Amtsgericht

Angeklagter tauchte drei Stunden zu spät auf

Der 36-jährige Schweizer musste sich wegen Geldwäscherei und versuchter Geldwäscherei verantworten.

Der 36-jährige Schweizer musste sich wegen Geldwäscherei und versuchter Geldwäscherei verantworten.

Tim Gysin* wurde im Juli wegen Geldwäscherei verurteilt. Gegen das Urteil erhob der 36-jährige Schweizer Einspruch – und verschlief jetzt die Verhandlung vor Amtsgericht.

Das Amtsgericht Solothurn-Lebern wartete am Montag auf Tim Gysin*. Der 36-jährige Schweizer musste sich wegen Geldwäscherei und versuchter Geldwäscherei verantworten. Schliesslich erschien Gysin mit fast drei Stunden Verspätung zur Verhandlung. Ihm wird vorgeworfen, unbekannten, vermutlich in Nigeria wohnhaften Dritten, sein Privatkonto zur Verfügung gestellt zu haben.

Auf dieses wurden 175 000 Schwedische Kronen überwiesen. Umgerechnet entspricht das knapp 25 000 Franken. Das Geld stammt von einem gehackten Konto. Gysin habe zum Zeitpunkt der Überweisung «um die verbrecherische Herkunft des Geldes gewusst», heisst es in der Anklageschrift.

Angeklagter wusste von nichts

Gysin wurde vergangenen Juli der Geldwäsche und der versuchten Geldwäsche für schuldig befunden. Dagegen legte er Berufung ein. «Wenn das Geld von einem gehackten Konto stammt und so auf meines gelangte, ist das nicht richtig», so der Beschuldigte. «Aber das wusste ich nicht.» Ob diese Aussage glaubwürdig ist, musste Amtsgerichtspräsident Yves Derendinger am Montag untersuchen.

«Weshalb haben Sie 25000 Franken von jemandem erhalten, den Sie gar nicht kennen?», wollte Derendinger wissen. Gysin erzählte, das Geld sei dafür bestimmt, die Gebühren für eine Erbschaft seiner Frau zu bezahlen. Diese lebt in Nigeria, Gysin hat sie bisher nie getroffen. Auch von einer Freundin seiner Frau war die Rede. Diese soll das überwiesene Geld von einem Freund als Darlehen zur Verfügung gestellt bekommen haben. Bereits hier treten Widersprüche auf, befindet Derendinger.

Bisher habe Gysin davon gesprochen, dass das Geld für den Flug seiner Frau in die Schweiz und die Lebensunterhaltskosten der beiden bestimmt sei. Es folgen weitere Unklarheiten. So kann Gysin nicht einleuchtend erklären, weshalb er den Grossteil des Geldes wenige Tage nach dessen Erhalt an eine Firma in Dubai weitergeleitet hat. Angeblich zugunsten der Freundin seiner Frau. Laut Gysin habe diese das Geld ja überhaupt erst organisiert. Wieso der Umweg über sein Konto nötig war, blieb ungeklärt.

«Ein direkter Tatvorsatz kann ausschlossen werden», befand Derendinger in der Urteilseröffnung. Einen Teil der Zahlungen, die Gysin getätigt hatte, wertete er als eventualvorsätzliche mehrfache Geldwäscherei. Die blockierte Überweisung nach Dubai als versuchte Geldwäscherei. Somit bekräftigte das Amtsgericht das in erster Instanz gefällte Urteil.

Die Strafe fiel jedoch milder aus. Gysin wurde zu einer tieferen Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 80 Franken verurteilt. Dies unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs und einer Probezeit von zwei - anstatt vier - Jahren. Die ursprünglich gesprochene Busse wurde Gysin erlassen. Er muss jedoch die Verfahrenskosten zahlen und eine Ordnungsbusse - fürs Zuspätkommen.
* Name von der Redaktion geändert.

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