Was läuft schief an der Fachhochschule Nordwestschweiz und insbesondere an ihrer Pädagogischen Hochschule? Und was wird dagegen getan? Das waren Fragen, die der Grünliberale Dornacher Kantonsrat Rudolf Hafner der Solothurner Regierung in einer Interpellation stellte. Insbesondere beim fehlenden Praxisbezug in der Ausbildung der künftigen Lehrer sah Hafner grossen Handlungsbedarf.

Dazu hat die Solothurner Regierung nur wenige Sätze verloren. Das Problem sei erkannt, die Schule habe den Auftrag, Gegenmassnahmen zu unternehmen. Erste Ergebnisse sollen Ende 2015 sichtbar sein.

Doch wo liegt genau das Problem? Auf Anfrage dieser Zeitung äussern sich nun nochmals die Studierenden der Pädagogischen Hochschule und benennen die Probleme, die anzugehen sind. Verfasst haben die Antworten die Studierendenvertreter students.ph Liestal unter ihrer Standortvertreterin Sigrid van Hoogevest. Die Liestaler sind die einzige Studierendenvertretung, die laut Homepage derzeit an der PH aktiv ist. Der students.ph-Rat hat derzeit kein Präsidium.

«Die Pädagogische Hochschule vermittelt ihre – durchwegs guten – Inhalte vorwiegend auf einer theoretischen Basis. Wir erkennen durchaus die Bedeutsamkeit wissenschaftlicher Inhalte, jedoch fehlt in unseren Augen oft der Bezug zur Praxis. Wir haben den Eindruck, dass wichtige Lerninhalte mit wissenschaftlichen Texten «erstickt» werden. Das spiegelt sich im Fächerangebot wider: Der Anteil der wissenschaftlich-orientierten Fächer ist sehr hoch.

Auch der Mangel an Praxislehrpersonen hängt aus unserer Sicht mit der Verwissenschaftlichung zusammen und nicht nur mit der Zunahme der Studierendenzahlen. Als besorgniserregend erscheint uns, der unseren Erfahrungen nach, eher schlechte Ruf, den die PH bei vielen Lehrpersonen hat. Die Verwissenschaftlichung dürfte auch ein Grund dafür sein.»

«Wie der Transfer der gelernten Theorie in die Praxis gelingen soll, scheint uns oft rätselhaft. Konkrete Transfermöglichkeiten sind leider nur beschränkt vorhanden. Immer wieder klagen Studierende darüber, dass sie das im Praktikum Erlernte nicht umsetzen können, da zwischen zwei Praktika zum Teil eine einjährige Praxispause liegt. Die dazwischen liegenden Reflexionsseminare und Mentorate erachten wir zwar als sinnvoll und wichtig, jedoch bleibt bei dem teilweise immensen Selbststudienaufwand nur wenig Zeit für eine tiefer gehende Reflexion.»

«Vielen Studierenden erscheint der Anteil an den zu bewältigenden wissenschaftlichen Arbeiten als übermässig gross. Es scheint uns, als haben oftmals auch die Dozierenden Mühe, diesen grossen Anteil an Selbststudium wirkungsvoll einzufordern. Die Kapazität für qualitativ gute und produktive Arbeitsprozesse fehlt sowohl Studierenden als auch Dozierenden. Viele Studierende klagen in der Folge über die fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit.»

«Es gibt Dozierende, welche selber als Lehrperson tätig waren oder noch immer sind. Wir glauben jedoch, dass der Anteil der Dozierenden mit Praxiserfahrung schwindet. Wir erachten diese Tendenz als durchaus besorgniserregend. Es geht uns nicht darum, Dozierende mit einer rein akademischen Laufbahn zu «verteufeln», doch sind in unseren Augen die Erfahrungen der Dozierenden mit Praxiserfahrung unbezahlbar und können nicht durch akademisches Wissen kompensiert werden.

Zudem können Ansprüche zur Unterrichtsdurchführung, welche an Studierende gestellt werden, von den Dozierenden – bedauerlicherweise oft – nicht eingehalten werden. Auch wissenschaftliche Erkenntnisse über das Lernverhalten des menschlichen Gehirns sind nicht immer mit dem Unterricht an der PH FHNW kompatibel.»

«Ob sich seit der ersten Kritik der Studierenden an der Pädagogischen Hochschule etwas geändert hat, dazu können wir nicht allzu viel sagen, da uns eine transparente Einsicht fehlt. Dies bedeutet, dass wir aus studentischer Sicht effektiv keine Veränderung wahrnehmen können. Über konkrete Änderungen, welche die berufspraktischen Studien betreffen, wären wir erfreut.»

«Zusammenfassend muss man leider sagen, dass die Praxis einen klar zu geringen Stellenwert hat. Wir absolvieren eine pädagogische Ausbildung mit dem Ziel, gute Lehrpersonen zu werden. Aufgrund der Akademisierung der Lehrerausbildung entstehen für die Zukunft Sorgen und Fragen, denn uns sollen die Kinder und damit die Zukunft der Gesellschaft anvertraut werden. Mit dieser Stellungnahme wollen wir niemanden direkt angreifen, aber uns deutlich zu einer Stärkung der Praxis in der Lehrerausbildung bekennen.»