Amtsgericht
Feuer in Rohbau und rund 660'000 Franken Schaden: Warum das Gericht zumindest einen Handwerker freispricht

Wie weit geht die Verantwortung von Handwerkern? Mit dieser Frage hatte sich das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt zu befassen, nachdem es in einem Rohbau in Lüterkofen gebrannt hatte und die vermeintlich dafür Verantwortlichen einen Strafbefehl wegen fahrlässigen Verursachens einer Feuersbrunst nicht akzeptieren wollten.

Ornella Miller
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Am 26. September 2017 brannte es in diesem Haus, schon bevor es die Besitzer beziehen konnten

Am 26. September 2017 brannte es in diesem Haus, schon bevor es die Besitzer beziehen konnten

Pks / SOL

Brände auf Baustellen gibt es immer wieder mal, manchmal erscheint eine kurze Zeitungsnotiz dazu. Doch selten vernimmt man in der Öffentlichkeit Näheres. Auch am 26. September 2017 um 5.20 Uhr brannte es in Lüterkofen auf einem Rohbau mit Flachdach. Wie so oft bei Baustellenbränden, waren Schweissarbeiten die Ursache dafür.

Der Schweizer Bauarbeiter Leo F.* (Namen geändert), der die Schweissarbeiten ausgeführt hatte, sowie sein Vorgesetzter, der bei und nach den Arbeiten nicht zugegen war, standen wegen fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt, sie hatten einen entsprechenden Strafbefehl angefochten.

Der Vorgesetzte ist Vico L.*, ein schon lange in der Schweiz lebender Italiener. Der Bau des Einfamilienhauses mit Holzkonstruktion war von einer privaten Bauherrschaft einer im Holzbau spezialisierten Firma in Auftrag gegeben worden. Deren Inhaber amtete als Architekt. Diese Generalbaufirma hatte einer anderen Firma X den Auftrag für Dacharbeiten erteilt.

Der 64-jährige Polier und Dachdecker Vico war Geschäftsführer der Firma X im technischen Bereich und für die Arbeits-einsätze verantwortlich. Der 30-jährige Leo hatte in der Firma X seine Lehre als Dachdecker Spitzdachbau absolviert. Nach einem Unterbruch war er seit 2013 wieder für sie tätig gewesen.

Rund 660'000 Franken Schaden

Gemäss Strafbefehl belief sich der Schaden am Gebäude auf rund 660'000 Franken. Die solothurnische Gebäudeversicherung SGV war Privatklägerin, der Rohbau war teils schon Eigentum der Bauherrschaft. Weder die SGV noch die Staatsanwaltschaft wohnten dem Prozess bei.

Auf der Baustelle hatte sich damals ausser Leo nur noch ein Spengler befunden, der anderweitig tätig war. Leo schweisste bis um 16.30 Uhr des Vortags mit einem Gasbrenner Bitumenbahnen, er erhitzte deren Unterseite, um sie dann auf die Dachfläche anzubringen. Im Strafbefehl war fälschlicherweise davon die Rede, dass er die Holzunterkonstruktion direkt beheizte.

Punktuelle Verfärbungen festgestellt

Doch an der Verhandlung wurden Fotos gezeigt, bei denen zu erkennen ist, dass es an den Verbindungsstellen von der bitumierten Fläche zum übrigen Gebäude, an Holzfaserplatten, zwar punktuelle Verfärbungen gab. Die sahen verkohlt aus. Doch wäre das Holz direkt erhitzt worden, wären diese Verfärbungen viel stärker gewesen. «Die Wärme zieht hinauf», erklärte Vico. Holzmaterialien hätten kleine Fäserchen, welche durch Hitze schwarz würden.

Es waren aber auf der Baustelle Sicherheitsmassnahmen getroffen worden. Ein Feuerlöscher stand bereit, ebenso ein Kübel Wasser. Leo benetzte mehrmals die Holzmaterialien. Er räumte den Platz, sodass keine Gegenstände mehr herumlagen. Zudem habe er vor dem Weggehen um 17.30 Uhr auch mit der Hand noch mal kontrolliert, ob das Holz heiss sei, was nicht der Fall war.

Nicht alleine arbeiten lassen

Vicos Verteidiger Samuel Neuhaus sagte, es sei ein «unglücklicher Umstand», der den Glimmbrand verursachte, ein auffrischender Wind, der in der hinterlüfteten Fassade durchwehen konnte. So brannte es auch nicht auf der ganzen geschweissten Länge, sondern die windexponierte nordöstliche Ecke entbrannte.

Das Feuer im Einfamilienhaus-Neubau in Lüterkofen brach am frühen Morgen aus
5 Bilder
Die Feuerwehr Lüterkofen und weitere Feuerwehrleute aus Biberist wurden aufgeboten
Die Feuerwehr hatte den Brand rasch unter Kontrolle
Brand in Einfamilienhaus-Neubau in Lüterkofen
Durch die Löscharbeiten wurde der Neubau allerdings beschädigt

Das Feuer im Einfamilienhaus-Neubau in Lüterkofen brach am frühen Morgen aus

Kapo SO

Der Brand brach erst zwölf Stunden nach Arbeitsschluss aus. Neuhaus und auch Bruno Habegger, Leos Verteidiger, waren sich meist einig. Doch Habegger fand, dass Vico seinen Mandanten nicht alleine hätte diese heiklen Stellen ausführen lassen sollen, weil er in diesen Details kaum Erfahrung gehabt habe und dafür nicht ausgebildet gewesen sei.

Brandausmass hätte verhindert werden können

Amtsgerichtspräsident Stefan Altermatt sprach Leo frei, verurteilte aber Vico zu einer ­bedingten Geldstrafe von 4200 Franken. Denn dieser habe es versäumt, eine Brandwache zu installieren, beispielsweise stündliche Überprüfung bis am nächsten Tag zu organisieren.

So hätte ein Brand vermieden oder zumindest das Brandausmass vermindert werden können. Die vom Architekten geforderte heikle Abdichtungsmethode sei möglich gewesen, aber nur mit dieser zusätzlichen Massnahme.