Einsicht zeigte der Heilpädagoge nicht, der diese Woche wegen sexueller Handlungen mit einem Kind vor dem Obergericht stand. Er habe die Handlungen zum Zweck der «Aufklärung» vorgenommen, sagte seine Anwältin. Jana*, die Tochter der damaligen Partnerin, habe Edi A.* «respektvoll» und «vorsichtig» behandelt. Er habe «niemals eine Grenze überschritten». Die Initiative sei vom Kind ausgegangen.

Das erstinstanzliche Gericht allerdings hatte dies ganz anders gesehen. Weil er Sex mit einem Kind hatte, war der heute über 50-jährige Schweizer Edi A. im November 2017 vom Amtsgerichts Dorneck-Thierstein wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind zu 23 Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Dagegen legte er Berufung ein. Edi A. wollte bloss eine bedingte Strafe von 8 Monaten. Auch die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt, sie verlangte nun 30 Monate teilbedingt und eine ambulante Massnahme.

Am Obergericht standen nicht mehr alle der von 2008 bis 2010 in der Wohnung des Kindes begangenen Taten zur Diskussion. Edi hatte schon gestanden, der 2002 geborenen Jana einmal einen Zungenkuss gegeben zu haben, sie mehrmals mit den Händen an der Vagina berührt und sie mehrmals an der Vagina geleckt zu haben. Er bestritt jedoch, dass er Jana aufforderte, sie solle seinen Penis ablecken. Er bestritt, vor ihr im Badezimmer in ein Lavabo ejakuliert zu haben. Und er bestritt, dass er nackt auf dem Sofa sitzend die ebenfalls nackte Jana dazu aufgefordert habe, sich rittlings auf sein steifes Glied zu setzen. Edi sagte vor Gericht kaum etwas aus, denn seine Anwältin Stephanie Selig habe ihm dazu geraten. Dennoch wurde sehr deutlich, dass er sich als Opfer statt als Täter sieht.

Er habe Verantwortung für sein Tun übernommen und sich intensiv damit auseinandergesetzt, etwa indem er ein Buch geschrieben habe. «Es bewegt, es arbeitet in mir», drückte er sich aus. Aufgrund der 2013 erfolgten Beschuldigungen habe er seine Stelle verloren und sei arbeitslos geworden. Daraufhin habe er sich mit seinem Alterskapital zum Therapeuten ausgebildet und arbeite seither als solcher, sei aber nicht ausgelastet und verdiene nur 2700 Franken monatlich. Seine Existenz sei zerstört worden «durch diese Menschen» – damit meinte er Staatsanwalt Ronny Rickli, seine Ex-Partnerin und den forensischen Psychiater, der das Gutachten erstellte. Er fühlt sich «psychisch vergewaltigt».

Richter sind fassungslos

Die Richter äusserten ihre Verblüffung und «Fassungslosigkeit» angesichts der fehlenden Einsicht von Edi. Der Mann sprach oft philosophisch, er wirkte weich. Das psychiatrische Gutachten war von Lutz-Peter Hiersemenzel verfasst worden, ein reines Aktengutachten, da Edi keine Auskunft gegeben hatte. Hiersemenzel verfolgte die Verhandlung mit und konnte nochmals Stellung beziehen. Er strich die «Verbitterung und feindselige Einstellung» heraus. Edi sei sicher pädophil, doch sei es eher eine «Nebenströmung», das heisst, dass er auch auf Frauen stehe, nicht nur auf Kinder. Die Rückfallgefahr liege im einstelligen Prozent-Bereich.

Da Edi schon zwei Therapien begonnen habe, aber nicht wirklich mitmache und persönlichkeitsgestört sei, meinte er: «Eine Therapie ist wünschenswert, aber ich glaube nicht an einen Erfolg.» Es sei sinnvoller, ihm zu verbieten, mit Kindern zu arbeiten. Auch Rickli schlug eine Kontrolle vor, etwa durch einen Bewährungshelfer. Eine Therapie sei wenigstens zu versuchen. Anwältin Selig kritisierte das Gutachten. Edi sei zudem nicht vorbestraft.

Das Gericht mit Daniel Kiefer, Marcel Kamber und Hans-Peter Marti bestätigte im Wesentlichen das Urteil der Vorinstanz, jedoch die Sofaszene sah es als nicht erwiesen an und sprach Edi diesbezüglich frei. Es bleibt bei 23 Monaten bedingt, doch die Probezeit wurde von zwei auf drei Jahre ausgeweitet. Von jeglicher Massnahme oder Kontrolle sah es ab. Jana habe «keine psychischen Schäden» davongetragen, trotzdem wurde die Genugtuung von 10 000 Franken bestätigt.

*Namen geändert.