bis der reformierte Pfarrer 1533 wieder entlassen wurde und man den katholischen Gottesmann wieder zurückholte.

Quellen: Werner Stooss, Oensinger Chronik Nov. 2014; Amiet, Solothurner Geschichte Bd. 1 und 2.