Was eine gute Strasse wert ist, das merkt man erst, wenn diese saniert oder umgebaut wird. Gleich 47 Bauprojekte, die Verkehrsbehinderungen zur Folge haben, sind derzeit auf den Solothurner Kantonsstrassen am Laufen. «Wir erleben einen durchschnittlichen Sommer, es läuft immer so viel», sagt Daniel Wassmer, der als Abteilungsleiter Kantonsstrassen beim Amt für Verkehr und Tiefbau die Verantwortung für die Baustellen trägt.

Nur wichtige Projekte

Der Kanton Solothurn besitzt ein Strassennetz mit einer Länge von rund 608 Kilometern, was einem Wiederbeschaffungswert von rund 2.85 Milliarden Franken entspricht. Dieses Netz muss betrieben, unterhalten und entsprechend den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Wirtschaft optimiert und angepasst werden. «Eigentlich sollte man pro Jahr 2.2 Prozent dieses Wertes investieren. Aber das lässt kein kantonales Finanzmodell zu», erklärt Wassmer. Die 25 bis 30 Millionen Franken, die pro Jahr zur Verfügung stehen, entsprechen etwa 1.2 Prozent des Wiederbeschaffungswertes. «Damit liegt der Kanton Solothurn in einem ähnlichen Bereich wie die Nachbarkantone», sagt Wassmer.

Der Kanton ist also gezwungen, Prioritäten zu setzen und die Strassenbauprojekte ganz gezielt auszuwählen. Für die betroffenen Verkehrsteilnehmer und Anwohner bedeuten die Baustellen trotzdem meistens Ungemach. Besonders viele Reaktionen gibt es bei der Sanierung der Baselstrasse in Feldbrunnen, die derzeit nur in nur in Richtung Solothurn befahren werden kann. Hier wurden gleich zwei Projekte verknüpft: Die Sanierung der Strasse und der Umbau der Bahnübergänge für das «Bipperlisi» seien dringend nötig gewesen, meint Wassmer.

Arbeiten für eine bessere Zukunft

Er zeigt Verständnis für die Verkehrsteilnehmer, die bei längeren Wartezeiten ungeduldig werden. Einen einfachen Rat hat er aber nicht bereit. Die Umfahrung über Zuchwil in Richtung Riedholz ist lange. «Ob das gewählte Verkehrsregime das richtige war, darüber gibt es Diskussionen und ganz unterschiedliche Meinungen», weiss der Verantwortliche für die Baustellen auf den Kantonsstrassen. «Es ist klar, dass es für das Gewerbe und die Restaurants schwierig wird, wenn die Zufahrt zu den Lokalen erschwert ist. Aber manchmal lässt sich das nicht ganz vermeiden.» Er ist überzeugt, dass die Vorteile in der Zukunft die derzeitigen Umstände mehr als aufwiegen werden.

«Bei Baustellen auf den Hauptachsen werden die meisten Anfragen an uns gerichtet», erklärt Wassmer. So auch bei der Baustelle auf der Luzernstrasse in Zuchwil beim sogenannten McDonald’s-Kreisel. Warum der Verkehr mit Personal und nicht mit Lichtsignalanlagen geregelt werde, wollten die Leute zum Beispiel wissen. Und warum der Umweg für die Verkehrsteilnehmer, die vom dem Zuchwiler Industriegebiet Richtung Autobahn fahren wollen, so lang sei. Und die Reaktionen der Verkehrsteilnehmer werden wohl weiterhin eintrudeln: Wenn der Kreisel beim McDonald’s Ende November fertig wird, verschieben sich die Arbeiten auf der vielbefahrenen Strasse Richtung Derendingen.

Fertig ist nicht ganz fertig

Auf 40 der 47 Baustellen werden die Arbeiten dieses Jahr abgeschlossen. Mit Ausnahme eines wichtigen Details: Der definitive Deckbelag wird in den meisten Fällen erst im nächsten Sommer eingebaut. Wegen Setzungen und Stabilisierungen, wie Daniel Wassmer erklärt. Zudem brauche es für den Einbau des Deckbelags warme Temperaturen. Was solche baulichen «Nachbeben» bedeuten, erleben viele Pendler im Bereich des USEGO-Knotens westlich von Olten gerade in diesen Tagen: Eigentlich wäre die Entlastungsstrasse ERO schon lange fertig. In diesen Tagen wird aber noch der Mittelbereich der benachbarten Ziegelfeldstrasse gestaltet und ein lärmdämmender Deckbelag eingebaut.