CVP Solothurn
Annelies Peduzzi: «Ich hatte sicher auch viel Glück»

Die letzte Woche abgetretene CVP-Präsidentin, Annelies Peduzzi, blickt zurück und in die Zukunft. Ihr Erfolgsrezept will sie zwar nicht ganz verraten, aber eines sagt sie trotzdem: Mit gewissen Situationen muss man sich einfach abfinden.

Stefan Frech
Drucken
Teilen

Annelies Peduzzi, hat die CVP bereits Ihre Heiligsprechung beantragt?
Annelies Peduzzi: (lacht laut) Nein.
Sie waren wohl die erfolgreichste Vorsitzende in der Geschichte der Solothurner CVP: zweiter Regierungsratssitz erobert und verteidigt, stärkste Fraktion im Kantonsrat sowie zweiten Nationalratssitz und einen Ständeratssitz geholt...
Ich habe wirklich alles erreicht. Deshalb habe ich mir auch gesagt, dass ich jetzt ruhig zurücktreten kann. Der Erfolg ist aber nicht allein der Präsidentin zu verdanken, und ich hatte sicher auch viel Glück.

Ihr Erfolg in den letzten sieben Jahren hat also nichts mit «Schwarzer Magie» zu tun?
(lacht) Nein, mit ehrlicher Arbeit.
Was heisst das?
Ich hatte ein tolles Team aus Personen, die mit sehr viel Idealismus sehr viel gearbeitet haben. Ich selber habe dann an der Basis die Überzeugungsarbeit geleistet. Es war schön, wie man mir alles geglaubt hat.
Was meinen Sie damit?
Ich musste die Strategien der Parteispitze, etwa bei der Listengestaltung, bei der Basis vertreten.
Es gab nie Widerstand?

Doch. Zu Beginn musste ich viel Überzeugungsarbeit leisten. Vor acht Jahren hatten wir alles verloren, wir waren an einem Punkt wie heute die FDP.

Was war also Ihr Erfolgsrezept?
Das kann ich nicht verraten.
Na, kommen Sie... Ein Beispiel.
Man muss sich mit gewissen Situationen abfinden und positiv vorwärts blicken. Jetzt zum Beispiel treten unsere zwei Regierungsräte nicht mehr an. Da könnte man den Mut verlieren. Das ist aber nicht unsere Art. Wir sagen: Wir haben gute Kandidaten und machen einen Super-Wahlkampf. Auch fällt bei uns niemand in Ohnmacht, weil wir noch keinen Nachfolger fürs Parteipräsidium haben.
Ihre Nachfolge wurde aber tatsächlich schlecht vorbereitet. Sie haben Ihren Rücktritt ja bereits im Januar erklärt.
Es reisst sich niemand um ein Parteipräsidium. Auch mussten wir abwarten, ob unsere Regierungsräte nochmals antreten. Im August kann mein Nachfolger sicher gewählt werden.
Gibt es einen Favoriten?

Es laufen Gespräche. Interimspräsident Stefan Müller wird im August definitiv aufhören.
Noch kein Präsident und bei den Wahlen im März 2013 muss die CVP zwei Regierungssitze verteidigen. Reisst jetzt der Glücksfaden?
Diese schwierigen Voraussetzungen werden die Kandidaten anspornen, im Wahlkampf alles zu geben.
Wie viele Interessenten haben Sie bereits?

Mehr als zwei.
Warum treten Walter Straumann und Klaus Fischer nicht mehr zu den Regierungsratswahlen an?
Bei Walter Straumann ist es ganz klar altersbedingt. Er sagte, es sei Zeit, Platz zu machen. Er möchte das Leben noch etwas geniessen. Klaus Fischer hat bereits vor seiner Krebserkrankung gesagt, dass er nicht nochmals kandidieren möchte.
Hat die Partei nicht Druck ausgeübt, damit eine Doppel-Vakanz verhindert werden kann?
Nein.
Wie geht es Klaus Fischer?
Er hat die Operation gut überstanden. Die Aussichten sind gut, dass der Krebs besiegt ist. Er freut sich riesig, dass er nach Pfingsten seine Arbeit als Regierungsrat wieder aufnehmen kann.
Nicht nur die Regierungswahlen werden für die CVP zur Nagelprobe, sondern auch die Kantonsratwahlen: Vielleicht werden die für die Partei bislang so segensreichen Listenverbindungen verboten.
Wir werden auch ohne Listenverbindungen erfolgreich sein.
Die CVP-Listen haben aber in den letzten Jahren stets Stimmen verloren.
Es sind neue Mitteparteien wie EVP, BDP und GLP zu den Wahlen angetreten. Es ist also klar, dass die CVP verliert, wenn jede dieser Parteien ein Stück vom Kuchen abschneidet.
Dann müsste doch die CVP einige dieser «Mitesser» schlucken: Kommt es mit der BDP zu einer engeren Zusammenarbeit oder gar Fusion im Kanton?
Bis jetzt gab es noch keine Gespräche. Ich war ja auch ein gebranntes Kind: Ich wollte 2010 mit den bürgerlichen Mitteparteien enger zusammenarbeiten. Die FDP schlug das Angebot aber schroff zurück: Sie wolle sich nicht an die «Brust eines schwächeren Mitbewerbers» werfen.
Werden beide Parteien, CVP und FDP, bis in zehn Jahren zu einer 10- oder gar 5-Prozent-Partei geschrumpft sein?
Ich habe Vertrauen in die Schweizer Parteiführung, dass es die CVP auch in 15 Jahren noch gibt. Wir müssen uns einfach weiterhin gut als die wahre Mittepartei positionieren. Wir suchen stets nach Lösungen. Das goutieren die Wählerinnen und Wähler.

Aktuelle Nachrichten